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„Funktionales Design ist unsere Marken-DNA“

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Das sagte Dr. Jan Becker, CEO Porsche Design Group, im Gespräch mit WatchPro Deutschland.

„Chronograph 1“ hieß die erste Uhr von Porsche Design aus dem Jahr 1972. Es war auch das erste Produkt des im selben Jahr von Prof. Ferdinand Alexander Porsche gegeründeten Unternehmens, das seit 2003 wieder merhheitlich und seit 2017 vollständig zur Porsche AG gehört.

Bis heute spielen Zeitmeser für Porsche Design eine besondere Rolle. Zeitweilig wurde deren Fertigung in die Hände erfahrener Hersteller wie IWC und Eterna gelegt. Seit 2014 jedoch verfügt das Unternehmen über eine eigene Fertigungsstätte in Solothurn in der Schweiz. Hier entstehen Uhren mit starkem Bezug zu den legendären Porsche Sportwagen.

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Titan, die Farbe Schwarz und Chronographen prägen dabei die Kollektion. Neben Brillen bilden Zeitmesser den Kern der Marke. „Hochwertige, mechanische Armbanduhren verkörpern stellvertretend für alle anderen Produkte den technisch-funktionalen Ansatz von Porsche Design“, erläutert Dr. Jan Becker, CEO Porsche Design Group. Die Entscheidung für die Produktion in Eigenregie hat mit dem hohen Qualitätsanspruch, aber auch mit der engen Verbindung zum Mutterhaus Porsche zu tun.

Nach jahrzehntelanger, erfolgreicher Zusammenarbeit mit externen Partnern fiel 2014 der Entschluss zum Schritt in die Eigenständigkeit als Uhrenhersteller – in der Industrie heute ein wesentliches Merkmal hochwertiger, mechanischer Armbanduhren. Mit dem Aufbau der Porsche Design Timepieces AG, und der eigenen Manufaktur in Solothurn verfolgen wir unter dem Motto ‚Sportwagen am Handgelenk‘ das Ziel, Zeitmesser mit Fahrzeugbezug in enger Zusammenarbeit mit der Porsche AG weiterzuentwickeln und die Tradition von Porsche Design in der Innovation einzigartiger sowie exklusiver Uhren in Eigenregie in die Zukunft zu führen. An wesentlichen Stellen des Geschäftsbereiches Timepieces haben wir Mitarbeiter mit teilweise jahrzehntelanger Erfahrung in der Uhrenindustrie, die ihre Kenntnisse in den Aufbau des Uhrenbusiness einbringen.“

Die Marke Porsche kennen übrigens über 85 Prozent der Deutschen, in erster Linie als Automarke. Aber die Uhrenmacher des Unternehmens verlassen sich nicht nur auf den hohen Bekanntheitsgrad. Es steckt auch eine Menge Auto in den Zeitmessern, wie Dr. Jan Becker betont.

„Abgeleitet aus Technologien und Materialien aus dem Motorsport entwickeln die Ingenieure und Designer von Porsche Design seit über 40 Jahren Uhren, die mehr sind als reine Zeitmesser – es sind Präzisionsinstrumente. Unsere Uhren sind vom gleichen Innovationswillen und Anspruch an Qualität und Design getragen und verkörpern die signifikanten Designmerkmale, Materialien und Performance-Eigenschaften wie die Fahrzeuge. Des Weiteren verfolgen Porsche und Porsche Design einen gemeinsamen Ansatz, immer das beste Produkt für den Kunden anbieten zu wollen. Wir wissen, wie gut diese Prinzipien und damit verbundene Verfahren im Automobilbau funktionieren. Das betrifft vor allem Technik, aber auch übergeordnete Planungsthemen.“

Und so wurden die aus der Automobilsparte bekannten und bewährten Abläufe und Strukturen auf den Uhrenbereich übertragen. „Individualisierung ist für uns elementar, deshalb haben wir unsere Fertigung nach den Porsche-Produktionsprinzipien gestaltet und sind so in der Lage, eine Kundenauftragsfertigung zu realisieren. Jede einzelne Uhr ist ein individuell gefertigtes Stück und durchläuft nach festgelegter Montagereihenfolge die Produktion. Und das mit höchsten Maßstäben an industrielle Standards und Präzision.“

Das bedeutet konkret, das beispielsweise auch Zeitmesser wie der Chronograph „911 Speedster“ entwickelt werden, die exklusiv zum Fahrzeug erhältlich sind. Besondere Spezifika sind unter anderem die aus Porsche-Interieurleder gefertigten Armbänder oder die speziell entwickelten Rotoren im OriginalFelgendesign des Sportwagens.

