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Gastbeitrag Watchfinder & Co.: Wie man die Zeit im Dunkeln erkennt

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Heutzutage, wo die Welt beleuchtet ist wie ein Weihnachtsbaum, ist es leicht, Licht zu jeder Tages- und Nachtzeit als selbstverständlich anzusehen.

Im 17. und 18. Jahrhundert, als es noch keine Elektrizität gab, war das Licht nach Einbruch der Dunkelheit jedoch rar – wie also sollte man die Zeit ablesen?

1860: Die Erfindung der Minutenrepetition

Durch Geräusche natürlich. Genau diesen Gedanken hatte der englische Uhrmacher Daniel Quare im Jahre 1680, worauf er die Minutenrepetition erfand.

Die Minutenrepetition ist ein äußerst komplexer Mechanismus aus Hunderten von Teilen, die im Einklang miteinander arbeiten. Durch die Anzeige von Stunden, Viertelstunden und Minuten ermöglichte die Minutenrepetition den Menschen, die Zeit auf Wunsch zu hören.

Im September 1839 – nur vier Monate nach der Gründung – produzierte Patek Philippe eine Taschenuhr mit dieser Komplikation, die es ermöglichte, auch bei Dunkelheit die Zeit abzulesen.

Was aber, wenn man sich die Zeit laut vorlesen lassen wollte, ohne dass man sie anfordern musste so wie es bei der Repetition der Fall ist. In der Regel muss der Träger dafür einen Hebel an der Seite der Uhr betätigen, um die Uhrzeit durch das Schlagwerk hörbar zu machen.

Die Sonnerie handelt autonom

Nun, hier kommt die Sonnerie ins Spiel. Die Petite Sonnerie schlägt zu jeder vollen Stunde und den Viertelstunden. Bei der Grande Sonnerie zeigen die Glockenschläge sowohl die vollen Stunden als auch alle Viertelstunde die Viertel gemeinsam mit den Stunden hörbar ab. Zudem verfügt die Grande Sonnerie meist auch über eine Minutenrepetition, so dass Sie das Beste aus beiden Welten haben können. Auf Wunsch lässt sich der automatische Glockenschlag bei der Sonnerie ausstellen.

2014: Patek Philippe und die „Grandmaster Chime“

Spulen Sie ein paar hundert Jahre vor: Wir schreiben das Jahr 2014, Patek Philippe hat die Minutenrepetition schon seit langer Zeit in seine Uhren eingebaut, und nun ist die Grande Sonnerie an der Reihe. Neben mehr als einem Dutzend anderer Komplikationen wurde die Grande Sonnerie in das Uhrwerk der berühmten, einzigartigen „Grandmaster Chime“ eingebaut – eine Armbanduhr, die bei einer Auktion im Jahr 2019 knapp 24 Millionen Pfund (etwa 27 Mio. €) einbrachte.

Dank der patentierten Drehmechanik in den Armbandanstößen ist dieser Zeitmesser auch die erster Double face-Armbanduhr von Patek Philippe, die mit sowohl dem einen als auch dem anderen Zifferblatt nach oben getragen werden kann. Ein Zifferblatt ist vor allem der Uhrzeit und den Zeitschlägen gewidmet, das andere eher dem ewigen Kalender. Stunden und Minuten sowie das Datum werden auf beiden Seiten angezeigt.

Noch einmal zurück in den DeLorean gesetzt und ins Jahr 2020 gereist: Das Jahr, in dem Patek Phillippe die „Grande Sonnerie REF. 6301P“ vorstellt – seine erste eigenständige Grande-Sonnerie-Armbanduhr. Mit einem Uhrwerk, das aus etwa 703 Teilen besteht, ist die 6301P mit Sicherheit eines der kompliziertesten Produktionsstücke von Patek Philippe bis heute.

Beim Betrachten des Platingehäuses der 6301P fallen einige Dinge auf: die exquisite Verarbeitung, der eingelassene Diamant bei 12, die Krone – mit einem Drücker zur Aktivierung der Minutenrepetition – bei 3 und der Schalter auf dem Gehäuseboden bei 6.

Mit dem Schalter kann man zwischen den verschiedenen Modi der 6301P wählen. Im vollen Grande-Sonnerie-Modus, der die Stunden und Viertelstunden anzeigt, schlägt das Uhrwerk 1056-mal in einem 24-Stunden-Zeitraum. Wenn Sie den Schalter in die linke Position schieben, wird der Petite-Schlagmodus ausgewählt – die Uhr schlägt nur die Stunden. Der Schalter in der rechten Position: Stille.

Das Kaliber GS 36-750 PS IRM ist durch einen Saphirboden sichtbar – zumindest größtenteils. Dank zweier im Tandem geschalteter Federhäuser erreicht das 6301P eine Gangreserve von 72 Stunden für das Uhrwerk selbst und eine Gangreserve von 24 Stunden für das Schlagwerk – ziemlich beeindruckend.

Abgerundet wird diese unglaubliche Uhr durch ein zauberhaftes Zifferblatt – schwarzes Grand-Feu-Emaille – mit arabischen Ziffern im Breguet-Stil, einer Minutenzählung, einer kleinen Sekunde und zwei Gangreserveanzeigen begleitet – eine für das Uhrwerk und eine für die Sonnerie.

Und dann sind da noch die Zeiger, die, nun ja, ein wenig aus dem Rahmen fallen. Das liegt daran, dass sie mit Leuchtmasse versehen sind – das heißt, Sie können diese Uhr im Dunkeln nicht nur hören, sondern auch lesen.

Theoretisch macht das etwa 600 ihrer Teile überflüssig, wenn man ganz einfach auf das Ding schauen kann, um die Zeit im Dunkeln abzulesen, aber wir sind bereit, darüber hinwegzusehen, wenn man bedenkt, wie beeindruckend dieser Apparat ist.

Nun wissen Sie, wie man die Zeit erkannte, bevor es Glühbirnen gab – diese Patek Philippe „Grande Sonnerie REF. 6301P“ macht es in der schönsten Form vor. Zwischen der Erfindung der Minutenrepetition und dieser Uhr liegen 340 Jahre Innovation, aber ich kann Ihnen eines sagen: Sie wäre ein echter Hit für die Zielgruppe im 17. und 18. Jahrhundert gewesen.


Watchfinder & Co. wurde 2002 gegründet und ist spezialisiert auf den Kauf, Verkauf und Austausch von gebrauchten Luxusuhren.

Rund 4.000 Uhren von mehr als 70 Marken werden aktuell angeboten, die alle online und über das Netzwerk von Boutiquen und Showrooms erhältlich sind.

Alle Uhren werden von einem Team erfahrener Uhrmacher in Europas größtem unabhängigen Service-Center sorgfältig geprüft, authentifiziert und vorbereitet. Jede Uhr hat außerdem eine 24-monatige Watchfinder-Garantie.

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