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Ein halbes Dutzend Kompliktionen in einem Zeitmesser

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Die Genfer Manufaktur bereichert ihre aktuelle Kollektion um eine klangvolle Armbanduhr mit Grand Sonnerie. Sie lässt von alleine die vollen Stunden und die Viertelstunden erklingen.

Die seltene Grande Complication ergänzt Patek zudem mit einer Petite Sonnerie, einer Minutenrepetition und einer patentierte springende kleine Sekunde. Komplettiert wir das halbe Dutzend an Komplikationen mit Gangreserveanzeiges für das Uhrwerk sowie das Schlagwerk.

Für diese Referenz hat Patek Philippe ein neues Uhrwerk entwickelt, das aus dem Kaliber 300 der „Grandmaster Chime“aus dem Jahr 2014 hervorgegangen ist.

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Das Kaliber GS 36-750 PS IRM besteht aus 703 Einzelteilen und hat trotz des komplexen Mechanismus nur einen Durchmesser von 37 und eine Höhe von 7,5 Millimetern.

Zu den traditionell größten Schwierigkeiten gehört für die Konstrukteure von Grandes Sonneries das Zusammenspiel aus Energieübertragung und Gangreserve. Anders als bei der Minutenrepetition, der man bei jedem Auslösen die Energie mit einem Schieber oder Drücker von neuem zuführt, muss die Grande Sonnerie jederzeit über genügend Energie verfügen, um die Zeitschläge in gleichbleibend hoher akustischer Qualität erklingen zu lassen.

Patek Philippe hat das Kaliber GS 36-750 PS IRM daher mit zwei in Serie geschalteten Doppel-Federhäusern ausgestattet. Eines für das Uhrwerk, das andere für das Schlagwerk. Dies ermöglicht eine Gangreserve von 72 Stunden für das Uhrwerk und eine von 24 Stunden für das Schlagwerk.

Die beiden Doppel-Federhäuser werden mit der Krone aufgezogen – durch Drehen im Uhrzeigersinn wird das Uhrwerk und im Gegenuhrzeigersinn das Schlagwerk aufgezogen. Die vier Zugfedern besitzen Gleitzäume, um ein Überspannen zu verhindern.

Beim Schlagwerk-Mechanismus hat sich Patek Philippe für drei traditionelle Tonfedern entschieden – tief, mittel und hoch. Dieser technische Mechanismus benötigt mehr Energie als Schlagwerke mit zwei Tonfedern und erschwert die Arbeit des Uhrmachers beim Stimmen jeder einzelnen Feder. Die am Uhrwerk befestigten drei Tonfedern dürfen weder einander noch andere Teile des Gehäuses oder des Uhrwerks berühren. Drei Hämmerchen identischer Größe garantieren für alle drei Tonhöhen einen gleichbleibenden Schlag.

Die Stunden erklingen mit tiefem Ton, die Viertelstunden mit drei Schlägen: hoch-tief-mittel. Die erste Viertelstunde (15 Minuten) wird einmal, die zweite Viertelstunde (30 Minuten) zweimal und die dritte Viertelstunde (45 Minuten) dreimal angeschlagen. Bei der Grande Sonnerie schlagen zu jeder Viertelstunde zuerst die Stunden, gefolgt von der Anzahl der Viertel.

Wenn der Modus „Petite Sonnerie“ gewählt ist, wird die Stunde nur zur vollen Stunde geschlagen, nicht aber zu den Viertelstunden.

Dank dergespeicherten Energie im Doppel-Federhaus des Schlagwerks können bis zu 1056 Schläge innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Mit dem Modus „Silence“ (Stummschaltung) kann die Sonnerie auf Wunsch deaktiviert werden.

Die Wahl des Schlagwerk-Modus erfolgt mit einem Schieber bei 6 Uhr im Gehäusemittelteil. Er kann auf die drei Positionen „Petite Sonnerie“ links, „Grande Sonnerie“ Mitte und „Silence“ rechts gestellt werden. Diese Besonderheit ist Bestandteil eines Patents, das bereits für die „Grandmaster Chime“ entwickelt wurde. Zuvor waren hierfür zwei Schieber notwendig.

Beim Überarbeiten des Kalibers 300 haben die Ingenieure und Konstrukteure der Manufaktur eine kleine springende Sekunde integriert, ein Novum bei einer Grande Sonnerie. Das System arbeitet nicht wie sonst üblich mit Hebelfedern, sondern mit Rädern und einer Auslösewippe, die das Räderwerk zu jeder vollen Sekunde schlagartig freigibt. Dadurch ist der Energieverbrauch besser regulier- und beherrschbar.

Die Referenz 6301P ist Bestandteil der aktuellen Kollektion und die Fertigung aufgrund ihrer Komplexität auf eine geringe jährliche Stückzahl begrenzt.

Patente

• Isolierung der Grande Sonnerie im Stummschalt-Modus Silence (Patent CH 704 950 B1). Dieser Mechanismus isoliert im Stummschalt-Modus die Grande Sonnerie vom Uhrwerk und vermeidet jeglichen Energieverbrauch.

• Wahl des Schlagwerk-Modus (Patent CH 706 080 B1). Dieser Mechanismus ermöglicht die Wahl des Schlagwerk-Modus (Petite Sonnerie, Grande Sonnerie oder Silence) mit Hilfe eines einzigen Hebels und eines einzigen Schiebers. Hierfür waren zuvor zwei Schieber notwendig.

• Springende Anzeige mit einem springenden Sekundenrad (Patent CH 707 181 A2). Dieser neuartige Mechanismus für springende Anzeigen arbeitet nicht mit Stellfedern und Hebeln, sondern mit Rädern und einer Auslöse-Wippe, die das Räderwerk jede Sekunde schlagartig loslässt und als einziges Kraftelement eine spiralförmige Rückholfeder besitzt. Der Vorteil dieses Systems ist die Feinregulierung des Energieverbrauchs.


Die akustische Anzeige der Uhrzeit ist in den Ursprüngen der Uhrenmechanik verankert. Im 14. Jahrhundert besaßen die Großuhren, mit denen sich Europas Städte schmückten, weder Zifferblatt noch Zeiger, sondern ließen die vollen Stunden akustisch erklingen. Auch die ersten tragbaren Federhaus-Uhren des 15. Jahrhunderts waren oft mit akustischen Schlagwerk-Mechanismen ausgestattet, wie auch die ersten Taschenuhren des 16. Jahrhunderts. Im späten 17. Jahrhundert erschienen die ersten Mechanismen mit Zeitschlag auf Verlangen, die ersten als Viertelrepetitionen, denen zu Beginn des nächsten Jahrhunderts die Minutenrepetition folgte. Im Genf des 18. Jahrhunderts musste nach den Regeln der Uhrmacherzunft jeder Handwerker, der Uhrmachermeister werden wollte, sein Können mit der Fertigung einer Viertelrepetition unter Beweis stellen.

Tags : Grande Sonneriegrandmaster chimeMinutenrepetitionpatekPetite Sonnerie
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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