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„Es kehren viele Triple-A-Kunden zurück zu Ebel.“

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Loek Oprinsen kennt die Uhrenbranche wie seine Westentasche, das gilt insbesondere für Ebel. Wenn man mit dem Geschäftsführer International Luxury Partners spricht, merkt man schnell, dass es sich bei seiner Beziehung zur Branche nicht um rein professionelle handelt. Es ist auch ganz viel Leidenschaft im Spiel.

Über zehn Jahre war der Niederländer für den Richemont-Konzern für die Marken Baume & Mercier, Piaget, Vacheron Constantin und Panerai tätig, gefolgt von Cartier, bis es ihn schließlich 2005 zu Ebel führte. Bis 2014 beeinflusste er die Geschicke der Marke maßgeblich, bevor er als Geschäftsführer von ILP viele Luxusuhrenmarken in Sachen Marketing und Vertrieb auf Kurs brachte.

Zu den Marken, die ihm ganz besonders am Herzen liegen, gehört Ebel. Im Gespräch mit WatchPro Deutschland berichtet er über die Zeit des Lockdowns, was Corona verändern, warum Ebel diese Krise gut meistern und Online ohne Stationär nicht funktionieren wird.

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WatchPro: Wie ist es Ihnen, Ihren Mitarbeitern und Ihren Kunden während des Lockdowns ergangen?

Loek Oprinsen: Uns geht es gut, und wir haben diese Zeit zum Glück recht gut überstanden. Ende März gingen wir in Kurzarbeit. Über E-Mail und Handy waren wir jederzeit erreichbar, und auch während dieser Zeit haben wir einmal in der Woche Ware ausgeliefert. Seit Anfang Juni besuchen die meisten unserer Vertriebsmitarbeiter wieder unsere Kunden, aktuell mit einer dreitägigen Arbeitswoche.

Aber wir gehen davon aus, dass die Arbeitszeiten im Juli ausgeweitet werden können und ab August wieder normal gearbeitet werden kann.

WatchPro: Wird Ebel aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr weniger Neuheiten präsentieren?

Loek Oprinsen: Nein, wir erwarten hier keine Änderungen. Die neuen Modelle wurden vor der Krise geordert und produziert. Eventuell kommt es aber zu Verzögerungen.

WatchPro: Sie haben mir auf der Inhorgenta berichtet, dass Sie mit Ebel im vergangenen Jahr stark gewachsen sind. Hat Corona dies nun alles zunichte gemacht?

Loek Oprinsen: Nein, davon ist nicht auszugehen. Wir sind zwischen 2018 und 2019 um 20 Prozent gewachsen, und es zeichnet sich ab, dass sich dieser Trend fortsetzt. Der Hauptgrund ist, dass Ebel in erster Linie lokale Kunden bedient.

Wir haben auch in den vergangenen Jahren nicht besonders vom Tourismus-Geschäft profitiert, daher spüren wir jetzt auch die Auswirkungen ausbleibender Touristen nicht. Außerdem erkennt der Einzelhandel zunehmend die Bedeutung der lokalen Kundschaft. Sie wissen, dass Ebel hierbei eine wichtige Rolle spielen kann.

WatchPro: Sie haben mir außerdem auf der Inhorgenta gesagt, dass Ebel beziehungsweise ILP den Juwelier immer gut behandelt hat. Zahlt sich diese gute Zusammenarbeit in der aktuellen Krisenzeit aus?

Loek Oprinsen: Durchaus. Während meiner Zeit bei Ebel haben wir die Margen unserer Einzelhändler noch nie gesenkt, und ich bin seit März 2005 bei Ebel tätig. Wir haben die Preise stets stabil gehalten und unterstützen unsere Händler regelmäßig mit Kooperationen. Zudem investieren wir sehr viel in Marketingaktivitäten. Ebel schaltet in starken Print-Magazinen Anzeigen. Das zahlt sich jetzt in der Krise aus. Es kehren viele Triple-A-Kunden zurück zu Ebel. Dabei handelt es sich insbesondere Kunden, die wir bis Ende der 1990er-Jahre und Anfang der 2000er-Jahre beliefert haben. Ebel verlor in dieser Zeit an Relevanz, denn mit anderen Brands ließ sich damals gerade bei Touristen ein höherer Umsatz generieren.

WatchPro: Sie haben vor einigen Jahren den schönen Satz gesagt: „Man kann dem Wind nicht die Schuld geben, wenn das Boot nicht in die gewünschte Richtung steuert.“ Aktuell weht infolge der Corona-Pandemie der Wind in eine völlig falsche Richtung. Was kann man als Juwelier tun, um dennoch in die richtige Richtung zu steuern?

Loek Oprinsen: Der menschliche Geist ist ein wunderbares Werkzeug. Mit Wissen und Verstand kann man sich eine eigene Realität erschaffen. Ich rate daher eher: Chancen zu sehen, stets zuversichtlich zu sein, kreativ und kundenorientiert zu bleiben und Spaß bei dem zu haben, was man tut. Dieser Optimismus zahlt sich aus und die Kunden spüren diese Stimmung. Sie werden einem treu bleiben.

