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ETA und Weko schaffen zusätzliche Verunsicherung

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Die NZZ Neue Zürcher Zeitung berichtet, dass Mitte Januar einige Uhrenfirmen von der ETA ein Schreiben bekommen hätten, das für zusätzliche Verunsicherung im Drama um die Belieferung mit mechanischen Werken geführt habe.

In dem Schreiben teilt die Swatch-Group-Tochter mit, dass man die Bestellungen mechanischer Uhrwerke für das Jahr 2020 oder 2021 aufgrund des noch nicht vorliegenden Schlussentscheids der Wettbewerbskomission Weko derzeit nicht bestätigen könne. Auch neue Geschäftsbeziehungen für diesen Zeitraum könne man momentan nicht eingehen.

Der Schlussentscheid der Weko ist für den Sommer dieses Jahres angekündigt. Die Swatch Group geht aber offenbar davon aus, dass sich die endgültige Klärung länger hinziehen wird.
Dies führt zu Unsicherheiten bei den kleineren Uhrenherstellern.

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Den eigentlich sollte die vorsorgliche Lieferpause bei mechanischen Werken (abgesehen von KMU-Kunden) längstens bis zum Vorliegen des Weko-Entscheids dauern.

Danach wäre die bisherige Lieferverpflichtung aufgrund der Monopolstellung der ETA prinzipiell aufgehoben und der Werkehersteller könnte sich seinen Kunden frei aussuchen.

Zweifel an der Lieferkapazität der Mitbewerber

Allerdings erscheinen die Kapazitäten der Mitbewerber im Bereich mechanischer Werke doch noch nicht so groß zu sein, wie es bei der einvernehmlichen Regelung zwischen der Weko und der Swatch Group im Jahr 2013 erwartet wurde. Diese sah eine Lieferverpflichtung vor, allerdings mit einer zunehmenden Reduzierung der Stückzahlen, gültig bis Ende 2019. Danach sollte es keine Lieferverpflichtung für die Eta mehr geben.

Zwar steht mit Sellita ein potenter Mitbewerber bereit, der mittlerweile doppelt so viele mechanische Werke wie die ETA an Drittfirmen liefert, aber das war es dann eigentlich auch schon.

Ronda hatte 2016 angekündigt, mittelfristig einige hunderttausend Mechanikwerke zu produzieren, aber noch ist es nicht so weit. Das Unterfangen sei schwieriger als gedacht, sagt Erich Mosset, Mitglied des Verwaltungsrates von Ronda. „Wir brauchen noch zwei bis drei Jahre.“

Mechanikwerk Mecano R150 von Ronda

Mosset hält es daher für verfrüht, dass die ETA nach dem Weko-Entscheid im Sommer möglicherweise frei darüber entscheiden könne, wer beliefert werde. Denn noch existiere seiner Meinung nach kein freier Markt im Bereich der mechanischen Uhrwerke. Stattdessen würde es sich um ein Duopol aus ETA und Sellita handeln.

Rolf Studer, Co-Geschäftsführer von Oris, sieht es etwas anders und äußert zugleich ein gewisses Verständnis für die Weko, wenn auch nicht für den überraschend anberaumten Lieferstopp. Er sieht in der ETA unter Einbezug der Belieferung der konzerneigenen Marken nach wie vor den marktbeherrschenden Hersteller mechanischer Werke, zumal mit der Swatch Group im Rücken die Möglichkeit bestünde, die Preise zu drücken. Das könnte das Innovationstempo der Sellita stark drosseln. Daher wäre es nicht sinnvoll, lediglich auf die reinen Produktionsmengen für Drittanbieter zu schauen. Oris selbst arbeitet bereits seit Jahren eng mit Sellita zusammen.

Mecano R150 von Ronda

Tags : etaMossetorisrondaSellitaStuderswatch groupWekoWettbewerbskommission
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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