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Gastbeitrag Watchfinder & Co.: Die Uhren der Staatsoberhäupter

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Als ob es nicht schon genug wichtige Dinge gäbe, mit denen sich Staatschefs und -chefinnen befassen müssen – Klimawandel, Kriege, unerlaubte Affären von Kabinettsmitgliedern –, müssen sie auch noch entscheiden, welche Art von Uhr sie tragen.

Und das ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen kann. Watchfinder & Co., Anbieter für gebrauchte Luxusuhren, wirft einen Blick auf die Wahl von aktuellen und ehemaligen Regierungschefs und chefinnen dieser Welt.

Geben sie sich ganz dem Glanz hin und entscheiden sich für eine Luxusuhr? Schließlich repräsentieren sie ihr Land auf der Weltbühne, und das Auftreten auf globalen Gipfeltreffen ist sicherlich ein Teil der Aufgabenbeschreibung. Oder setzen sie auf Sparsamkeit, indem sie preiswerten, schnörkellosen Quarz tragen, den man für den Preis einer Monatsmitgliedschaft im Fitnessstudio kaufen kann?

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Es zeigt sich, dass Präsidenten, Kanzlerinnen, Premierminister und geliebte „Oberste Führer“ (oder wie auch immer Nordkorea den Staatschef heutzutage nennt) Modelle verschiedenster Uhrmacherkunst tragen, vom Pantheon berühmter Schweizer Marken bis hin zu lokal hergestellten Uhren, die einen tiefen Patriotismus offenbaren. Oder sogar ein bisschen von beidem.

Putin in Glanz und Gloria

Als Alphamännchen in Person und ehemaliger KGB-Politiker, der Judo praktiziert, hat Wladimir Putin nichts dagegen, die Medien mit Bildern seines Mutes und seiner Heldentaten zu beglücken, die ihn mit nacktem Oberkörper in der eisigen Wildnis Sibiriens zeigen.

Ob Lachs fischen, reiten, oder Tigerreviere mit einem Gewehr auf dem Rücken erkunden – es gibt wenig, was Putin nicht tut, ohne seine Brustwarzen zu zeigen, die er stolz wie ein paar Miniatur-Atomsprengköpfe zur Schau stellt. Er würde sich niemals mit einer minderwertigen Uhr abbilden lassen, zumal er so viel Zeit mit mega-reichen Oligarchen verbringt. Es ist daher unvermeidlich, dass Wladimir mit einigen außergewöhnlichen Zeitmessern gesehen wurde.

Wladimir Putin trägt eine Patek Philippe Perpetual Calendar, ähnlich wie dieses Modell.

Dazu gehören eine begehrte „5208P Grand Complication“ von Patek Philippe, eines der technisch ausgefeiltesten Modelle der Marke, eine „Calatrava“ für die eleganten Gala-Dinner im Kreml und – als Zeichen besonderer Raffinesse und guten Geschmacks – eine „Chronomètre Bleu“ des berühmten unabhängigen Uhrmachers FP Journe. Man könnte darauf wetten, dass er sich nicht auf eine achtjährige Warteliste für sein Modell setzen lassen musste.

Putin hat auch mehrere seiner unglaublichen Zeitmesser an Mitglieder der Öffentlichkeit verschenkt, wobei es sich eher um choreografierte Propagandaübungen als um zufällige Akte der Freundlichkeit handeln dürfte. Im Jahr 2009 schenkte er seine „Léman Aqua Lung Grande Date“ von Blanpain einem Fabrikarbeiter, der sich in sie verguckt hatte. Und er soll auch eine Patek abgenommen und einem verarmten Hirten in Sibirien übergeben haben.

Justin Time

In Kanada sieht man das Aushängeschild der Weltpolitik, Justin Trudeau, oft mit einer „Portuguese Regulateur“ von IWC – einer schlichten, unprätentiösen Uhr der Schaffhauser Marke, die Trudeaus jungenhaften, adretten Stil perfekt widerspiegelt. Der Ferne Osten hingegen ist etwas berechenbarer. Chinas Präsident, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Xi Jinping, trägt eine schlichte „Constellation” von Omega.