Das Konzept kommt offenbar an, auch bei der „Red Dot“-Jury. So wurde das Modell „1919 Chronotimer Flyback Brown & Leather“ im vergangenen Jahr mit dem „Red Dot Best of the Best“-Award ausgezeichnet. Dr. Jan Becker sieht dadurch das Gestaltungsprinzip der Marke bestätigt.

„Funktionales Design ist seit Gründung des Unternehmens in 1972 die DNA und Kernkompetenz unseres Hauses. Zahlreiche internationale Designpreise, eine Vielzahl davon über die Jahre für unsere Uhren, bestätigen dies eindrucksvoll. Es freut uns sehr, dass die volle Vertikalisierung dieses Geschäftsbereiches und die damit verbundene fokussierte Arbeit an unseren Uhren von der Jury des ‚Red Dot Award‘ in 2019 erneut anerkannt wurden. Das ist Auszeichnung und Ansporn zugleich.“

Apropos Gestaltungsprinzipien: Zu den bekanntesten Aussagen von Ferdinand Alexander Porsche gehört diese: „Wenn man die Funktion einer Sache überdenkt, ergibt sich die Form manchmal wie von allein.“ Für die Uhren von Porsche Design in der heutigen Zeit bedeutet das, dass sie nicht einfach nur schmückend oder dekorativ sind. Der technisch-funktionale Charakter steht stattdessen im Vordergrund, gepaart mit einem puristisch anmutenden Design.

„Für Ferdinand Alexander Porsche war die Ablesbarkeit das wichtigste Merkmal einer Uhr. Alles was nicht zwingend notwendig war, wurde weggelassen. Außerdem ist eine intuitive sowie einfache Bedienbarkeit für uns wichtig. Nach diesen Prinzipien entwerfen wir auch heute unsere Uhren“, erläutert Becker.

Im Gespräch mit WatchPro berichtet der CEO, wo die Marke heute steht und morgen hin will.

WatchPro: Sie leiten seit 2017 die Geschicke von Porsche Design. Mit welchen Zielen sind sie angetreten und welche konnten Sie schon umsetzen?

Dr. Jan Becker: Ein großes Ziel war es, die Marke Porsche Design stärker auf das Wesentliche zu fokussieren und das Profil zu schärfen. Daraus resultiert beispielsweise der Wegfall der Damenkollektion, damit verbunden die Positionierung als Männermarke und die Stärkung der Uhrensparte. Mit der Gründung der Porsche Design Timepieces AG in Solothurn wurde hierfür 2014 ein wichtiger Grundstein gelegt. Mittlerweile hat das Team in der Schweiz bereits zwei eigene Kaliber entwickelt, wodurch wir unsere Position als Hersteller von hochwertigen, mechanischen Armbanduhren ausbauen konnten. Ein weiterer entscheidender Aspekt war es, wieder eine engere Zusammenarbeit mit unserem Mutterhaus Porsche zu schaffen. Seit 2017 sind wir eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Porsche AG. Durch diese Verbindung entstehen Synergien, von denen beide Seiten profitieren.

Watchpro: Wie werden Sie die Uhrensparte in Zukunft ausrichten: eigene Uhrwerke, weitere Eigenkonstruktionen wie den Monobloc Actuator, eine smarte Porsche Design-Uhr, Edelstahl statt Titan – was ist alles denkbar?

