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Girard-Perregaux und Ulysse Nardin entlassen fast ein Viertel der Belegschaft

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Am Montag teilten die zur Kering-Gruppe gehörenden Uhrenmarken, dass sie infolge des Umsatzrückganges während der Corona-Krise 100 der 390 Mitarbeiter entlassen werden.

Die Kering-Gruppe hatte im 1. Halbjahr 2020 einen Einbruch des Konzernumsatzes in Höhe von rund 30 Prozent auf 5,4 Milliarden € verzeichnet, der Netto-Gewinn brach sogar um über die Hälfte auf 272,6 Millionen € ein.

Auch die anderen Big-Player der internationalen Uhrenindustrie wie LVHM, Richemont und die Swatch Group melden massive Umsatz- und Gewinnverluste in den ersten Monaten des Jahres. Der Nachfragerückgang wird auch mit dem Ausbleiben von Touristen, vor allem chinesischer Touristen, in den Luxusmetropolen Europas begründet.

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„Der durch die Pandemie verursachte plötzliche Umsatzrückgang, gefolgt von der langsamen Erholung in der Uhrenbranche, führte zu der Entscheidung, die Produktionskapazitäten zu reduzieren“, erklären Ulysse Nardin und Girard-Perregaux. Patrick Pruniaux (Bild oben), CEO beider Marken, befürchtet zudem, dass die Pandemie „wahrscheinlich mehrere Jahre lang Rebound-Effekte haben werden“.

Noch Ende August hatten Ulysse Nardin und Girard-Perregaux auf den Geneva Watch Days ihre Neuheiten präsentiert.

Die Marken sind im Kanton Neuenburg angesiedelt, nahe des Vallée de Joux, in dem Luxusuhren-Hersteller wie Patek Philippe, Breguet, Audemars Piguet, Blancpain, Jaeger le Coultre und Vacheron Constantin ihre Produktionen haben.

Camille Golay, Gewerkschaftssekretärin der Gewerkschaft Unia im Vallée de Joux äußerte sich so: „Wir fordern von den Unternehmen, dass sie niemanden entlassen wegen dieser Covidkrise, denn wir wissen: Sie haben die finanziellen Mittel, um diese Krise zu bewältigen“.

In der Schweizer Fernsehsendung Eco sagte François Henry Bennahmias, CEO von Audemars Piguet, am 31. August:

„Wir werden niemanden entlassen.“ Allerdings befürchtet er, das dass viele Zulieferer betroffen sein werden, weil die Hersteller nicht mehr bei ihnen bestellen. „Das ist eine große Gefahr für die Uhrenindustrie. Denn Marken brauchen Volumen, um erfolgreich zu sein, und deshalb müssen auch die Zulieferer am Leben bleiben.“

Auch Jean-Claude Biver, langjähriger Uhrenmanager und heute Ehrenpräsident von Hublot, prognostizierte gegenüber ECO: „Kleine Firmen werden im Herbst bestimmt Probleme bekommen wegen der mangelnden Liquidität.“ Große Unternehmen hingegen hätten laut Biver die Möglichkeit, sogar noch zu wachsen, weil die Menschen auf Sicherheit, Tradition und bekannte Namen setzen.

Die Entlassungen bei Girard-Perregaux und Ulysee Nardin lassen aktuell eher anderes vermuten.

 

Auch die Bucherer-Gruppe hatte im August bekanntgeben, weltweit insgesamt 370 von 2.400 Stellen abzubauen. Der Luzerner Uhrenkonzern rechnet damit, dass in der Schweiz rund 220 Stellen betroffen sind, davon bis zu 170 am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern.

Tags : BennahmiasBiverCoronaGirad-Perregauxkeringulysse nardin
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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