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Heepmanns Kolumne: Baselworld 2020 findet trotz Corona-Virus wie geplant statt – richtig oder falsch?

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Die Messeleitung hat nun offiziell mitgeteilt, dass die Baselworld wie geplant vom 30. April bis zum 5. Mai stattfinden wird. Das ist zumindest Stand der jetzigen Entscheidung.

Die Vorbereitungen des Salons laufen fahrplanmässig, und die Teams arbeiten mit Hochdruck daran, die Show wie geplant stattfinden zu lassen, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

„Baselworld 2020 ist aufgegleist”, sagt Michel Loris-Melikoff, Managing Director der Baselworld.

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„Wir bereiten die kommende Show wie geplant vor. Aufgrund der Informationen, die unser Planungsteam bisher gesammelt hat, besteht kein Zweifel an der Durchführung. Die Belegung der Hallen ist nun komplett und mit zahlreichen Innovationen zur Verstärkung des Baselworld-Erlebnisses gespickt. Wir sind erfreut über die wachsende Anzahl Aussteller, sogar im Sektor der Edelsteine, wo wir eine Zunahme um 50 Prozent verzeichnen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, um zu garantieren, dass wir auf jeden Fall eine außerordentliche Show und Plattform für die gesamte Uhren- und Schmuckgemeinschaft bereithalten. Wir werden die perfekte Bühne für das neue Baselworld-Erlebnis und die gesamte Palette an neuen Produkten bereithalten, welche die weltweite Community sehnlich erwartet.“

Zugleich betont er, dass man die noch immer nicht gestoppte Ausbreitung des Virus sehr ernst nehme.

„Gleichzeitig beobachten wir die Entwicklung der Situation um das Virus aufmerksam und sind in ständigem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden und anderen Ämtern. Gemeinsam mit den wichtigsten Exponenten unserer Industrie befolgen wir alle offiziellen Weisungen und Empfehlungen zur Wahrung der Sicherheit der Aussteller, Besucher und Angestellten. Ein umfassender Aktionsplan für den Schutz der Gesundheit steht für alle Fälle bereit.”

Aber das ist derzeit nur der aktuelle Stand. Daniel Koch leitet in der Schweiz die Abteilung “Übertragbare Krankheiten” im Bundesamt für Gesundheit. Er wurde am Mittwoch von der NZZ Neue Zürcher Zeitung so zitiert: “Unsere Botschaft lautet: Das Coronavirus stellt derzeit für die Schweiz keine Bedrohung dar. Aber dies könnte sich in drei Wochen oder sechs Monaten ändern.”

Konträre Reaktionen

Die Kommentare zu einem Bericht über die geplante Durchführung der Baselworld auf www.bazonline.ch könnten unterschiedlicher nicht ausfallen und bilden die sensible Gemengelage der verschiedenen Meinungen zu diesem Thema gut ab.

Die eine Seite hält diese Entscheidung für verantwortungslos:

„Andere Veranstaltungen im Ausland werden abgesagt. Sind wir nicht etwas nachlässig?“

„Verantwortungslos! Mehr kann ich dazu nicht sagen!!

„Wird Corona doch eingeschleppt, waschen alle ihre Hände in Unschuld und wissen von keinem Fehler… Verantwortung wird dann abgeschoben.. mit Vorbildern wie Thiam und BR… Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts! Alles wegen der Wirtschaft: Die Gesundheit des Personals ist den Verantwortlichen egal, sie müssen ja nicht hin! Passt!“

Einige vermuten sogar pure Profit-Gier:

„Ja klar, die Baselworld findet statt wie Ostern. Nur mit dem Unterschied ohne die Asiaten. Vor lauter Sturheit wird wiederum die Rendite in Vordergrund gestellt.“

„Während andere Länder dicht machen (nicht grundlos) gehen Genf und Basel mit schlechtem Beispiel voran. Sollte das Virus dann doch eingeschleppt werden, sollte man die Verantwortlichen, die das arrangiert haben, dass die Messen mit Teilnahme der Chinesen stattfindet, zur Verantwortung ziehen und sie mit einer Millionenklage konfrontieren.“

Viele zeigen auch Verständnis:

„Guter Entscheid. Der Autosalon in Genf findet ja auch statt. Zum Glück ist die Baselword nicht in Panik gefallen, wie einige Kommentatoren hier. Zudem ist das Grippe Virus gefährlicher, es sterben tausende daran alleine in Europa und das jedes Jahr.“

„Wenn man bei jedem Virus eine Veranstaltung absagen müsste, dass müssten wir wohl auch die Fasnacht, Theater, etc. absagen. All die frustierten Kommentatoren streben wohl einen totalen Stillstand des Lebens, der Wirtschaft an.“

Und andere machen sich schlicht Sorgen um die Baselworld:

„Was bringt es eine Messe durchzuführen, wenn die Besucher fehlen werden? Die Durchführung der Messe könnte zum Rohrkrepierer werden. Was das endgültige Aus für die Baselworld bedeuten würde.“

„Natürlich! Als Abschiedsvorstellung möglicherweise.“

Verzwickte Lage

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

In der Haut von Michel Loris-Melikoff möchte wohl derzeit niemand stecken. Seit er als Managing Director der Baselworld angetreten ist, hat ihn scheinbar sein möglicherweise einst gutes Karma verlassen.

Es gibt gefühlt keine Steine, die ihm nicht in den Weg gelegt wurden, und die er und sein Team seit Mitte 2018 unermüdlich versuchen, aus dem Weg zu räumen. Und nun auch noch Corona. Dafür kann ihn nun wahrlich niemand verantwortlich machen, dennoch könnte es über das Schicksal der Messe mit entscheiden.

Wenn jetzt trotz aller Bemühungen das Virus für schlechte Besucherzahlen und schlechte Stimmung während der Messe sorgt … man mag es sich gar nicht ausmalen. Dann schreien alle, dass es besser gewesen wäre, die Messe abzusagen. Würde die Messe abgesagt werden, dann würden – im Zweifelsfall dieselben Personen – ebenfalls schreien, dass dies doch völlig überzogen wäre. Es ist verzwickt.

Noch sind es einige Wochen, bis die Baselworld ihre Tore öffnet. Ich drücke jedenfalls die Daumen, dass sich die Aufregung um 2019-nCoV bis dahin gelegt hat und die Ausbreitung eingedämmt sein wird. Denn ein Desaster für die Baselworld wäre auch ein Desaster für die Branche. Am besten drücken Sie alle Ihre Daumen mit!

Tags : baselworldCoronaKolumneMelikoff
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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