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Droht in 2020 der komplette Lieferstopp für Mechanikwerke von ETA?

Eta_Laco

Grund für den Unmut soll sein, dass der Swatch-Group-Tochter ETA für 2020 ein Lieferverbot für mechanische Uhrwerke auferlegt werden soll.

Dies fordere das Sekretariat der Wettbewerbskommission Weko in Bern. Endgültig darüber entschieden werde in dieser Woche, heißt es in dem Artikel von Niklaus Vontobel und Patrik Müller.

Die in Grenchen ansässige ETA hat in 2019 eine halbe Million Mechanikwerke an Marken außerhalb der Swatch Group verkauft. Im kommenden Jahr könnte die Zahl Null lauten, falls die Ankündigung tatsächlich umgesetzt und ein privates Unternehmen wie die ETA während eines Jahres in einem Produktsegment vom Markt genommen wird.

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Viele Uhrenhersteller, die fest mit den Werken der ETA geplant haben, würde dies vor massive Probleme bei der Produktion stellen

Auf Anfrage des Grencher Tagblatts sagt Nick Hayek (Präsident der Konzernleitung der Swatch Group):

„Die Wettbewerbskommission hat doch nicht die Aufgabe, den Markt zu organisieren.“ Stattdessen solle sie Marktmacht und deren Missbrauch verhindern. „Doch wenn die ETA nicht liefern darf, führt das nicht zu mehr, sondern zu weniger Wettbewerb.“

Uhrenhersteller außerhalb der Swatch Group sind ratlos

Sollte das Lieferverbot kommen, werde man bestimmte Uhrenmodelle nicht wie geplant vorstellen können, kündigte bereits Chopard an. „Wir werden einige Umsatzeinbußen hinnehmen müssen“, sagte Friedrich Scheufele, Co-Präsident und Eigentümer von Chopard. Dabei sei die Marke aufgrund der eigenen Werkeproduktion besser gegen ein Lieferverbot gewappnet als andere, kleinere Betriebe. „Ich weiß nicht, wie solche Betriebe ein Lieferverbot überstehen sollen.“

Die Hintergründe

Die Swatch Group und die Weko verhandeln schon seit längerem aufgrund der marktbeherrschenden Stellung der ETA über entsprechende Lieferregularien.

Eine entsprechende Vereinbarung, die 2019 ausläuft, hatte zum Ziel, die dominierende Stellung im Bereich mechanischer Werke zu reduzieren. Dies sollte mithilfe eines kontrollierten Lieferrückgangs erfolgen.
Dadurch sollte die Konkurrenz mehr Marktbedeutung bekommen, infolgedessen die Swatch Group dann wieder selbst entscheiden könne, wie viele Werke an wen geliefert werden. Die Swatch Group selber hatte dieses Verfahren angestrebt, um aufgrund der historisch bedingten Monopolstellung nicht mehr jeden beliefern zu müssen.

Die Neue Zürcher Zeitung berichtete, dass viele ETA-Kunden zwar bestätigt hätten, dass viele Uhrwerkstypen auch anderweitig erhältlich seien, aber nicht alle. Dies gelte zum Beispielt für Mechanikwerke für Damenuhren, die derzeit niemand in ETA-Qualität zu einem ähnlichen Preis liefern könne.

„Gewinnerin wäre allenfalls die Firma Sellita“, schreibt NZZ-Autorin Andrea Martel. Denn diese habe es als einzige geschafft, alternative Werke zur ETA zu etablieren. „Aber selbst aus ihrer Sicht dürfte es zweifelhaft sein, ob ein Lieferverbot für die Swatch Group hilfreich ist. So wird Sellita, deren Produktion laut Marktbeobachtern derzeit bei rund einer Millionen Uhrwerken pro Jahr liegt, kaum von heute auf morgen 500.000 zusätzliche Uhrwerke verschiedenster Kaliber liefern können.“

Bild ganz oben:
Viele Marken, die nicht zur Swatch Group gehören, verbauen Werke der Swatch-Group-Tochter ETA. Zum Beispiel das Unternehmen Laco, dass bei dem Modelle „Würzburg“ das ETA 6498.1 zum LACO 98 veredelt hat.

 

Tags : etahayekswatch groupWeko
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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