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eBay Deutschland bietet Echtheitsprüfung: „Wirklich jede Uhr wird geprüft.“

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Seit Oktober bietet eBay Deutschland eine Echtheitsprüfung für gebrauchte Uhren an. Nicht ohne Grund. Aktuell werden auf eBay.de über 21.000 Uhren angeboten. Über 90 Prozent davon sind pre-owned.

Auch der Anteil der gewerblichen Händler unter den Uhrenanbietern liegt bei über 90 Prozent. Aber nicht nur diesen, sondern allen Verkäufern von Zeitmessern auf eBay Deutschland bietet das Unternehmen nun eine Echtheitsprüfung an.

Was es damit auf sich hat, erläutert Karin Weissenberger, Head of Luxury bei eBay Deutschland, im Interview mit WatchPro.

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WatchPro: Ab wann wird die Echtheitsprüfung angeboten?

Karin Weissenberger: Die Echtheitsprüfung für Luxusuhren wird nach und nach erweitert, und bis Dezember vollumfänglich verfügbar sein. Ab einer gewissen Preisklasse ist eine Echtheitsbestätigung für Käufer*innen besonders wichtig, wir haben hier 1.800 Euro als Einstiegs-Preispunkt angesetzt.

WatchPro: Offenbar sehen Sie im Markt für gebrauchte und neue Uhren in Deutschland und für eBay großes Potenzial. Wie hat sich das Segment in den letzten Jahren auf eBay Deutschland entwickelt und mit welchem Wachstum rechnen Sie?

Karin Weissenberger: Laut einer McKinsey Studie* aus diesem Jahr wird erwartet, dass der Umsatz mit gebrauchten Uhren von 2019 bis 2025 jährlich um acht bis zehn Prozent wächst und von 18 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 29 bis 32 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 ansteigt. Das Potenzial des Marktes für gebrauchte Uhren wird hier fünf- bis zehnmal größer eingeschätzt als der Markt für neue Uhren.

In den USA, wo die eBay-Echtheitsprüfung bereits eingeführt wurde, verzeichnen Luxusuhren ein zweistelliges Wachstum, das nach unserer Einschätzung zu einem starken kategorieübergreifenden Kaufverhalten führt.

Tatsächlich geben Käufer*innen von Luxusuhren 8.000 US Dollar für mehr als 50 Artikel in anderen Kategorien aus und liegen damit deutlich über durchschnittlichen eBay-Käufer*innen.

WatchPro: Sind die Uhren-Anbieter in diesem Bereich auf eBay Deutschland in der Mehrheit Händler oder Privatpersonen?

Karin Weissenberger: Aktuell** sind 21.387 Angebote in der Rubrik Armbanduhren ab einem Verkaufswert von 1.800 Euro bei eBay zu finden. Davon sind 20.622 Angebote von gewerblichen Händler*innen eingestellt.

Bei den gewerblich angebotenen Uhren sind 98 Prozent gebraucht, bei den privaten Angeboten 89 Prozent. Die meisten Luxusuhren werden bei eBay.de aktuell also von gewerblichen Händler*innen angeboten, dazu gehören auch Juweliere.

Der Service schützt aber natürlich auch private Verkäufer*innen. Denn bei Rückgaben stellt die Echtheitsprüfung sicher, dass der ursprünglich verkaufte Artikel über einen verifizierten Rückgabeprozess zurückgegeben wird.

WatchPro: Lassen Sie uns bitte noch einmal einen Schritt zurückgehen. Wie läuft denn die Echtheitsprüfung ganz konkret ab? Und wie wird im Angebot öffentlich kenntlich gemacht, ob eine Echtheitsprüfung stattgefunden hat oder nicht?

Karin Weissenberger: Gekennzeichnet sind die entsprechenden Angebote auf der Seite durch den Hinweis „Mit Echtheitsprüfung” sowie einem kleinen blauen Häkchen. Wenn Käufer*innen gekennzeichnete Uhren bei eBay.de kaufen, wird die Echtheitsprüfung automatisch in Gang gesetzt.

