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„Eine Rolex kann man nicht veredeln!“

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Das sagt ausgerechnet Alexander Klingbeil, Geschäftsführer der Blaken GmbH – Spezialist für das Customization, sprich Individualisierung, von Uhren der Marke mit der Krone.

Das ist aber nur eine der beiden obersten Maximen des 2011 im sauerländischen Menden gegründeten Unternehmens. Die zweite lautet: „Customization erfordert Respekt“. Was genau damit gemeint ist, erfuhr WatchPro Deutschland von Alexander Klingbeil beim Besuch des Unternehmens.

Der leidenschaftliche Vertriebler, Marketingmann und Stratege hatte ursprünglich beruflich nichts mit Uhren am Hut und studierte zunächst Jura. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich in den Mühlen der Juristerei nicht gut aufgehoben war. Ich wollte nicht immer streiten, sondern mittels Kommunikation positiv gestalten.“ Dies tat er zunächst mit einem Startup für die Digitalisierung von Autoschlüsseln. „Dort habe ich gelernt, wie man eine Firma aufbaut, wie man ein Produkt von Anfang an gestaltet und in den Markt bringt“, erinnert sich Klingbeil.

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Das erfolgreiche Startup wurde an einen Zulieferer der Automobilindustrie verkauft und der Münchner widmete sich dem Mit-Aufbau einer Werbeagentur, welche auch für Richemont Northern Europe tätig war – dies war sein erster beruflicher Kontakt zur Uhrenwelt. Und dieser sollte sich nachhaltig auswirken.

Zum einen stellte er fest, dass das Thema Vertrieb von Werbeagenturen sehr stiefmütterlich behandelt wird, „umgekehrt versteht der Vertrieb meist wenig von Markenführung“. Zum anderen entdeckte er seine Liebe zu den Uhren-Menschen. Es folgten die eigene Agentur Zielsatz für Marketing und Vertrieb aus einer Hand sowie Tätigkeiten für die Uhrenmarken Manufacture Royal und Greubel Forsey. Spätestens da war es um ihn geschehen.

„Ich hatte mich in die Branche verliebt, zu 30 Prozent in die Produkte und zu 70 Prozent in die Menschen. Es gibt dort unglaublich viel Kreativität, Liebe und Energie, aber es ist auch ein Geschäft mit aktuell enormen Herausforderungen“, erläutert Klingbeil. Nach vielen Aufträgen als Berater, Agent und Distributor in der Uhrenbranche entstand der Kontakt zu Blaken ganz zufällig. Eine seiner Kundinnen fragte ihn nach einem Modell des Unternehmens aus dem beschaulichen Menden im Niedersauerland.

Nach einem Telefonat mit Blaken-Gründer Hendrik Jürgens war der Funke bereits übergesprungen – und Kleinbeil verkaufte innerhalb einer Wochen sieben Uhren des Unternehmens. „Und nun bin ich hier“, lacht er. Der gemeinsame Weg in den letzten zwei Jahren hat sich gelohnt.

„Bezüglich der Stückzahlen halten wir es mit der Ursprungsmarke und geben keine Auskunft darüber. Es sind aber nicht wenige und es werden kontinuierlich mehr.“

„Wir machen nichts besser als Rolex!“

Dies festzuhalten ist dem Geschäftsführer überaus wichtig. Aber was macht Blaken dann? Und warum gibt es Menschen, die bereit sind, viel Geld für die Transformation einer Rolex in eine Blaken (ab 4.000 € aufwärts) auszugeben? Denn eine Rolex ist die Uhr nicht mehr, wenn sie das Blaken-Prozedere durchlaufen hat.

„Unsere Uhren sollen Freude machen und den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, so lautet das postulierte Ziel. „Und das erreichen wir durch Individualisierung. Bei so vielen anderen Produkten gibt es das bereits seit Jahrzehnten. Ob Auto, Schuh, Bekleidung oder Schmuck – alles wird dem persönlichen Geschmack der Besitzer angepasst, sprich customized. Nur Uhren nicht. Aber warum sollte man nicht auch edle Zeitmesser individualisieren, fragte sich Hendrik Jürgens und gründete gemeinsam mit Sören Spreng das Unternehmen Blaken.“

Der Name deutet übrigens schon auf den bis heute wichtigstenen Teil des Serviceangebots hin. Denn mit dem Diamond like Carbon (DLC) in Schwarz (matt und glänzend) begann 2011 alles. Nach wie vor gehört es bei Blaken zu den gefragtesten Veränderungen an einer Rolex.

„Fast alles ist möglich.“

Mittlerweile ist auch ein silberfarbenes Coating realisierbar – und sehr viel mehr. „Der Kunde kann mit seiner Uhr machen was er will, es ist ja sein Eigentum“, stellt Klingbeil zunächst einmal fest, um gleich wichtige Einschränkunen nachzuliefern. „Wir verwenden nur originale Rolex-Teile, verändern aber auf Wunsch auch Zeiger, Zifferblatt, Indexe, Lünette und so weiter. Farben aller Art sind genauso möglich wie das Bedrucken des Zifferblattes, das Ausfassen der Zahlenscheibe mit Edelsteinen und Gravuren auf dem Gehäuseboden.

Wir haben Kunden, die wollen auf ihrem Zifferblatt den selben Lack wie auf ihrem Auto haben. Fast alles ist möglich.“ Aber eben nur fast: religiöse und politische Symbole oder Schriftzüge lehnt Blaken grundsätzlich ab, auch das Werk und technische Aspekte bleiben unberührt.