Dr. Jan Becker: 2017 haben wir mit dem Kaliber Werk 01.200 – Flyback Chronograph mit COSC Zertifizierung – unser erstes eigenes Uhrwerk lanciert. Bereits zwei Jahre später mit der Markteinführung der neuen und innovativen Weltzeituhr, dem ‚1919 Globetimer UTC‘, haben wir auch unser zweites Kaliber Werk 04.110 in der Serienkollektion eingeführt. Ich kann heute schon sagen, dass diese beiden Uhrwerke nicht die einzigen Inhouse-Uhrwerke von Porsche Design bleiben werden. Auch der Einsatz von Titan ist elementarer Bestandteil unserer DNA, da kein anderes Material über derart herausragende Eigenschaften verfügt. Natürlich beobachten wir die Entwicklung des wichtiger werdenden Marktes für Smartwatches sehr genau. Derzeit sehen wir Smartwatches als eine eigene Produktkategorie, die eine andere Funktion für den Träger erfüllt. Für Liebhaber exklusiver Zeitmesser ist eine Uhr auch immer Ausdruck von Individualität und Persönlichkeit. Wir gehen davon aus, dass auch der Kunde der Zukunft dies zu schätzen wissen wird.

WatchPro: Wird die Verbindung Uhr und Sportwagen auch in Zukunft so stark bleiben?

Dr. Jan Becker: Ja. Neben Eigenkonstruktionen wie dem Monobloc Actuator setzen wir in der Produktentwicklung weitere Schwerpunkte im Transfer von Sportwagen-spezifischen Merkmalen und Materialien wie zum Beispiel Leder und Alcantara für unsere Uhrbänder oder der Übertragung der Designs der Felgen in die Gestaltung von Aufzugsrotoren.

WatchPro: Haben Sie den Eindruck, dass Porsche Design mittlerweile als echte Uhrenmarke oder eher als die Uhr der Automarke Porsche wahrgenommen wird? Muss hier noch am Image gefeilt werden?

Dr. Jan Becker: Das Ur-Produkt von Porsche Design war ein Chronograph und von Beginn an wurden wir als kleiner aber feiner Uhrenhersteller wahr- und ernstgenommen. Spätestens mit der Gründung der eigenen Uhrenmanufaktur haben wir den Schritt zum vollvertikalisierten Uhrenhersteller vollzogen. Das wir zu einem der renommiertesten Fahrzeughersteller weltweit gehören, sehen wir nicht als ‚Makel‘. Im Gegenteil, diese einzigartige Konstellation bietet Porsche Design direkten Zugang zu neuen Technologien, Ingenieurskunst und Entwicklungs-Know-how aus dem Sportwagenbau, das sich in allen Uhrenmodellen widerspiegelt. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird zunehmend positiv von Kunden aber auch von der Branche wahrgenommen, was zu einer stärkeren Eigenständigkeit führt.


 

Legendäre Marke mit Familiengeschichte

Am 11. Dezember 1935 wird Ferdinand Alexander Porsche als ältester der vier Söhne von Dorothea und Ferry Porsche geboren. Schon als Kind verbringt er viel Zeit im 1931 gegründeten Stuttgarter Konstruktionsbüros seines Großvater Ferdinand, der Erfinder des VW Käfers. 1943 siedelten die Familie und das Unternehmen nach Österreich über, wo Vater Ferry die ersten eigenen Sportwagen baut. Es entsteht der Porsche 356. 1948 erfolgt die Rückkehr nach Stuttgart und aus dem Konstruktionsbüro wird der Sportwagenhersteller Porsche. 1958 steigt Ferdinand Alexander als Designer in das Familienunternehmen ein. Die Formgebung für den späteren Porsche 911 wird seine erste große Herausforderung und macht ihn zum Vater der Sportwagen-Ikone. In den 1960er-Jahren gestaltet er noch viele andere Fahrzeuge. Dazu gehören der Formel1-Bolide Porsche 804 und der Porsche 904 Carrera GTS, der für damalige Verhältnisse ein Leichtbau-Wunder mit Kunststoff-Karosserie war und zu den schönsten Rennwagen aller Zeiten gewählt wurde. Zu Beginn der 1970er-Jahre wird die Porsche KG zur AG und die Familienmitglieder ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück. Ferdinand Alexander Porsche bleibt der Sitz im Aufsichtsrat, seinen Job als Chef-Designer muss er aufgeben – so die Regel. Er gründet 1972 in Stuttgart Porsche Design. Als erstes Produkt entwirft er 1972 die weltweit erste schwarze Armbanduhr. Und 1980 gestaltete er in Zusammenarbeit mit der Schweizer Uhrenmanufaktur IWC mit dem “Porsche Design Titan Chronograph” den ersten vollständig aus Titan gefertigten Chronographen.

Tags : ActuatorChronotimerJan BeckerporscheRed Dot
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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