Die Verkäufer*innen werden angewiesen, den Artikel an das Echtheitsprüfungs-Zentrum zu versenden. Im Echtheitsprüfungs-Zentrum bei Berlin überprüfen Expert*innen mit langjähriger Uhrmachererfahrung von Stoll & Co. jeden Artikel visuell und physisch nach dutzenden festgelegten Prüfpunkten – unter anderem Krone, Lünette, Zifferblatt, Uhrwerk, Gehäuse, Verschluss, Zeiger, Seriennummer –, und zwar in einem mehrstufigen Prozess und vergleichen dies mit der Angebotsbeschreibung.

Wenn die Echtheit bestätigt wurde, werden eine Echtheitsbestätigung sowie eine NFC-Karte mit detaillierten Informationen zu Marke, Modell, Referenznummer, Uhrwerk, Gehäuse, Armband und Seriennummer erstellt.

Im Anschluss wird alles sorgfältig verpackt und mit einer schnellen Versandmethode inklusive Sendungsverfolgung sicher an den Käufer verschickt.

WatchPro: Und wie funktioniert dann im Falle eines Falles eine Retoure? Wie wird der Verkäufer davor geschützt, möglicherweise eine Kopie zurückgeschickt zu bekommen?

Karin Weissenberger: Bei Rückgabe stellt die Echtheitsprüfung für Luxusuhren sicher, dass der ursprünglich verkaufte Artikel über einen verifizierten Rückgabeprozess zurückgegeben wird: Artikel werden von Käufer*innen direkt an die Echtheitsprüfer*innen zurückgeschickt, die jeden Artikel und seinen Zustand überprüfen, bevor er an die Verkäufer*innen zurückgeht.

WatchPro: Was hat eBay Deutschland davon, sprich an welcher Stelle verdient eBay mit?

Karin Weissenberger: Die Echtheitsprüfung an sich ist für Verkäufer*innen und Käufer*innen kostenfrei. eBay verdient, wie in allen anderen Kategorien auch, an der Verkaufsprovision.

Ich gebe Ihnen gern ein Preisbeispiel: Für den Verkauf einer Uhr mit einem Verkaufswert von 2.000 Euro bezahlen gewerbliche Händler*innen 3,8 Prozent des Gesamtpreises (Uhr und Versand) sowie 35 Cent fixe Verkaufsprovision. Bei privaten Händler*innen gestaltet sich die Preisberechnung etwas anders. Diese bezahlen elf Prozent (Uhr und Versand) sowie 35 Cent fixe Verkaufsprovision. Die Gebühren betragen elf Prozent auf den Preisanteil bis 400 Euro und zwei Prozent auf den Preisanteil über 400 Euro.

WatchPro: Gibt es einen Unterschied zum Authenticate-Programm für Luxusuhren von eBay USA?

Karin Weissenberger: Das Programm ist weitestgehend das gleiche. Das amerikanische Programm ist teilweise für andere Länder geöffnet, während sich die Echtheitsprüfung in Deutschland auf lokale Angebote und Käufer*innen bezieht.

WatchPro Und worin besteht der Unterschied zu anderen Uhren-Plattformen wie zum Beispiel Chrono24?

Karin Weissenberger: Wirklich jede Uhr, die den Anforderungen des Programms entspricht, wird geprüft – egal ob von privaten Verkäufer*innen, einem Uhrengeschäft oder gewerblichen Händler*innen.

Und dann gibt es bei eBay neben dem Festpreis-Angebot natürlich auch Auktionen – insbesondere für diejenigen, die auf der Suche nach dem besten Deal sind.

WatchPro: Warum haben Sie sich für Stoll & Co. als Kooperationspartner entschieden?

Karin Weissenberger: In den USA und UK kooperieren wir bereits mit Stoll & Co., jetzt folgt Deutschland als nächster Markt. Bei Stoll & Co. arbeiten Expert*innen mit langjähriger Uhrmachererfahrung. Das Unternehmen wurde 1982 gegründet und ist einer der weltweit führenden Anbieter von Uhrenreparaturdiensten für Uhrenhersteller*innen, Juwelier*innen sowie Verbraucher*innen.

Stoll & Co. bietet auch Serviceleistungen für eine Vielzahl von Luxusuhren an und seine Uhrmacher*innen sind alle WOSTEP-zertifiziert.

