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Die Branche steht nicht still: Bei Juwelier Wichelhaus war an Tag 1 vor allem Service gefragt

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Das öffentliche und wirtschaftliche Leben steht still? Nicht ganz. Angesichts frühlingshafter Temperaturen zieht es viele in die Natur und Parks. Und für den Handel gelten seit Montag erste Lockerungen, Geschäfte dürfen unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen. Ein Großteil der Juweliere gehört dazu.

Im Gespräch mit WatchPro Deutschland berichtet Christian Fleer von Juwelier Wichelhaus in Ahaus, wie man das Beste aus der Krise machen kann und wie man die notwendigen Schutzmaßnahmen kreativ umsetzen kann.

WatchPro Deutschland: Wie ist es Ihnen in den vergangenen Wochen ergangen?

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Christian Fleer: Es war eine spannende Zeit. Vier Wochen an einem Stück geschlossen zu haben, ist sehr ungewöhnlich. Wir hatten dennoch einiges zu tun. Unser Meister hat zum Beispiel alle noch anstehenden Reparaturen erledigt. Da wir auch ein Handwerksbetrieb sind, durften wir weiterhin öffnen, das haben wir aber nur sehr begrenzt und unter bestimmten Bedingungen gemacht. Wir haben die Zeit zudem dafür genutzt, um andere Dinge in Angriff zu nehmen, die im Tagesgeschäft sonst schnell in den Hintergrund rücken. So haben wir unter anderem unseren Outletshop auf der Website überarbeitet.

Watchpro Deutschland: Wie haben Sie sich auf die Wiederöffnung vorbereitet?

Christian Fleer: Da gab es im Vorfeld viel zu erledigen. Wir haben Schutzwände aufgebaut, Masken für die Mitarbeiter und Desinfektionsmittel organisiert. In punkto Masken hatten wir wirklich Glück. Wir haben in Ahaus jedes Jahr die Traumhochzeitstage, auf denen wir ausstellen. Daher kennen wir eine wunderbare Schneiderin, die sonst Brautmoden fertigt, jetzt aber auf Masken umgestiegen ist und auch für uns welche fertigt.

Ich bevorzuge aber eigentlich Schutzvisiere aus Plexiglas. Sie sind viel angenehmer zu tragen, vor allem für Brillenträger. Außerdem schützen dieses Visiere das ganze Gesicht, also auch die Augenpartie. Und trotzdem kann der Gespächspartner meine Mimik sehen und mich besser verstehen.
Die Schutzwänder aus Plexigals haben wir übrigens nicht auf die Theken gestellt, sondern von der Decke abgehängt.

So können sie nicht aus Versehen umgestoßen werden, die Theken kann man besser reinigen und es wirkt alles weniger massiv und störend, erfüllt aber voll und ganz den Schutzzweck.

 

 

Watchpro Deutschland: Was haben Sie im Umgang mit Kunden geändert? Schließlich ist das Corona-Virus nach wie vor im Umlauf.

Christian Fleer: Wir haben die Abläufe im Umgang mit den Kunden genau durchdacht und geplant, damit von der Annahme bis zur Abholung für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter alles sicher, aber dennoch unkompliziert vonstattengehen kann. Um hier kein Risiko einzugehen, liegen zwischen Abgabe und Abholung mindestens drei Tage. So können wir sicherzustellen, dass mögliche Viren wirklich inaktiv sind. Das heißt, es gibt eine Service-Annahmestelle, an der die Kunden ihre Uhr oder ihr Schmuckstück in eine Box legen. In der Werkstatt wird mit Handschuhen in eine Kunststofftüte umgepackt und Uhr oder Schmuck bleiben erst einmal einen Tag liegen. An Tag zwei erfolgt die Bearbeitung und dann dauert es noch einen weiteren Tag, bis der Kunde seine Ware wieder abholen kann. 95 Prozent unserer Kunden haben dafür vollstes Verständnis.

WatchPro Deutschland: Wie war der erste Tag?

Christian Fleer: Wir hatten online bereits am Wochenende darauf hingewiesen, dass wir wieder öffnen, und am Montag war vor allem die Nachfrage nach Service extrem groß, unter anderem nach Batteriewechseln. Meine Hoffnung nach vier geschlossenen Wochen ist, dass die Menschen anstelle in Urlaub zu fahren, was ja vermutlich kaum möglich sein wird, sich etwas Schönes gönnen, zum Beispiel eine Uhr oder ein Schmuckstück. Daher sind wir recht optimistisch und motiviert. Natürlich ist uns klar, dass die finanziellen Möglichkeiten bei vielen durch die besondere Lage erstmal geringer sind. Ich habe aber eigentlich gar keine Zeit für negative Stimmung, und die bringt auch nichts. Und außerdem war es schon immer so: Optimisten leben länger als Pessimisten.

Tags : CoronaEinzelhandelLockdownShutdownWichelhaus
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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