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Die Uhrenindustrie kann sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln

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Davon ist Jean-Claude Biver überzeugt – wenn die großen Konzerne alles richtig machen. Dies und mehr verriet der Grandseigneur der Schweizer Uhrenindustrie im Interview mit WatchPro.

Im vergangenen Jahr hatte er sich aus dem operativen Geschäft als Chef der LVMH-Uhrensparte zurückgezogen, steht ihr aber weiterhin als Präsident zur Verfügung. Anfang November wurde er mit dem WatchPro-Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

WatchPro: Wenn Sie an Ihre 40 Jahre in der Uhrenbranche denken, wie beschreiben Sie vor diesem Erfahrungshintergrund die heutige Marktlage? Sind wir auf dem richtigen Weg?

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Jean-Claude Biver: Wir sind auf dem Weg, unsere Größe in 20 Jahren zu verdoppeln, da die Branche immer professioneller wird und der Lernprozess der Gruppen, die viele Marken gekauft haben, bald beendet sein wird. Die Uhrenindustrie ist nicht mit anderen Branchen vergleichbar. Und die Uhrenkonzerne haben mittlerweile festgestellt, dass wir in Bezug auf Vertrieb und Marketing nicht so gut strukturiert sind. Große Unternehmen sind oder waren der Meinung, dass sie, wenn sie in der Autoindustrie, in der Kosmetikindustrie oder in der Modebranche große Erfolge erzielt haben, ihre Strategie einfach auf die Uhrenindustrie übertragen können. Das stimmt aber nicht. Wir sind immer noch Handwerker und Startups. Immer mehr Menschen verstehen das heute und wenn die Verantwortlichen mit den Marken entsprechend richtig umgehen, werden sie auch erfolgreich sein. Ich habe vorhin mit jemandem gesprochen, der beobachtet, dass wir in der Uhrenindustrie alle drei bis fünf Jahre den CEO wechseln. Und wir wechseln nicht nur den CEO, wir wechseln auch die Vertriebsleiter in den verschiedenen Gebieten, der Manager aus dem Nahen Osten geht nach China und der Präsident von Nordamerika in die Schweiz. All diese personellen Veränderungen sind extrem schlecht, denn im Luxus braucht man Stabilität, Blickkontakt und persönliche Beziehungen. Deshalb bin ich heute erfolgreicher denn je, weil ich seit 45 Jahren im Geschäft bin und die Leute mir vertrauen. Dieses Vertrauen kann nicht in drei Jahren aufgebaut werden. Es geht verloren, wenn die Person in ein anderes Land geht oder in eine andere Firma wechselt. Gerade im Luxussegment wirkt sich das negativ aus.

Das komplette Interview lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von WatchPro.

Tags : Biverlvmh
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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