WatchPro: Was denken Sie, wie lange die Branche benötigen wird, um die Krise einigermaßen überwunden zu haben? Und wie kann die Krise überhaupt überwunden werden? Denken Sie zum Beispiel, dass der ausgefallene Umsatz während des Lockdowns wieder reingeholt werden kann?

Loek Oprinsen: Wenn ich mir die Zahlen anschaue und analysiere, dann sehe ich, dass wir wir bei Ebel zwei schlechte Monate hatten. Im April und Mai gab es durch den Lockdown einen Einbruch in Höhe von etwa 50 Prozent.

In Anbetracht der oben beschriebenen Situation sieht es nun aber wieder so aus, dass wir uns den geplanten Budgetzielen annähern – oder diese sogar erreichen werden. Im Leben wird einem nichts geschenkt. Für unsere Kunden haben wir immer hart gearbeitet und stets einen Fokus auf das lokale Geschäft gehabt. Genau das scheint sich jetzt auszuzahlen.

WatchPro: Denken Sie, dass sich die Uhrenbranche und das Konsumverhalten nachhaltig durch die Krise verändern werden?

Loek Oprinsen: Ja, das glaube ich. Brands, die vom Tourismus und/oder asiatischer Kundschaft gelebt haben, werden jetzt wachgerüttelt. Lokale Kunden zurückzugewinnen wird viel Kraft kosten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird in Zukunft auf Verbraucherebene eine immer größere Rolle spielen.

Persönlich gehe ich auch davon aus, dass es für den Luxusuhren-Vertrieb noch immer viele gute Möglichkeiten im klassischen, stationären Einzelhandel geben wird. Das Online-Geschäft von Luxusuhren basiert auf der guten Arbeit/Promotion tausender Einzelhändler. Sie haben es über die letzten 50 Jahre mühsam aufgebaut. Sobald die Ware nicht mehr im stationären Einzelhandel erhältlich ist, wird man feststellen, dass die Online-Verkäufe ebenfalls allmählich sinken. Im Einzelhandel werden andere Brands aufgenommen und diese werden dann selbstverständlich auch wieder beworben. So einfach ist das.

Online-Shops werden in erster Linie von Personen oder Unternehmen vorangetrieben, die ihren Fokus ausschießlich auf den Finanzen haben. Das ist eines der universellen Gesetze und das kann auf Dauer nicht funktionieren.

WatchPro: Gibt es etwas, was Sie trotz der aktuell unsicheren Zeit positiv in die Zukunft blicken lässt?

Loek Oprinsen: Selbstverständlich gibt es das, man muss nur kreativ bleiben: „Mach dein eigenes Ding“ und blende die Konkurrenz aus. Außerdem sollte man immer berücksichtigen, dass der Nutzwert für den Käufer größer sein muss, als der von ihm bezahlte Cash-Wert.

Dabei muss man sich treu bleiben und die eigenen geistigen Fähigkeiten nutzen: Wille, Vorstellungskraft, Wahrnehmung, Vernunft, Intuition und Erfahrung. Negativen Einflüsse sollten ausgeblendet werden, und man muss versuchen, seine Fähigkeiten undTalente zu fördern, um sich damit eine eigene, authentische Welt aufzubauen. Dann kann eigentlich nichts schiefgehen, man wird mehr bekommen und der eigene Erfolg wird sich einstellen!

WatchPro: Was berichten Ihnen Ihre Kunden nach der Wiedereröffnung der Geschäfte? Die Shoppinglaune der Deutschen kommt ja leider nur langsam in Fahrt. Sind die Juweliere dennoch optimistisch?

Loek Oprinsen: Das sind sie. Besonders die familiengeführten und unabhängigen Einzelhändler mussten durch den Lockdown weitaus weniger Rückschläge hinnehmen. Einige sind bereits auf dem Vorjahresniveau oder sie signalisieren ein moderates Wachstum.

WatchPro: Wie unterstützen sie Ihre Kunden bei der Rückkehr zu einem hoffentlich bald wieder normalen Geschäftsalltag?

Loek Oprinsen: Wie immer unterstützen wir unsere Juweliere mit zahlreichen Aktivitäten. Dazu gehören unter anderem Werbung, Coop-Support und diverse Schulungen. Außerdem wird im Herbst ein neues Display-Konzept eingeführt, und wir stehen in einem ständigen Austausch zu unseren Retailern, damit wir sie bestmöglich unterstützen können. Zum Beispiel analysieren wir gemeinsam die Möglichkeiten bei geplanten Warenauslieferungen ab und stimmen diese auf das verfügbare Einkaufsbudget ab.

WatchPro: Auf welche Neuheiten von Ebel dürfen wir uns besonders freuen?

Loek Oprinsen: Unsere Ikone ist die „Ebel Sport Classic“ mit dem typischen Wellenarmband. Im Herbst wird sie mit einem Durchmesser von 33 Millimetern vorgestellt. Außerdem freuen wir uns auf die neue „Brasilia“ in Stahl/Gold. 2006 wurde sie erstmals vorgestellt. Dank eines gekonnten Redesigns sieht sie heute atemberaubender und moderner aus als je zuvor.

Tags : ebelILPinterviewOprinsen
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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