Home Hintergründe

GELESEN: Patrick Pruniaux, CEO Ulysse Nardin/Girard-Perregaux: „Wir werden niemals Mainstream-Uhren herstellen.“

0

Der Chef von Ulysse Nardin und Girard-Perregaux hat mit der Financial Times über seine Pläne nach der Trennung vom Mutterkonzern Kering gesprochen.

Am 31. Mai dieses Jahres schloss der 50-jährige Franzose zusammen mit einer Gruppe privater Investoren ein Management-Buyout der Sowind-Gruppe ab, der Holdinggesellschaft der Schweizer Luxusuhrenunternehmen Ulysse Nardin und Girard-Perregaux – bis dahin im Besitz der des französischen Luxuskonzerns Kering.

Der Kaufpreis wurde nicht explizit kommuniziert, aber Pruniaux erklärt, dass er jetzt der Hauptaktionär sei, und Kering gab Ende Juli im Halbjahresbericht 29 Mio. € Veräußerungsgewinne aus Vermögensverkäufen bekannt.

Advertisement

Ulysse Nardin und Girard-Perregaux entwickeln sich seit Jahren defizitär. Nach Schätzungen des Finanzdienstleistungsunternehmens Morgan Stanley hat sich der Umsatz von Ulysse Nardin seit 2018 halbiert und Girard-Perregaux gehört nicht mehr zu den Top-50-Uhrenmarken der Schweiz. Dennoch ist Pruniaux optimistisch, wie er der der FT verriet. „Wir wachsen um mehr als 40 Prozent“, sagt er über die Entwicklung in diesem Jahr. „Wir werden zu den Zahlen von 2018 zurückkehren.“ Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht.

Wenn die Annahmen von Morgan Stanley zutreffen, dann würden der Umsatz von Ulysse Nardin bei etwa 110 und der von Girard-Perregaux bei rund 60 Millionen CHF liegen.

Einige Experten gehen jedoch davon aus, dass es Patrick Pruniaux nicht leicht haben wird, beide Marken wieder auf Wachstumskurs zu bringen. „Girard-Perregaux spielt nicht mehr in der großen Liga“, sagt zum Beispiel Oliver Müller, Gründer der Schweizer Luxusberatung LuxeConsult und einer der Autoren der jährlichen Branchenberichte von Morgan Stanley. „Es muss jetzt eine große Dynamik einsetzen, die es ihm ermöglicht, nach einem Jahrzehnt des kontinuierlichen Niedergangs wieder zu wachsen.“

Kering, Eigentümer von Modemarken wie Gucci, Saint Laurent und Balenciaga, hatte diese Dynamik offenbar nicht in Gang setzen können und sagte im Mai, dass es den Marken Vorrang einräumen würde, die das Potenzial hätten, „zu einem beträchtlichen Vermögenswert innerhalb der Gruppe zu werden“.

Pruniaux ist jedoch davon überzeugt, dass die neu gewonnene Unabhängigkeit der Marken das Wachstum beschleunigen kann. „Wir sehen einen klaren Appetit auf unabhängige Marken“, sagt er. „Uhrenliebhaber, eingefleischte Sammler und Neukunden interessieren sich zunehmend für Uhren, die weniger Mainstream sind. Wir sind und werden nie Mainstream sein. Wir werden 25.000 Einheiten für Girard-Perregaux nicht überschreiten und nicht mehr als 15.000 für Ulysse Nardin.“

Und damit kann er recht behalten. Blickt man auf die Uhrenmarken, die in den letzten Jahren am stärksten wachsen konnten, dann sind das unabhängige Player wie Breitling und Audemars Piguet.

Und Wartelisten kann Pruniaux auch schon vorweisen, auf manche Modelle wie die „Laureato“ von Girard-Perregaux müssen Interessen mindestens ein Jahr warten. Auch das Interesse an den „Freak“-Uhren von Ulysse Nardin sei groß, sagt er. Er freut sich über die Wartezeiten aber nicht.

„Wir arbeiten daran, diese Wartezeit zu verkürzen, aber es ist schwierig. Wir sind eine Manufaktur mit einem sehr hohen handwerklichen Niveau. Wir können nicht einfach auf einen Knopf drücken und mehr produzieren.“ Stattdessen habe er in diesem Jahr 50 Mitarbeiter eingestellt, darunter eine Reihe von Uhrmachern, die von „sehr angesehenen Marken“ rekrutiert wurden.

Und die wird Pruniaux auch benötigen, sollte Brian Duffy, CEO der Watches of Switzerland-Gruppe, richtig liegen: „‚Laureato‘ war ein enormer Erfolg, und wir können nicht genug davon bekommen. Beide Marken können noch viel größer werden als heute.“

Weiteres Wachstum könnte auch aus Asien kommen. In China sollen bis zum Jahresende 20 Monomarken-Boutiquen eröffnet werden. „Heute liegt das Durchschnittsalter von Ulysse-Nardin-Käufern in Asien unter 35 Jahren“, sagt Pruniaux. „Südostasien ist sehr dynamisch, und wir expandieren sehr gut in Asien. Wir investieren in China, aber mit einem sehr exklusiven Vertrieb.“

Previous articleSINN kooperiert mit Sneaker-Boutique
Next articleFast zwei Millionen US-$ für eine Omega
Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here