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Heepmanns Kolumne: Bin ich schon drin?

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Bei der Watches & Wonders Geneva werden dies ganz normale Uhrenliebhaber, die beruflich rein gar nichts mit dieser Branche zu tun haben, bald sagen können. Und zwar am 1. April (nein, es ist kein April-Scherz) und am 2. April dieses Jahres.

Ist dies nur ein Zugeständnis an die Aussteller, die ohnehin immer verstärkter den direkten Kontakt zum Endkunden suchen? Sei es via E-Commerce und Boutiquen und natürlich ihren Aktivitäten in den Sozialen Medien. Ist es ein „Schlag ins Gesicht“ des verdienten Fachhandels, der die Marken einst groß machte?

Ja, daran ist natürlich etwas dran, und ich kann den Frust einiger Juweliere verstehen, wenn sie sehen, dass so manche Marke an ihnen vorbei ihr eigenes Geschäft mit dem Endkunden macht. Und jetzt sollen diese auch noch auf einer einst ihnen vorbehaltenen Messe ihr Unwesen treiben?

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Dabei darf man nicht vergessen, dass dies auf der Baselworld eine Selbstverständlichkeit war – mit einem kleinen Unterschied. Zu deren Zeit war es gerade für viele Luxusmarken noch ein No-Go direkt via E-Commerce an den Endkunden zu verkaufen, und Boutiquen dienten meist eher dem Marketing denn dem Generieren von Umsatz. Das hat sich geändert.

Vor allem für kleinere Marken, die noch im Aufbau sind und eine Messe nicht nutzen können, um sich dort mit ihrem gesamten Vertriebsteam und bestehenden Handelspartnern zu treffen – weil es diese schlicht in großer Zahl noch nicht gibt –, wäre der Kontakt zum Endverbraucher – zusätzlich zu den Branchenspezialisten – nicht nur hilfreich, sondern würden für sie eine entsprechende Messe um vieles attraktiver machen.

Nicht ohne Grund versuchen Messen wie die Inhorgenta neben etablierten Marken auch neue und Nischen-Marken in die Ausstellerschar zu integrieren – es macht die ganze Sache einfach runder, vielfältiger und spannender. Für alle Beteiligten.

Nicht zu vergessen ist dabei, dass Uhren mittlerweile auch in der breiten Masse über ihre Daseinsberechtigung als funktionales Accessoires längst hinausgekommen sind, und dass auch solche Marken, die nicht ganz oben mitspielen, viele Liebhaber haben und Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Antje Heepmann

Aber klar, aus Sicht der Inhorgenta beispielsweise – die seit Beginn meiner Tätigkeit zu meinen Lieblingen unter den Messen gehört –, gibt es handfeste Gründe, zögerlich mit einer Öffnung für das Publikum zu sein. Schließlich ist man keine kleine hippe Veranstaltung, sondern ein Dampfer, der nicht mal eben so in die eine und kurz darauf in die andere Richtung navigieren kann.

Ein solcher Schritt, der schwerlich wieder zurückgenommen werden kann, will wohlüberlegt und gründlich geplant sein – ohne wichtige Stamm-Aussteller zu verprellen. Denn da wird es den ein oder anderen Vorbehalt geben – sei es in puncto Sicherheit oder aufwendiger Umgestaltung des Standdesigns – oder, oder, oder …

Dabei gibt es ja viele Spielarten, eine solche Öffnung zu gestalten, auch ohne das bisherige Hallenkonzept komplett auf den Kopf zu stellen. Am Platz für einen gesonderten Publikumsbereich, der zum Beispiel nur an einem oder zwei Tagen geöffnet wäre, mangelt es zumindest in der Regel nicht.

In München könnte beispielsweise die Halle B0 genutzt werden, in der früher die Swatch Group ihr Neuheiten-Feuerwerk abgebrannt hat – samt Catering und garantiertem Unterhaltungsfaktor für die gute Stimmung.

Nicht nur, dass so manche zusätzlichen Begehrlichkeiten ob des direkten Kontakts zur Marke geweckt werden würden – ob dann auch direkt ver- und gekauft werden muss, steht auf einem anderen Blatt. Abgesehen von den üblichen Fachmedien, Special Interest Magazinen und mehr oder weniger einflussreichen Influencern würde das allgemeine Medieninteresse sicher ebenfalls stark zunehmen und Uhren und Schmuck noch stärker ins Bewusstsein der Verbraucher rücken. Und da ist ja wohl jeder gerne drin.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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