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Galeria Karstadt Kaufhof setzt Mietzahlungen aus

signa

Die Empörung über die Aussetzung der Mietzahlung von adidas, Saturn & Co. ist noch nicht verhallt, da verkündet der nächste Großkonzern, dass er angesichts der Corona-Pandemie seinen Mietverpflichtungen vorerst nicht mehr nachkommen wird.

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof des österreichischen Milliadärs René Benko wolle gar Geld zurückfordern, berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Am Freitag erhielten zudem die Mitarbeiter einen Brief, in dem über die zu erwartende Kurzarbeit für die rund 30.000 Beschäftigen informiert wurde. „Angesichts des Corona-Virus und der temporären Schließungen unserer Filialen” stehe das Unternehmen „vor einer existenziellen Bedrohung“ zitiert das manager magazin aus diesem Brief.

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Dem Spiegel liegt ein Schreiben des Finanzchefs Miguel Müllenbach an einen der Vermieter vor. Darin heißt es, man habe „keine andere Wahl“, werde die Miete von April bis Juni zunächst nicht mehr zahlen und behalte sich vor, die bereits gezahlte März-Miete zurückzufordern.

So weit so gut und erwartbar in der aktuellen Situation. Haarsträubend und krude ist jedoch ein Satz dieses Schreibens, mit dem die Schuld an der Misere indirekt dem Vermieter zugewiesen wird.

„Da Sie uns Flächen….vermietet haben, ein solcher Betrieb jedoch derzeit nicht möglich ist, gewähren Sie uns den Gebrauch der Mietsache nicht”, zitiert der Spiegel. Der Versuch, im selben Schreiben eine Art Gemeinschaftgefühl des „Wir schaffen das zusammen“ aufzubauen, klingt dann nur noch wie eine hohle Phrase: Es sei die „gemeinsame Verantwortung” ein „Zukunftskonzept zu finden”, heißt es da, als Basis, um später „unser gemeinsames Mietverhältnis zu stabilisieren.” Der Spiegel deutet dies gar als unverhohlene Drohung.

Ob an dem Gerücht etwas dran ist, dass Galeria Karstadt Kaufhof inzwischen auch Lieferanten nicht mehr oder nur sehr zeitverzögert zahle und „alles storniert“ sei, wie der Spiegel berichtet, lässt sich derzeit nicht überprüfen. Das Unternehmen hat bislang keine offizielle Stellungnahmen abgegeben. Aus der Uhrenbranche ist aber zu hören, dass verzögerte Zahlungen bereits angekündigt worden seien.

Es ist Krisen-Zeit. Und da ist es mehr als legitim und durchaus im Sinne der Zukunftssicherung notwendig, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Dazu gehört auch die Inanspruchnahme von Staatshilfen und die Aussetzung von Zahlungen. Und niemand kann wollen, dass die gut 170 Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof in Deutschland nach Corona nicht wieder öffnen können – die Verödung der Innenstädte würde weiter zunehmen, zahllose Menschen würden ihren Job verlieren. Das schadet auch dem traditionellen Fachhandel.

Dennoch hat die Geschwindigkeit und vermutlich auch großen Effizienz bei der Beantragung von Staatsgeldern durch Großkonzerne immer auch einen faden Beigeschmack.

René Benko

Zumal Benko vor einem Jahr noch stolz einen Gewinn seiner Signa Holding von über einer Milliarde € nach Steuern für 2018 verkündet hatte. Nun will der drittreichste Österreicher Staatshilfen bei der Bundesrepublik Deutschland beantragen, um aus der Corona-Krise möglichst unbeschadet herauszukommen.

Wie das österreichische Magazin Kontrast berichtet, habe das Unternehmen diesbezüglich genaue Vorstellungen einer „Überlebensstrategie“. Demnach wird Galeria Karstadt Kaufhof einen Kredit in dreistelliger Millionenhöhe aufnehmen. Das Risiko dafür sollen jedoch zu 90 Prozent die BRD und zu zehn Prozent die Banken übernehmen.

Angeblich habe ein bei der Rettung beteiligter Manager gegenüber Medien gesagt, dass die Hilfe durch den Staat gerechtfertigt und auch ökonomisch sinnvoll sei. Denn durch eine Beschäftigungsgarantie von drei Jahren entstünden geringere Sozialkosten „als wenn jetzt 30.000 Leute auf der Straße stehen“.

Auch wenn dies sicher richtig ist, mutet ein solches Agieren von Großkonzerne, das vermutlich auch vom Erfolg gekrönt werden wird, aus Sicht von KMU-Unternehmen skandalös an.

Den sie selbst müssen um jeden Euro Unterstützung kämpfen, bürokratische Hürden überwinden und lange Bearbeitungszeiten in Kauf nehmen und gegebenfalls mit dem eigenen Privatvermögen einspringen. Ausgang ungewiss.

Tags : BenzkoCoronaEinzelhandelGaleriaKarstadtKaufhofSigna
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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