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Exklusiv: Bucherer beklagt Verlust von lokalem Einfluss an große Uhrenkonzerne

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Es ist nichts Neues, wird aber selten offen ausgesprochen: die Spannung zwischen Fachhändlern und den Marken, die sie im Sortiment führen, sowie die Antwort auf die Frage, welcher der beiden in Verhandlungen die Oberhand hat.

Es scheint fast eine andere Ära, aber einst konnten die Händler – viele davon familiengeführte, seit Generationen unabhängige Unternehmen – bestimmen, mit welchen Marken sie arbeiten und wie sie diese in ihren Geschäften präsentieren wollten.

Diese Zeiten sind vorbei, sagt David Coleridge gegenüber WatchPro. Sein unabhängiges Luxusuhren-Geschäft The Watch Gallery wurde 2017 von Bucherer gekauft.

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„Viele Marken nehmen einen statischen Blickwinkel ein und verlangen eine konkrete Präsentationsfläche in einem bestimmten Verhältnis zu ihren Mitbewerbern, oft ohne sich darüber klar zu sein, was an dem jeweiligen Standort überhaupt funktioniert. Es sind unsere Läden, aber es gab so etwas wie eine Landnahme seitens der Marken. Damit meine ich, dass Marken verlangen, in unseren Läden genau so platziert und präsentiert zu werden, wie sie es vorgeben. Bucherer wehrt sich massiv dagegen und versucht, eine eigene Einkaufswelt zu kreieren, die Kunden nur bei Bucherer finden“, beschreibt Coleridge.

„Als Händler müssen wir einerseits Marken so zeigen, wie sie sich selbst sehen, aber zugleich müssen wir unsere Identität und unser Einkaufserlebnis bewahren“, ergänzt er.

Es wäre hilfreich, wenn die Headquarters großer Marken ihren kompetenten Inlandsvertretungen zutrauten, im Namen ihrer Unternehmen entsprechende Verhandlungen zu führen und Entscheidungen zu treffen, aber auch diese Zeiten sind vorbei.

„Wir suchen nach lokalen Lösungen mit den einzelnen Marken. Aber wenn wir etwa einen neuen Laden eröffnen und mit den Markenvertretungen vor Ort darüber sprechen möchten, dann können wir das zwar tun, doch letztlich muss die Zentrale alles genehmigen. Alle Konzerne setzen viel stärker auf zentrale Kontrolle als je zuvor“, erklärt Coleridge.

„Wir wünschen uns immer lokale Lösungen, aber fast alle müssen von den Marken in der Schweiz abgesegnet werden. Das kann mühselig sein und Verzögerungen mit sich bringen. Das erschwert es, das Richtige für einen bestimmten Laden zu tun“, ergänzt er.

Im Vereinigten Königreich hatte Bucherer bei der Wahrung seiner Identität als Händler mehr Erfolg als mancher Mitbewerber und wenn Tourneau beginnt, seine Geschäfte nach Bucherers Vorbild umzugestalten, wird das Unternehmen recht sicher die gleiche Kontrolle anstreben.

Der letztjährige große Umbau von Verkaufsräumen in Londons größter Einkaufspassage trug Bucherer den WatchPro Award for Best Store Refurbishment (WatchPro Award für die beste Modernisierung eines Geschäfts) ein, weil Bucherer seine Identität bewahrte und nicht wie ein Warenhaus für Marken aussah.

„Wichtig ist, allen Marken respektvoll zu begegnen, das ist richtig, aber die Diskussionen mit den Markenzentralen macht alles unendlich kompliziert“, schließt Coleridge.

Das Problem ist in den USA genauso akut, vielleicht sogar extremer, wenn man die zusätzliche Entfernung zur Schweiz berücksichtigt.

Richard Caniglia, der jetzt für seine eigene Firma RGC Group als Berater der Luxusuhren- und -schmuckindustrie arbeitet, aber bis 2012 über zehn Jahre als Executive Vice President bei Tourneau tätig war, meint, dass die Spannung zwischen Händlern und Marken nicht neu ist.

„Der Machtkampf zwischen Händlern und Markenchefs in der Schweiz dauert an und ist nervenaufreibend für die Händler. Die Investitionen der Händler steigen, die Margen sinken, während die Verkäufe zu stagnieren scheinen“, sagt er.

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