„Wir wollen das Grundkonzept der Uhr nicht verändern. Wir machen ein optisches Customizing.“ Und das kommt an. Und außerdem noch etwas anderes. Die Marken suchen immer mehr den direkten Weg zum Kunden, denn der Kunde, vor allem die junge Generation, will eine Marke zum anfassen, mit der man kommunizieren kann.

„Das Geheimnis beim Customization ist, dass wir längst direkt am Kunden dran sind. Wir sind die Schnittstelle zwischen Produkt und Kunde beziehunsgweise die Brücke zum Endkonsumenten. Customization bindet Kunden an das durchführende Unternehmen genauso wie an die Ursprungsmarke. Aktuell habe ich einen Kunden, der seine siebte Blaken bei uns bestellt hat. Und auch die Marken selbst sprechen uns mittlerweile an, wenn es um die Produktion ganz spezieller Kleinstserien geht.“

Dass eine Rolex durch die Hände der erfahrenen Blaken-Uhrmacher und spezialisierten Dienstleister gegangen ist, ist auf den erste Blick ersichtlich. Zum einen aufgrund der Qualität, zum anderen aufgrund des Blaken-Logos auf dem Zifferblatt, welches das Rolex-Logo ergänzt.

„Unser Haus verlassen Uhren der Marke Blaken, mit Blaken-Verpackung und einer fünfjährigen Blaken-Garantie bei neuen und einer einjährigen Garantie bei gebrauchten Kunden-Uhren – auch auf die technischen Komponenten und das Werk.“

Interessenten an einer maßgeschneiderten Blaken können entweder den Konfigurator auf der Website nutzen, direkten Kontakt aufnehmen oder einen der Partnerjuweliere aufsuchen. „Wir haben ein Händlernetzwerk, das stetig wächst. Dabei arbeiten wir nur mit A-Klasse-Händlern zusammen, die Rolex nicht führen. Dort kann der Kunde seine Blaken konfigurieren und am Ende auch abholen.“

„Wir sind kein Uhrenhersteller.“

Blaken versteht sich als reines Serviceunternehmen und will es auch bleiben, „wir sind kein Uhrenhersteller“. Das heißt, es werden Rolex-Modelle ausschließlich im Kundenauftrag gekauft und individualisiert, oder es wird eine Uhren aus Kundenbesitz personalisiert. Es gibt keine fertige Blaken-Kollektion, aus der der Kunde einfach auswählt. Dabei liegt es Klingbeil fern, die aktuelle und zukünftige Bedeutung von Blaken für die Branche klein zu reden, im Gegenteil.

„Unser Ziel ist es, analog zur Automobilindustrie das Brabus der Uhrenindustrie zu werden. Und zwar als Partner der Marken. Was wir hier tun ist ein effektives Mittel, um neue Absatzmöglichkeiten zu generieren. Ich sehe hier wahnsinnig viel Potenzial und bin fest davon überzeugt, dass Customization zunehmen und bleiben wird. Wir werden immer mehr Menschen auf der Welt, und der Wunsch nach Individualität wird immer größer. Auf Instagram & Co. ist längst unübersehbar, wie wichtig es geworden ist, sich von anderen zu unterscheiden. Das gilt auch für den Uhrenliebhaber. Dieser möchte nicht mehr zehn Jahre auf eine Uhr warten, viel Geld bezahlen und im nächsten Restaurant drei Leute mit der gleichen Uhr sehen. Das wird auf Dauer nicht funktionieren. Das ist eine Frage der Logik. Rolex hat zweifellos die schönsten und besten Uhren der Welt. Aber wir dürfen als Industrie unsere Kunden nicht vergessen.“

„Customization erfordert Respekt: gegenüber dem Ausgangsprodukt und gegenüber dem Kunden. Beste Qualität und absolute Transparenz sind daher für uns oberstes Gebot“, sagt Klingbeil auch im Hinblick auf den Rolex-Vorwurf, die veränderten Rolex-Modelle der US-amerikanischen Firma laCalifornienne seien Fälschungen.

„Wenn es so sein sollte, dass dort auf eigens produzierte Zifferblätter das Rolex-Logo aufgedruckt wird, dann ist das nach meinem Empfinden juristisch grenzwertig und in jedem Fall moralisch nicht in Ordnung. So etwas gibt es bei Blaken nicht.“

Was es aber zukünftig bei Blaken geben wird, ist ein Kopierschutz. Denn in Asien, einem der Hauptmärkte des Unternehmens, tauchen mittlerweile 1-zu-1-Blaken-Kopien auf. „Wir sind meines Wissens die einzigen Uhren-Customizer, die kopiert werden, inklusive unseres Logos auf dem Zifferblatt. Das gefällt uns natürlich gar nicht, zeigt aber auf der anderen Seite, dass wir als eigenständige Marke wahrgenommen werden.“

Für das Frühjahr kündigt Alexander Klingbeil übrigens eine aufsehenerregende Premiere an. Dann wird das Unternehmen parallel zur Baselworld im Exhibition Tower ausstellen, „und eine sehr spannende Neuheit vorstellen, mit der wir den Customization-Markt sicher noch einmal spürbar umformen werden.“

Tags : BlakencustomizationDiamond like CarbondlcKlingbeilRolex
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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