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Heepmanns Kolumne: Baselworld – Da weiß man, was man hat. Guten Abend!

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Mit diesem schon fast legendäre Spruch aus der Persil-Werbung in den 1970er-Jahren – die Älteren unter uns werden sich daran erinnern – empfahl der äußerst seriöse Persil-Mann bei hartnäckigen Flecken und für strahlend saubere Wäsche das Pulver der Henkel-Marke – eine sichere Bank also in der Welt des Haushalts.

Leider trifft dies im übertragenen Sinne auf die Baselworld nicht (mehr) zu. Auch ihr strahlendes Image als The-Place-to-Be-Messe bekam nach und nach Flecken – das passende Gegenmittel aber hat man nicht rechtzeitig gefunden.

Gestern nun teilten die Organisatoren der Baselworld mit, sich für deren „Neustart mehr Zeit zu nehmen. Die im Frühjahr 2022 geplante Baselworld wird nicht stattfinden.“

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Bereits der Onlineauftritt unter dem Namen „Baselworld 365“, der im Herbst an den Start gegen sollte, nahm keine Formen an. Auf Nachfrage von bzbasel.ch hieß es dazu ebenfalls, dass das Produkt noch nicht marktreif sei. Zugleich berichtet die Zeitung, dass aktuell lediglich 100 Anmeldungen vorgelegen hätten.

Zurück zu Persil, dem zuverlässigen Mittel gegen Flecken. Bis zum einsetzenden Niedergang – beginnend im Jahr 2018 mit der Halbierung der Aussteller und 2019 mit dem Wegbleiben der Swatch Group – wusste man zwar (wie beim Waschpulver) auch, was man an ihr hatte – auch wenn nicht alles glorreich war. Aber sie war eine feste Größe, die zuverlässig die Erwartungen an sie erfüllte. Die Macht der Gewohnheit spielte bei all dem sicher auch eine Rolle.

In Krisenzeiten wie der jetzigen setzt man auf solche Zuverlässigkeiten, vetraut diesen mehr als neuen Konzepten, die noch ihre Bewährungsprobe vor sich haben. Doch als die Corona-Krise begann, steckte die Baselworld schon knietief in ihrer eigenen Krise und hatte viel Vertrauen verspielt. Von den großen Marken der Halle 1.0 hatten ihr viele den Rücken gen Genf gekehrt, ein neues Konzept lag noch nicht vor – und dann kam auch noch Corona und damit die Absage der Ausgabe 2020.

Die einstigen Macher der Baselworld, die es sträflich vernachlässigt hatten, die Baselworld schon Jahre zuvor auf einen Zukunftskurs zu bringen – die „Flecken“ waren ja längst bekannt – hatten da das sinkende Schiff bereits verlassen.

Stattdessen haben sie es dem neuen Managing Director der Baselworld, Michel Loris-Melikoff, überlassen, die Scherben zusammenzufegen, um daraus ein neues Messekonzept zu kreieren. Zusätzlich musste Corona getrotzt werden.

Und er hat bis zum Schluss versucht, zu retten, was zu retten ist – mit viel unerschütterlichem Engagement. Bis jetzt.

Nun hat auch er das schon fast versunkene Schiff, sprich die MCH Group und die Baselworld, verlassen.

Damit dürfte die Baselworld endgültig Geschichte sein. Denn in der aktuellen Situation der anhaltenden Pandemie – die leider wohl noch länger begleiten wird, als wir alle erhofft hatten – ist es schier unmöglich, ein neues Konzept aus dem Boden zu stampfen und zu erwarten, dass die ganze Branche sofort Hurra schreit. Stattdessen herrscht Vorsicht vor, setzt man auf Bewährtes wie zum Beispiel die Inhorgenta – die hoffentlich im kommenden Jahr stattfinden wird.

Und irgendwann ist auch die Macht der Gewohnheit, dass man sich mit der ganzen Branche einmal im Jahr in Basel treffen muss, verpufft, und andere Formate und Möglichkeiten sind an ihre Stelle getreten. Dann heißt es – wie in der Persil-Werbung – auch für die Baselworld „Guten Abend“ und damit Goodbye und auf Nimmerwiedersehen.

Wie James Murdoch diese Entwicklung findet, darüber kann man nur spekulieren. Mit seiner Investmentgesellschaft Lupa Systems war er erst im vergangenen Jahr neuer Ankeraktionär der MCH Group geworden. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit”, betonte er damals. „Wir werden alles daran setzen, das in uns gesetzte Vertrauen als neuer Ankerinvestor und im Verwaltungsrat zu rechtfertigen und zum erfolgreichen Turnaround und strategischen Fortschritt des Unternehmens beizutragen.”

1 COMMENT

  1. Die Top Schweizer-Marken, mehrheitlich im Besitz von Auslaendern, bei denen es nur um das Geld und den Luxus geht, haben die Messe in die falsche Richtung gedrueckt! Jetzt zeigen sie endlich ihr wahres Gesicht, haben ihre eigene Messe in Genf, wo sie nun unter sich bleiben koennen! Heute sind Occasions-Uhren dieser Top-Marken mehr gefragt als neu produzierte Uhren in besserer Qualitaet!!?? Ist das der Start in eine vielversprechende Zukunft fuer diese Marken und der gesammten Uhren-Industrie in der Schweiz!!??
    Keine nicht weltweit bekannte oder neue Marke hat dort eine Chance auszustellen und ihre oft Innovativen Produkte zu vermarkten! Dadurch wird bald viel know-how in der Uhren-Industrie verloren gehen!
    Technische Entwicklungen, zukunftsweisende und umweltfreundliche Produkte, wie Solar- und Kinetik-Uhren, kommen mehrheitlich aus Japan!!??
    Deshalb ist es sehr schade, dass die Messe in Basel, wie sie vor ueber 20 Jahren organisiert war, nicht mehr existiert!!
    Bin nun seit 60 Jahren in der Schweizer Uhren-Industrie taetig und glaube nicht mehr an eine gute Zukunft!!??

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