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Heepmanns Kolumne: Der Einzelhandel ist kein Corona-Hotspot! Ja, aber …

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Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Als der Lockdown Light mit den Schließungen von Gastronomie, Hotels, Kosmetik- und Fitnessstudios, Kultureinrichtungen und so weiter am 2. November in Kraft trat, war die Empörung vieler unmittelbar Betroffener groß. „Wir halten uns an die Hygienevorschriften und sind nicht die Hotspots und Infektionstreiber.“

Nun steht konkret in Sachsen, vermutlich spätestens nach Weihnachten bundesweit, dem Einzelhandel das gleiche Schicksal bevor. Und auch hier regt sich reflexartig Widerstand, allen voran vom HDE, der sagt, dass der „Einzelhandel kein Hotspot sei. Eine eventuelle Schließung der Geschäfte sei deshalb für eine effektive Pandemiebekämpfung nicht notwendig und würde im Weihnachtsgeschäft für enormen wirtschaftlichen Schaden sorgen.“

Ich habe nicht nur großes Verständnis für diese Haltungen und die Sorge vor existenzbedrohlichen Entwicklungen für viele Restaurants, Studios, Theater und stationäre Geschäfte. Ich stimme auch der Auffassung zu, dass sich die große Mehrheit akribisch an die Hygienevorschriften, Abstandsregeln und so weiter hält.

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Natürlich lässt sich über die Vorschriften im Detail trefflich streiten – und darüber Zeit verlieren. Zeit, welche das Virus hemmunglos für sich nutzen kann. Ich halte es daher mit dem Moderator, Musiker, Entertainer, und Schöngeist Götz Alsmann, der am Montag auf dem „Roten Sofa“ in der NDR-Sendung DAS! sagte:

„Ich habe schon vor einiger Zeit aufgehört, mit den Details zu hadern, die generelle Richtung muss stimmen. Und die, die die meinen, dass uns der Geschmack von Freiheit und Abenteuer vorenthalten wird, sollten sich die Frage stellen, ob das für alle gut ist, nur weil sie sich total dufte und frei fühlen wollen.“

Missverständnis

Ich denke, bei den Klagen über ungerechte Restriktionen und Vorschriften herrscht ein großes Missverständnis vor: Es geht bei den Lockdownmaßnahmen mit dazugehörigen Schließungen von Einrichtungen und Geschäften nicht darum, einen Schuldigen an der Corona-Misere zu benennen und zu bestrafen. Schuld ist allein das Virus.

Worum es bei all den Maßnahmen geht, ist die Reduzierung von persönlichen Kontakten. Das dies notwendig ist, darin sind sich wohl alle einig. Aber Kontakte finden nun einmal im normalen gesellschaftlichen Leben überall und ständig statt. Wo also soll man dieses einschränken? Das ist eine Frage, die eigentlich nie fair beantwortet werden kann. Pandemien sind nun mal leider nicht fair.

Einige Bereiche mussten und müssen heruntergefahren werden. Schule und Kita? Einzelhandel? Im November hätte es sehr wahrscheinlich einen riesigen Aufschrei und den Corona-Verschwörern wohlmöglich noch Rückenwind gegeben.

Zu sehr hatte sich im Sommer bei vielen schon das Gefühl verfestigt, dass wir Corona überstanden hätten. Mahner vor der zweiten Welle wurden als Schwarzmaler und Panikmacher abgetan und fanden wenig Gehör.

Das Virus hat sich um all das nicht geschert und sich unbeeindruckt zur zweiten Welle aufgeschwungen. Auch beim Lockdown Light spielt es einfach nicht mit, die Zahlen bleiben alarmierend hoch und steigen sogar. Bund und Länder müssen handeln, will man nicht vollends die Kontrolle verlieren und die Gesundheitseinrichtungen ungebremst ins Chaos und wohlmöglich in die Triage laufen lassen.

„Offene Läden und die wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie sind kein Widerspruch, eine erneute Schließung vieler Geschäfte ist nicht notwendig“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Ja, aber …

Ich befürchte, das ist zu kurz gedacht, und die Realität widerspricht dieser Aussage zudem. Der strenge Lockdown im Frühjahr hat für sinkende Infektionszahlen gesorgt. Das muss uns auch jetzt gelingen. Egal ob Ladengeschäft, Restaurant, Hotel oder Fitnesstudio, sie alle bringen Menschen zusammen – genau das ist ja unter anderem das Schöne daran – eigentlich.

Ich befürchte daher auch, dass wir um einen zweiten strengen Lockdown nicht herumkommen werden. Die Überlegung, diesen erst nach Weihnachten einzuführen, halte ich für sinnvoll. Sonst würde es wahrscheinlich schnell zu völlig überfüllten Fußgängerzonen kommen, weil jeder noch vor der Schließung die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen will. In Sachsen können wir dies jetzt schon sehen.

Ob die Entscheidung für einen harten Lockdown am Ende die richtige gewesen sein wird, werden wir leider erst hinterher wissen, dafür ist Corona einfach zu unberechenbar.

Gern teile ich übrigens den Optimismus von Dr. Guido Grohmann, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e. V., der meint: „Die deutsche Branche wird nach der Pandemie eine bessere Chance auf schnelle Rückkehr zu alter Stärke haben als die Branche in manch anderen Ländern.“

Machen wir also das Beste draus und bleiben Sie gesund!

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