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Heepmanns Kolumne: Die Apple Watch zelebriert den aktuellen Zeitgeist par excellence – und ist damit Vorbild für die Uhrenindustrie

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Obwohl der Apple-Dienst Apple One eigentlich die strategisch wichtigste Ankündigung des Konzerns aus Cupertino war, startete die Apple-Show am 15. September mit Uhren.

Dies zeigt, welchen Stellenwert die Apple Watch mittlerweile für das Unternehmen einnimmt. Denn obwohl fast ein Drittel der weltweit verkauften Wearables mittlerweile von Apple sind und das Unternehmen damit mehr umsetzt als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie zusammen, will Tim Cook offenbar noch mehr seiner Smartwatches an die Handgelenke bringen.

Wie gewohnt marketingtechnisch perfekt inszeniert, erzählten Menschen gleich zu Beginn der Neuheiten-Präsentation in Videos, wie die Apple Watch ihnen das Leben gerettet hat.

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Und sogar bei Verdacht auf Covid-19 soll die Apple Watch ihrem Träger hilfreich zur Seiten stehe, denn die „Series 6“-Modelle verfügen über eine Funktion zur Messung des Sauerstoffgehalts im Blut. Nach der Handwashing-Funktion greift Apple erneut das Thema Corona auf, was derzeit wie kein anderes die Menschen beschäftigt.

Apple macht sich und seine Uhr so mal wieder zum echten Talking Piece.

Das Ziel ist klar und wird auch ebenso formuliert: „Die Apple Watch ‚Series 6‘ definiert völlig neu, was eine Uhr leisten kann“, so Jeff Williams, Chief Operating Officer von Apple. „Mit neuen leistungsstarken Funktionen, inklusive dem neuen Blutsauerstoff-Sensor und der dazugehörigen App, liefert die Apple Watch weitere Einblicke in das allgemeine Wohlbefinden und sie wird dadurch noch unentbehrlicher.“

Allerdings: noch ist nicht bewiesen, dass die neue Funktion zur Messung des Sauerstoffgehalts auch auf eine mögliche COVID-19-Erkrankung hinweisen kann. Aber, Apple ist dran beziehungsweise Forscher der Seattle Flu Study am Brotman-Baty-Institut für Präzisionsmedizin und Fakultätsmitglieder der University of Washington School of Medicine. Sie versuchen herauszufinden, wie Hinweise durch Apps auf der Apple Watch, wie Herzfrequenz und Sauerstoffgehalt im Blut, als frühe Anzeichen für Atemwegserkrankungen wie Grippe und COVID-19 dienen könnten.

 

Optisch bietet die neue Apple Watch mehr Auswahl denn je. Wirklich neu sind die Solo-Loop-Armbänder in neun verschiedenen Längen, „die erstmals in der Uhrenindustrie“ vorgestellt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Sie bestehen aus einem durchgehenden und dehnbaren Banddesign aus Silikon und geflochtenem Garn aus 100 Prozent recyceltem Material. Hinzu kommen Armbänder mit Magnetverschlüssen.

Neben dem immer größer werden Wunsch nach lässigem Komfort und Beqeumlichkeit der Menschen – wie sonst wäre der Sneaker-Hype zu erklären – kommt also auch noch Nachhaltigkeit ins Spiel.

Aber damit nicht genug, wie schon bei den iPhones führt Apple eine abgespeckte SE-Version der Uhr ein. Diese kann zwar den Sauerstoffgehalt im Blut nicht messen, kostet dafür aber weniger als 300 € und ist damit über 100 € billiger als das günstigste Modell der neuen „Series 6“.

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Die Stichworte erschwinglicher Luxus, Demokratisierung des Luxus und Einsteigermodelle für die jüngere, noch nicht ganz so zahlungskräftige Generation kommen mir da in den Sinn. Nicht neu, aber ebenfalls aktuelle Gedanken unserer Zeit.

Eines muss man Apple lassen: den Zeitgeist erkennen, in Produkte und das entsprechende Marketing umsetzten, das kann der Konzern aus dem Effeff. Davon sollte sich die „herkömmliche“ Uhrenindustrie, aber nicht abschrecken lassen, sondern sie sollte davon lernen. Denn in Sachen Qualität, technischer Kompetenz, Material, Design, Innovationskraft und so weiter müssen sich klassische Uhren in keiner Weise hinter der Apple Watch verstecken – im Gegenteil.

Zum Vorbild jedoch könnte man sich die Formulierung und Vermittlung klarer Botschaften machen. Denn auch das entspricht dem Wunsch vieler Menschen in einer immer unüberschaubareren Welt.

Wofür stehe ich als Marke? Wofür steht mein Produkt, welchen Platz füllt es im der aktuellen Lebensgefühl ein, warum gehört es zum Leben der Menschen im hier und jetzt? Kurz gesagt: warum ist ein echter Zeitmesser ein unentbehrlicher Begleiter für moderne Menschen?

Die Antworten hierauf zu finden, zu geben und an den Endverbraucher glaubhaft zu vermitteln, gehört zu den größten Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft für die Uhrenindustrie.

Tags : appleCoronaJeff Williamssmartwatchtim cook
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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