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Nachdem sich bereits 2017 die Ausstellerzahl halbiert hatte, erholte sich die Weltmesse auch 2018 nicht. Und mit dem Weggang der Swatch Group befand sich die Baselworld scheinbar im freien Fall.

Diesen versucht Michel LorisMelikoff mit seinem Team zu stoppen – mit durchwachsenem Erfolg. Der letzte Rückschlag kam Anfang November mit der Seiko-Absage für die Baselworld 2020, Casio zog einen Monat später nach.

Altlasten wie der Vorwurf der Distanz zwischen Messeleitung und Ausstellern, der zu starken Fokussierung auf den Uhrenbereich oder der überhöhten Preise von Hotellerie und Gastronomie wurden in Angriff genommen. Und so ist Melikoff zuversichtlich, dass die Zahl der Aussteller im kommenden Jahr mehr als 600 betragen wird. Größtes Problem scheint aber derzeit der neue Termin Ende April/ Anfang Mai zu sein. Darüber sowie über neue Ideen und Konzepte sprach der Messechef Anfang Oktober im Exklusivinterview mit Rob Corder, Chefredakteur von WatchPro UK.

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WatchPro: Als wir das letzte Mal im Sommer 2018 gesprochen haben, waren Sie erst ein paar Monate im Job und es war eine knifflige Zeit, um es milde auszudrücken.

Michel Loris-Melikoff: Ich glaube, es war mitten in der Swatch-Krise. Seitdem bin ich um einiges reicher an Erfahrungen geworden. Jetzt kennen wir die Probleme. Und wir haben Visionen, diese zu lösen. Diese haben wir auf der Abschlusspressekonferenz der diesjährigen Messe vorgestellt. Nun ist es an der Zeit, konkret zu werden und die Visionen umzusetzen. Wir haben eine klare Linie für die Baselworld.

Watchpro: Sie haben kürzlich erwähnt, dass sich ihr Team im Verkaufsmodus befinde und nicht nur Bestellungen erfasse.Wie hat das die Stimmung verändert?

Loris-Melikoff: Die Mitarbeiter merken, dass sich alles verändert. So, wie sich der Markt in den letzten Jahren verändert hat – nur wir haben uns nicht verändert. Jetzt liegt es an uns, die notwendigen Veränderungen auf den Weg zu bringen. Allen muss klar sein, dass es unsere Kunden sind, die unsere Gehälter bezahlen. Und für diese Kunden hat sich vieles geändert. Wenn wir hier sitzen und darauf warten, dass das Telefon klingelt, werden wir keine Geschäfte machen. Daher sind wir viel unterwegs, um Kunden zu treffen. Ich glaube, ich habe ungefähr 1.400 solcher Treffen gehabt, seit ich hier angefangen habe. Wir schauen uns auch die meisten anderen Shows an, um Kunden zu sehen, Inspiration zu finden und zu entscheiden, was funktioniert und was nicht. Dieser Input hilft uns, eine neue Show zu entwickeltn. Um neue Vision zu kreieren, habe ich übrigens ganz einfach mit einer Excel-Tabelle begonnen, mit 20 Punkten, die uns wichtig erschienen. Ich habe eine Spalte für die Uhrenindustrie, eine für die Schmuckindustrie, eine für Edelsteine, Einzelhändler, Journalisten, Sammler und so weiter erstellt und dann aufgelistet, was meiner Meinung nach für jeden von ihnen wichtig ist, was dies konkret bedeutet und was wir liefern müssen.

WatchPro: Können Sie mir sagen, was Sie in der Einzelhandelsspalte eingetragen haben?

Loris-Melikoff: Uns war klar, dass wir die Qualität des Aufenthalts für Einzelhändler verbessern mussten. Das muss alles viel einfacher sein. In der Vergangenheit wurden die Händler von den Marken eingeladen. Diese hatten drei oder vier Personen, die sich um ihrer Einhzelhändler gekümmert haben. Bei 520 oder 650 Ausstellern sind das rund 2.000 Menschen. Wir haben mit den Marken gesprochen und werden dies nun selber übernehmen. Wir laden die Einzelhändler ein, kümmern uns um die Ausweise und so weiter. So wissen wir auch genau, wer hier ist. Was wir nicht organisieren, sind die Treffen von Marke und Händler. Der zweite Punkt betrifft die gesamte Reise- und Unterbringungsfrage. Es wird einen E-Concierge-Service geben, bei dem Besucher ihre Reise buchen können. Sie können angeben, mit welcher Fluggesellschaft sie fliegen und in welchem Hotel sie übernachten möchten, wie hoch das Budget ist, ob ein Shuttle von Zürich benötigt wird und so weiter. Wir haben ein Team, das sich um all das kümmert.

