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GELESEN: „Den größten Aderlass wird es in der Zentrale geben.“

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Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter und Galeria-Sanierer im laufenden Insolvenzverfahren von Deutschlands letzter großen Warenhauskette, hat der Wirtschaftswoche erläutert, wie er das Unternehmen wieder auf Kurs bringen will.

Weniger Verkaufsfläche, eine neue Managementstruktur und eine Finanzspritze von 200 Millionen € vom österreichischen Galeria-Eigentümer Signa sollen richten, was über Jahre versäumt wurde. Schmerzhafte Einschnitte wären zudem notwendig. Und damit sind nicht nur Filial-Schließungen und damit einhergehende Entlassungen vieler Mitarbeiter gemeint.

„Auch die Flächenproduktivität der anderen Filialen, also der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche, ist zu niedrig“, sagte Geiwitz im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Das heißt, wir werden auch die verbleibenden Standorte tendenziell verkleinern.”

„Statt fünf Verkaufsetagen wird es in etlichen Häusern in Zukunft drei oder vier Stockwerke geben, und dort müssen wir mehr Umsatz schaffen.“

Außerdem soll die bisherige zentrale Steuerung dezentralen Entscheidungsstrukturen weichen. „Sie können ein Warenhaus heute nicht mehr so zentral steuern wie früher“, so Geiwitz. „Um die Entscheidungen vor Ort kümmern sich künftig bundesweit fünf Regionalleiter, die dafür verantwortlich sind, dass ihre jeweiligen Filialen laufen. Sie werden Einfluss auf das Sortiment und das Personal haben.“

In der Konsequenz bedeutet das eine Reduzierung der Mitarbeiter in der Zentrale in Essen. NTV berichtet, dass dort 40 Prozent der Kosten eingespart werden sollen und dass von den gut 1.200 Beschäftigten bis zu 600 ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Das manager magazin hingegen zitiert Geiwitz mit den Worten, dass dies „zu hoch gegriffen“ sei.

Wie viele es auch sein werden, einer davon könnte der bisherige Galeria-Chef Miguel Müllenbach sein, der durch den ehemaligen Kaufhof-Chef Olivier van den Bossche ersetzt werden soll. Er war im vergangenen Jahr Galeria-Vertriebschef geworden.

Zudem berichten manager magazin und die Lebensmittel Zeitung, dass René Benko darüber nachdenken würde, das Handelsgeschäft seiner Signa Holding neu aufzustellen und personell zu verstärken. Der Milliardär will demzufolge seinen Landsmann Günther Helm ins Team holen. Dieser war bis vor wenigen Monaten CEO der Drogeriehandelskette Müller.

„In den Filialen, die wir weiter betreiben, werden wir versuchen, so wenig Kündigungen wie möglich aussprechen. (…) Selbst dort, wo wir Filialen schließen, werden die Mitarbeiter nicht unbedingt arbeitslos. Wir verhandeln noch mit Interessenten, die die Filialen nutzen wollen. Ich hoffe, dass wir Beschäftigte in Filialen, die zur Schließung vorgesehen sind, bei dem jeweiligen Erwerber unterbringen“, so Geiwitz zu den Perspektiven für die Mitarbeiter in den Filialen.

Der Warenhauskonzern hatte im Herbst letzten Jahres erneut wie schon 2020 Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren gesucht. Das und millionenschwere Staatshilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds haben aber nicht ausgereicht, um das Unternehmen wieder profitabel zu machen.

Neben der Pandemie und dem Ukraine-Krieg macht Geiwitz als Grund dafür auch „hausgemachte Fehler“ aus. Zu wenige Filialen seien zum Beispiel bislang auf das neue Konzept umgestellt worden.

Der Wirtschaftswoche sagte Geiwitz:

„Wir müssen mit dem Schutzschirmverfahren die Grundlage dafür schaffen, in drei Jahren alle Standorte umzubauen. Ansonsten können wir es gleich sein lassen.“

Bis dahin müsste man aber aufgrund hoher Umstrukturierungskosten und der Umbaumaßnahmen mit Verlusten rechnen. Erst danach könne man wieder schwarze Zahlen schreiben.

Derweil berichtet NTV mit Verweis auf die Süddeutsche Zeitung, dass der ganz große Kahlschlag bei den Filialen ausbleiben werde und „nur“ etwa 60 Filialen im Zuge des Insolvenzverfahrens geschlossen werden würden. Betroffen seien primär Doppelstandorte, Filialen in großer Nähe zueinander und Stadtviertel-Filialen in Großstädten.

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