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Heepmanns Kolumne: Bange machen gilt nicht!

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Strategy Analytics, ein globales, unabhängiges Forschungs- und Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in den USA, meldet in einer Pressemitteilung, das „traditionelle Schweizer Uhrenhersteller wie Swatch die Smartwatch-Kriege verlieren“.

Nun kann man sich ob der Angemessenheit einer solchen Wortwahl ärgern oder fragen, ob die Lancierung eines neues Produkts wie eine smarte beziehungsweise connected Uhr einer Kriegserklärung gleich kommt. Ich denke nein, es ist ein normaler Vorgang.

Angesichts der aktuellen Zahlen von Apple und der Schweizer Uhrenindustrie lohnt es sich aber, genauer hinzuschauen.

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Nachdem Tim Cook gerade erst für 2019 einen Allzeit-Rekord-Umsatz bei Wearabels und Services bekanntgegeben hat und allein der Absatz der Apple Watch laut Stratgey Analytics um 36 Prozent auf 30,7 Millionen Stück gewachsen sei, macht der Rückgang der Schweizer Uhrenexporte im unteren und mittleren Preisbereich im vergangenen Jahr durchaus nachdenklich.

Wertmäßig haben die Schweizer Uhrenexporte 2019 zwar um 2,4 Prozent auf knapp 22 Milliarden CHF zugelegt, mengenmäßig ging es aber mit einem Minus von 13 Prozent steil bergab. Insgesamt wurden laut Verband der Schweizer Uhrenindustrie gut 20 Millionen Uhren exportiert – also rund 30 Prozent weniger Uhren als Apple als Einzelunternehmen weltweit verkaufte.

Steven Waltzer, Senior Analyst bei Strategy Analytics, kommentiert dies so: „Traditionelle Schweizer Uhrenhersteller wie Swatch und Tissot verlieren die Smartwatch-Kriege. Apple Watch liefert ein besseres Produkt über besser verzweigte Einzelhandelskanäle und spricht jüngere Verbraucher an, die zunehmend digitale Armbänder wünschen. Das Zeitfenster, in der Schweizer Uhrenmarken im Smartwatch-Markt Fuß fassen können, schließt sich. Die Zeit könnte für Swatch, Tissot, TAG Heuer und andere knapp werden.”

Ich denke: Apple Watches sind nicht besser, sondern anders. Und außerdem: Bange machen gilt nicht.

Der Markt für Wearabels, smarte und connected Uhren ist noch in der Findungsphase, genauso wie ein Großteil der Verbraucher. Auch diese müssen noch erkunden, ob und wenn ja, welche Smartness am Handgelenk die passende ist. Und ob diese dann die herkömmliche Uhr ergänzt oder ersetzt, steht in den Sternen. Die Zeiten, in denen Verbraucher berechenbar waren, ist längst vorbei.

Richtig. Man könnte aufgrund der Zahlen schnell zu dem Schluss kommen, dass die Zuwächse im Smartwatch-Bereich ganz klar zulasten der konventionellen Uhren im unteren und mittleren Preisbereich beziehungsweise im Lifestylesegment zustande gekommen sind. Wohl gemerkt, das könnte man meinen. Und vielleicht ist es auch so. Vielleicht aber auch nicht.

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Denn: ob die trendige Quarzuhr ihren Platz dauerhaft räumt, um für ein Wearable Platz zu machen, oder ob die Uhr für das Fashion-Outfit einfach keine so große Rolle mehr spielt und die Käufer von Wearables schlicht und ergreifend vorher gar keine Uhren getragen haben … dies werden irgendwann vielleicht einmal die Marktforscher ermittelt haben.

Im Moment sind solche Überlegungen jedoch noch mit viel Spekulation behaftet.

Dennoch sollten die Uhrenmarken solche Überlegungen hegen, um den zweifellos wachsenden Smart-Kuchen nicht komplett anderen zu überlassen.

Und eines muss man Swatch – die in der Pressemitteilung von Strategic Analytics mehrfach als Verlierer der vermeintlichen Smartwatch-Kriege genannt werden – lassen: jetzt mit Swatch Pay auf den Markt gekommen zu sein, kann sich als kluger Schachzug erweisen.

Man hält die Liebhaber der „klassischen“ Swatch bei der Stange – denn die Bezahluhr sieht im Grunde wie eine ganz normale Swatch aus. Die Marke erreicht aber auch diejenigen, die mit der smarten Welt am Handgelenk liebäugeln – auch wenn es dank eingebauten NFC-Chips eigentlich nur um eine Geld- oder Kreditkarte in Uhrform geht, und nicht um eine wirklich smarte oder connected Uhr. Aber selbst in Deutschland ist das kontaktlose Bezahlen auf dem Vormarsch. Und das kann die Swatch-Pay-Uhr.

Man wird sehen. Am Ende entscheidet heute mehr denn je der Verbraucher -mit seiner ganzen Unberechenbarkeit und Wankelmütigkeit. Kein Grund, irgendwelche Kriege heraufzubeschwören. Stattdessen gilt es, ganz genau hinzusehen, was der Konsument möchte, um dann schneller denn je zu reagieren.

Tags : appleapple watchSchweizer Uhrenindustriesmartwatchesstrategy analyticsswatch
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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