WatchPro: Ich habe mit einer Reihe von Einzelhändlern über die Baselworld gesprochen. Das erste, was ich sie fragte, war, haben sie von Ihnen nach ihrer Meinung gefragt wurden. Es wird Sie vermutlich nicht überraschen, dass sie verneinten. Ich spreche von einigen der größten Einzelhändler der Branche und sie wurden nie nach ihren Ansichten gefragt.

Loris-Melikoff: Noch nicht.

WatchPro: Wie können Sie neue Pläne entwickeln, von denen die wichtigsten Leute in der Branche profitieren sollen, wenn Sie nicht mit ihnen gesprochen haben? Können Sie Gedanken lesen?

Loris-Melikoff: Das größte Problem war, dass wir nicht wirklich wussten, wer sie waren, weil sie von den Marken eingeladen wurden. Wir konnten nicht so einfach mit ihnen kommunizieren. Die Einzelhändler erhielten ihre Informationen über die Medien und über die Marken. Ich möchte aber direkt mit ihnen sprechen. Dafür erstellen wir eine Datenbank. Wir kennen mittlerweile einige von ihnen, aber noch nicht alle. In der Vergangenheit haben wir uns nur um unsere Aussteller gekümmert. Heute müssen wir uns aber auch um deren Kunden kümmern. Denn wenn diese sich in Basel wohl fühlen, ist dies gut für unsere Kunden, die Aussteller. Das ist neu für die Baselworld. Ich hatte bereits viele Kontakt mit Mark Udell (Inhaber von London Jewelers in New York) und ich höre zu, weil es so wichtig ist, dass sie zur Show kommen. Und ich werde überall auf der Welt weitere Juweliere besuchen. Sie werden aber auch verstehen, dass ich mich zunächst auf meine Aussteller konzentrieren muss.

WatchPro: Ich denke, es wäre doch ziemlich einfach und effizient gewesen, Treffen mit Einzelhändlern in jeder beliebigen Stadt zu planen.

Loris-Melikoff: Ich werde zum Beispiel in New York mit zehn bis fünfzehn Einzelhändlern zu Abend essen. Das ist genau die richtig Anzahl. Ich möchte nicht mit 200 Leuten große Dinner veranstalten. Persönliche Treffen sind viel besser. Ich habe das auch mit Journalisten gemacht als ich in Tokio und Shanghai war. Das war äußerst wichtig und gut.

WatchPro: Die Betreuung von Journalisten ist einfach. Wir wollen nur Zugang zur Messe haben. Ich bin ein großer Fan der Baselworld und möchte, dass sie weiterhin erfolgreich ist. Hier kann man so viele Menschen gleichzeitig treffen. Solange die Show das liefert, interessieren mich Hotelzimmer, Podcast-Stände und die Kosten für das Essen weniger. Wir sind nicht verwöhnt. Aber die Einzelhändler, von denen ich spreche, leben in einer Welt des Luxus. Die meisten sind Multimillionäre und fürchten, ihren gewohnten Luxus in der Stadt Basel nicht zu bekommen. Sie werden weiter zur Baselworld kommen, wenn Rolex es ihnen sagt. Aber sie wollen auch genießen.

Loris-Melikoff: Das bringt uns zu der Frage, was Luxus ist. Sie haben etwas sehr Wichtiges gesagt. Wenn ich geschäftlich zu einer Messe wie der Baselworld kommen müsste und die Wahl hätte, in Tokio oder Manhattan zu sein, würde ich natürlich eines dieser Ziele wählen. Alles rund um die Messe ist dort attraktiver. Nach der Arbeit oder auch für die Arbeit können Besprechungen in schönen Bereichen stattfinden. Luxus hat hier eine andere Dimension. Luxus hier in Basel bedeutet, es so effizient und effektiv wie möglich zu machen, die richtigen Leute zu treffen – mit dem Wissen, dass wir nicht so viel bieten können wie andere Städte.

WatchPro: Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass die Baselworld aus Basel weg muss. Die Messe wird nicht überleben, wenn die Menschen sich nicht auf sie freuen. Das ist absolut existentiell. Und es gibt nichts, was Sie als Einzelperson oder die Baselworld als Organisation tun können, um die Stadt Basel zu einem großartigen Reiseziel zu machen.

Loris-Melikoff: Ja, aber wenn die Leute nach Basel kommen müssen, müssen wir alles tun, um den Aufenthalt zu verbessern. Basel ist und bleibt Basel.