Kanadas Justin Trudeau bleibt mit einer IWC Regulateur adrett gekleidet.

Japans ehemaliger Regierungschef Shinzo Abe hat sich natürlich für eine Seiko entschieden, und er würde wahrscheinlich als Verräter beschimpft werden, wenn er nicht etwas aus seinem eigenen Land tragen würde. Aber man muss seine Zurückhaltung bewundern, wenn er sich nicht mit einer Grand Seiko der Spitzenklasse begnügt. Stattdessen entscheidet er sich für eine praktische „Automatic 29 SARC 013“ von Seiko mit einem schlichten Armband.

Was den Nahen Osten betrifft, so erwartet man von mindestens einem Golfstaatschef etwas leicht Ausgefallenes. Und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed Bin Salman enttäuscht nicht mit einer auffälligen „Royal Oak“ mit durchbrochenem Zifferblatt von Audemars Piguet. Offensichtlich ist er ein großer AP-Fan, denn er wurde auch schon mit einer limitierten „Offshore Montauk Highway“ mit einem wunderschönen himmelblauen und braunen Zifferblatt gesehen.

Narendra Modi und Kim Jong-un, die Staatsoberhäupter Indiens beziehungsweise Nordkoreas, tragen Movado – alles andere als eine offensichtliche Wahl und erfrischend günstig.

Vive la France

Falls Emmanuel Macron, der derzeitige französische Präsident, eine hochwertige Uhr besitzt, hat er sich verständlicherweise davor gehütet, sie zur Schau zu stellen. Sein Vorgänger Nicolas Sarkozy wurde von der linken französischen Presse hart angegangen, weil er eine „Daytona“ von Rolex und eine „Perpetual Calendar Reference 3940G“ von Patek Philippe trug, auch wenn letztere ein Geschenk seiner Frau war.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trägt diese Quarzuhr von March LA.B.

Im Gegensatz dazu ist Macron auffallend zurückhaltend und trägt eine elegante, rechteckige „Dolce Vita“ von Longines, die an eine „Tank“ von Cartier erinnert, aber viel günstiger ist. Er trägt auch mehrere Uhren einer interessanten neuen französischen Marke namens March LA.B. March LA.B stellt sowohl Quarz- als auch mechanische Uhren in verschiedenen Designs her, die von ausgefallen bis klassisch reichen.

Boris mit kleinem Budget

Und schließlich ist da noch der Rest Europas, dessen Staatsoberhäupter zum Teil einen bewundernswerten Geschmack haben – zum anderen Teil nicht so sehr. Sergio Mattarella, seit 2015 Italiens Staatspräsident, ist der Vorreiter mit einer entzückenden „Ellipse Reference 3738“ von Patek Philippe. Es handelt sich um ein Vintage-Schmuckstück aus 18 Karat Gold mit einem Zifferblatt, das genau den Blauton zu haben scheint, den die italienische Fußballmannschaft trägt.

Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella beweist mit dieser Patek beispielhaften Geschmack. Bild mit freundlicher Genehmigung von Bonhams.

Trotz all der großen deutschen Uhrenmarken – von Glashütte Original bis Nomos – trägt Angela Merkel eine dezente Quarzuhr der Marke Boccia.

Und dann ist da noch Großbritanniens Boris Johnson. Der berühmt-berüchtigte zerzauste Premierminister trägt eine reine Quarzuhr der Marke Pulsar, die aus der Ferne ein wenig wie eine „Calatrava“ aussieht, aber vielleicht ein Hundertstel des Preises kostet. Und zeigt damit die gleiche Gleichgültigkeit gegenüber Luxusuhren wie gegenüber seinem widerspenstigen Haarschopf.

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