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Heepmanns Kolumne: Corona hat die Welt fest im Griff

Antje

Seit heute morgen sind Deutschlands Grenzen nahezu vollständig geschlossen, und je nach Region ist das öffentliche Leben praktisch zum Stillstand gekommen.

So sind beispielsweise in Hamburg, dem Sitz von WatchPro Deutschland, seit heute alle öffentlichen und nicht öffentlichen Veranstaltungen untersagt und Bars, Fitnesstudios, Museen, Kinos, Sportanlagen und dergleichen geschlossen, Bayern hat bereits den Katastrophenfall ausgerufen. Und wer weiß, was noch kommen wird. Die Zahlen aus Italien und der Schweiz verheißen keine schnelle Verbesserung der Situation.

Ich persönlich habe so etwas noch nie erlebt: alle Bereiche des Lebens – beruflich, wirtschaftlich, kulturell und auch ganz privat – sind massiv betroffen und eingeschränkt. Eine Situation, die durchaus beängstigend ist. Und kam einem letzte Woche noch der ein oder andere mehr oder weniger gelungene Corona-Scherz über die Lippen, ist einem das spätestens seit dem Wochenende gründlich vergangen. Oder haben Sie es schon einmal erlebt, dass sie von Freunden, die sie zufällig beim Frühlingsspaziergang am Sonntag treffen, einige Meter Abstand halten müssen?

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Selbstverständlich betrifft Corona auch die Uhrenbranche und den Uhrenfachhandel bis ins Mark. Erst die abgesagten Messen und nun die Unterbrechung von Lieferketten und vor allem der Einbruch des privaten Konsums von Dingen, die für das tägliche Leben nicht erforderlich sind. Uhren gehören zweifelsohne dazu. Man mag gar nicht daran denken, dass möglicherweise auch bei uns wie in Italien und Österreich bis auf Supermärkte, Drogerien und Tankstellen nahezu alle anderen Geschäfte schließen und es zu einer Ausgangssperre kommt …

Damit kein Mißverständnis entsteht. All diese Entscheidungen sind richtig und werden nicht leichtfertig getroffen – hoffen wir, dass sie die unkontrollierte Verbreitung des Virus verhindern oder zumindest verzögern werden, um die Gesundheits-Systeme nicht völlig zu überfordern.

Aber, es wird ein Leben nach Corona geben.

Und dann werden sich auch die Firmen der Uhrenbranche daran machen müssen, wieder auf Kurs zu kommen. Wie diese Lücke, die Corona im Wirtschaftsleben unweigerlich hinterlassen wird, irgendwann und irgendwie wieder ausgegelichen werden soll, das weiß im Moment wohl niemand wirklich.

Vor allem für Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen ist zu hoffen, dass die angekündigten staatlichen Hilfen wie KfW-Kredite ausreichen werden, um existenzbedrohende Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Und auch die großen Unternehmen werden trotz möglicher eigener Strategien sicher auf Unterstützung angewiesen sein. „Möglichst kein Unternehmen soll durch die Epidemie in Existenznot geraten und möglichst kein Arbeitsplatz verloren gehen“, teilte das Bundesministerium für Finanzen vergangene Woche mit und kündigte unter anderem ein milliardenschweres Hilfsprogramm an. Hoffentlich gelingt es der deutschen Regierung ähnlich gut wir während und nach der Weltfinanzkrise, das Schlimmste abzwenden.

Nichtsdestrotrotz werden in den kommenden Tagen und Wochen auch viele Luxus-Unternehmen – große wie kleine – ihre Produktion herunterfahren müssen. Sei aus aus Sorge um die Mitarbeiter und/oder aufgrund von Materialmangel.

Gucci hat dies bereits getan. Die zum Kering Konzern gehörige Marke hatte die Schließung seiner Produktion in Italien vergangene Woche angekündigt: „Als Vorsichtsmaßnahme zum weiteren Schutz der Gesundheit der Gemeinschaft bleiben die Produktionsstätten bis zum 20. März geschlossen, während die für die Kontinuität unseres Geschäfts unerlässlichen Aktivitäten weitergeführt werden. Diese vorübergehende Schließung wird daher die Versorgung unserer Kunden mit unseren Produkten nicht beeinträchtigen”, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Man wird sehen, ob er Recht behalten wird.

CEO Bernard Arnault geht mit LVMH einen anderen Weg. „Es bleiben alle Fabriken der Gruppe auf der Halbinsel zu 100 Prozent in Betrieb”, hieß es letzte Woche. Allerdings werden ab heute in drei der Parfüm- und Kosmetikfabriken des Konzerns Handdesinfektionsmittel produziert, die kostenlos an französische Gesundheitsstellen gehen sollen.

Aber nicht nur die großen Konzerne stehen vor ungewohnten Herausforderungen, die viel Courage bei der Entscheidungsfindung abverlangen – denn eine Blaupause für die aktuelle Situation gibt es nicht. Wir alle müssen uns auf Wochen im Ausnahmezustand einstellen.

Oder wir das Handelsblatt im heutigen Morning Briefing schreibt: „Man kann, unter dem Strich, die Katastrophe ‚Coronavirus‘ auch als eine Art unfreiwilliges soziales Experiment betrachten, das unsere Gesellschaft weit mehr verändern wird als Tagungen über ‚Disruption‘ oder ‚Fridays-for-Future‘-Demos. Wenn von heute an Deutschland die Grenzen zu vielen Ländern schließt, die Inseln in Nord- und Ostsee auf einmal gesperrt und die Schulen verwaist sind sowie Bayern den Katastrophenfall ausruft, beginnt auch ein ganz anderer Kampf. Es ist der Kampf um Solidarität im Kleinen, um den Zusammenhalt von Nachbarn, Freunden und Familie, um das Glück im Moment. Niemand gewinnt alleine gegen die Angst. Sozialkontakte müssen nicht vermieden, sondern intensiver gelebt werden – im Kleinen.“

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich und Ihre Mitmenschen auf!

Wir werden Sie natürlich über die Geschehnisse in der Uhrenbranche weiterhin auf dem Laufenden halten.

Tags : CoronaHeepmannKolumne
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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