WatchPro: Anfang dieses Jahres haben Sie den Komfortservice für Luxusuhren mit dem Partner Zeitauktion eingeführt. Wie wurde denn diese Angebot angenommen?

Karin Weissenberger: Das Angebot wird gut angenommen und ist für uns eine gute Abrundung der Angebotspalette für private Luxusuhren-Verkäufer*innen. Nutzer*innen, die über diesen Service verkauft haben, geben uns ein sehr positives Feedback.

WatchPro: Wie erklären Sie sich eigentlich den Hype um Uhren im Pre-owned-Bereich? Schließlich handelt es sich bei eine Uhr um ein Produkt, das niemand wirklich braucht.

Karin Weissenberger: Weltweit wurde die steigende Nachfrage nach Pre-owned-Luxusuhren durch das zunehmende Interesse jüngerer Verbraucher*innen angetrieben: Luxusuhren sind immer mehr ein Anlageobjekt, besonders für die neue Generation der Millenial-Käufer*innen, die aktuell sehr stark das Marktwachstum treibt.

Im Markt herrscht eine starke Produktverknappung. Wer gezielt ein bestimmtes, aktuell sehr beliebtes Luxusmarken-Modell kaufen möchte und nicht über exzellente Kontakte oder viel Geduld verfügt, nutzt häufig den Pre-Owned-Markt, um die Wunschuhr kaufen zu können.

Hinzu kommt die sich ändernde Wahrnehmung des Wiederverkaufs in anderen Kategorien wie zum Beispiel der Modebranche. Was früher „Secondhand“ war, ist heute „pre-loved“, und der Kauf von gebrauchten Waren – auch im Luxusbereich – ist längst nicht mehr mit einem Stigma behaftet.

WatchPro: Um einmal über den Tellerrand zu schauen, und zwar in das Segment Sneaker, für das eBay Deutschland im hochpreisigen Bereich benfalls eine Echtheitsprüfung eingeführt hat: Was ist dort los? Sind die Entwicklungen mit dem Uhrenbereich vergleichbar? Und plant eBay.de Echtheitsprüfungen für weitere Produktgruppen?

Karin Weissenberger: Der Sneaker-Markt lebt von der Exklusivität und dem Hype der Sneaker-Enthusiast*innen, den neuesten Release zu ergattern. Denn kaufen darf meist nur, wer bei einer Verlosung gewinnt. Die stark limitierten Stückzahlen unterstützen diesen anhaltenden Trend zusätzlich. Das treibt die Begehrlichkeit auf dem Markt und schafft eine große Nachfrage auf Wiederverkaufsplattformen wie eBay.

Wer Sneaker sammelt, der gestaltet außerdem meist seine Sammlung auch sehr aktiv, kauft und verkauft regelmäßig. Dabei ist es, egal, ob es sich um neue oder getragene Schuhe handelt. Dadurch ist der Markt sehr lebendig. Im ersten Quartal 2021 wurde alle 18 Sekunden ein Paar Sneaker über eBay.de verkauft. In den USA zum Beispiel ist der Umsatz mit Sneakern innerhalb eines Jahres (Quartal 3 2019 zu Quartal 3/2020) um 50 Prozent gestiegen.

Sneaker-Käufer*innen kaufen bei eBay jedes Jahr durchschnittlich in zehn verschiedenen Kategorien ein, das ist mehr als doppelt so viel wie andere eBay-Käufer*innen. Damit dieses Wachstum nachhaltig ist, wurde in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien bereits die eBay-Echtheitsprüfung für Sneaker eingeführt, im September dieses Jahres folgte die Einführung in Deutschland.

Nachdem die Echtheitsprüfung von Turnschuhen und Uhren in den USA so erfolgreich war, wurde das Angebot dort jetzt auch auf Luxushandtaschen ausgeweitet. Hier in Deutschland haben wir gerade erst die Echtheitsprüfung für Sneaker eingeführt und befinden uns noch in der Anfangsphase, aber bisher läuft es wirklich gut. Deshalb möchten wir das Vertrauen unserer Kunden auch bei anderen Luxusartikeln stärken.


* Quelle: Mckinsey Studie: „The State of Fashion – Watches and jewellery”, S. 19

** Quelle: Datenerhebung eBay, Stand 06.10.201 10:00 Uhr

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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