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Galeria Karstadt Kaufhof plant umfangreiche Filialschließungen

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Die Negativmeldungen des letzten verbliebenen Warenhauskonzerns Deutschlands nehmen kein Ende. Rund 680 Millionen € hat das Unternehmen seit Beginn der Pandemie bereits an Staatshilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhalten, es wurden zukunftssichernde Umstrukturierungen angekündigt, Standorte geschlossen und Mitarbeiter entlassen. Gereicht hat all dies nicht.

Die Verhandlungen über einen weiteren Kredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung waren nun laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ gescheitert. Es habe sich gezeigt, dass zusätzliche Fremdmittel mit ihren Zinsen den Warenhauskonzern finanziell zu sehr belasten würden, sagte Miguel Müllenbach, Vorstandschef Galeria Karstadt Kaufhof, der FAZ.

„Dauerhafte staatliche Darlehen können hier nicht die Lösung sein, sondern es bedarf eines klaren Schnitts hin zu wirtschaftlich tragfähigen Strukturen.“

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Gemeint sind mit „wirtschaftlich tragfähigen Strukturen” wohl die Schließung von über 40 er verbliebenen 131 Kaufhäuser in Deutschland. In einem Mitarbeiterbrief teilte Müllenbach zudem mit, dass man sich von solchen Filialen trennen müsse, die angesichts der Konsumflaute, der Inflation und der Energiekosten „auf absehbare Zeit nicht mehr profitabel zu betreiben sind”. Nur so lasse sich das endgültige Aus des Unternehmens verhindern. Der FAZ sagte Müllenbach, dass das Filialnetz im Zuge des Schutzschirmverfahrens „um mindestens ein Drittel reduziert werden” müsse.

Nun sucht der Warenhauskonzern wie auch schon 2020 Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Die Aufsicht über diese als Sanierung ausgerichtete Insolvenzvariante übernimmt ein gerichtlich bestellter Sachverwalter, die Unternehmensführung behält aber weiterhin die Kontrolle und wird extern beraten. Wie bereits vor gut zwei Jahren kommen die Insolvenzexperten Frank Kebekus und Arndt Geiwitz zum Einsatz.

Damals wurden rund 40 Filialen wurden geschlossen, etwa 4.000 Stellen abgebaut und mehr als zwei Milliarden € Schulden gestrichen. Einen Neustart mit gesicherten Zukunftsaussichten hat der Warenhauskonzern dennoch nicht geschafft.

Gegenüber Fashion Network sagte der Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms: „Bei der Galeria-Insolvenz im Jahr 2020 gingen die Einschnitte nicht tief genug.“ Der politische Wille und die Sorge um die Lebensfähigkeit vieler Innenstädte bei einer Schließung der Warenhäuser, aber auch die Interessen von Eigentümer Signa hätten das damals verhindert.

„Das Warenhaus hat eine Daseinsberechtigung, aber es benötigt ein großes Einzugsgebiet. Darum ist nur Platz für 50 bis 60 Filialen in Deutschland, nicht für alle 131 Galeria-Kaufhäuser. (…) Und selbst diese Häuser werden nur eine Zukunft haben, wenn die Aufenthaltsqualität und das Geschäftsmodell deutlich verbessert werden”, so Funder.

Der frühere Kaufhof-Chef Lovro Mandac ist weniger optimistisch und hält auf Dauer lediglich 40 bis 50 Warenhäuser in Deutschland für überlebensfähig. Und die Immobilienzeitung sieht aufgrund einer aktuellen Analyse sogar nur noch für 30 der 131 Filialen eine Zukunft.

Müllenbach räumte im Mitarbeiterbrief ein: „Galeria ist zukunftsfähig.” Wie diese Zukunft jedoch aussieht, ist unsicherer denn je.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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