WatchPro: Ich befürchte, dass es die Baselworld in fünf Jahren nicht mehr geben wird, wenn an dem Standort festgehalten wird. Wenn ich mir anschaue, was Breitling letzte Woche in Los Angeles mit Surf-Demonstrationen zur Einführung einer neuen Taucheruhr gemacht hat, was Swatch Group letztes Jahr in Zürich gemacht hat und was LVMH in Dubai plant, dann sind dies Ereignisse, an denen die Leute teilnehmen möchten und die sie genießen .

Loris-Melikoff: Aus diesem Grund habe ich auf meiner diesjährigen Pressekonferenz angekündigt, dass die Baselworld dorthin gehen wird, wo der Markt ist. Wir arbeiten sehr ernsthaft an diesem Thema. Ich bin in der glücklichen Lage, nicht nur eine Uhrenshow zu haben, sondern auch auf dem Schmuck- und Edelsteinmarkt zu spielen. Ich kann diese drei auf sinnvolle Weise kombinieren. Das heißt, wenn ich zum Beispiel während des Formel-1-Rennens eine Pop-up-Aktivität in Abu Dhabi organisieren möchte, kann ich dies für die Uhren- und Schmuckindustrie tun. Ich kann wählen, ob ich das für B2B oder für Sammler oder Influencer mache. Ich habe ein sehr schönes Instrument und kann mit diesem Instrument Musik machen, wie ich will. Das ist genau das, was wir prüfen und wir werden auf der Baselworld 2020 darüber sprechen. Seit der Messe in diesem Jahr bin ich in Dubai, Abu Dhabi, Tokio, Hongkong, Singapur und so weiter gewesen. Es gibt viele Möglichkeiten. Aber die Messe, auf der Sie alles für die gesamte Schmuck- und Uhrenbranche finden, bleibt für das nächste Jahr in Basel. Nächstes Jahr werden wir Details für eine neue Show präsentieren. Das ist sicher.

WatchPro: Wird es 2021 einen Event für die gesamte Branche in Basel geben?

Loris-Melikoff: Ich denke ja.

WatchPro: Das klingt nicht wirklich sicher.

Loris-Melikoff: Nur Tod und Steuern sind sicher. Wir haben eine sehr klare Vorstellung davon, in welche Richtung sich die Baselworld entwickeln muss. Für mich ist es eine Erlebnisplattform. Für einige Aussteller ist es eher eine Kommunikations- als eine Geschäftsplattform. Das bedeutet nicht, dass wir mit der Baselworld aufhören werden, sondern dass wir ein Erlebnis für Sammler und Einzelhändler schaffen müssen. Vielleicht haben sie andere Erwartungen. Für mich ist klar, dass Baselworld eine Erlebnisplattform sein muss und jeder Teilnehmer der Branche diese Plattform für seine individuellen Bedürfnisse nutzen wird.

WatchPro: Denken Sie, Sie können hier in Basel eine Veranstaltung kreieren, die für Sammler attraktiv ist?

Loris-Melikoff: Ja.

WatchPro: Wirklich? Wenn ich davon spreche, dass Einzelhändler wohlhabend und an die schönen Dinge im Leben gewöhnt sind, könnten Sammler noch reicher und anspruchsvoller sein, wenn es um Luxus geht. Nicht nur die Hotels und Restaurants können diese Wünsche nicht erfüllen. Die Menschenmassen in der Show werden sie abschrecken. Es ist unwahrscheinlich, dass sie die Uhren kaufen können, die sie sehen, auch wenn sie auf die Stände kommen. Sie sind es gewohnt, von Marken zu ihren Manufakturen gebracht und dort bewirtet zu werden.

Loris-Melikoff: Ja, aber sie wissen auch, dass der Besuch der Baselworld nicht mit dem Besuch einer Uhrenmanufaktur gleichzusetzen ist. Wenn sie zur Baselworld kommen, werden wir ihnen Dinge zeigen, die sie wahrscheinlich noch nie gesehen haben.

WatchPro: Viele Einzelhändler sagen mir, dass der Termin der Baselworld 2020 zu spät sei. Sie befürchten, dass sie im nächsten Jahr möglicherweise erst im November oder Dezember die neuen Kollektionen erhalten werden. Ich verstehe die Überlegung, die hinter der Koordinierung der Termine mit dem SIHH stehen. Besucher sollen nicht zweimal im Jahr in die Schweiz reisen müssen. Doch indem Sie ein Problem gelöst haben, haben Sie anscheinend ein neues für Marken und Händler geschaffen.

Michel Loris-Melikoff: Ich habe es dreimal in dem Video erwähnt, mit dem wir unsere Pläne bekannt gemacht haben: „Sie haben gesprochen, wir haben zugehört“. Ich treffe Entscheidungen nicht nur für meine eigenen Zwecke. Alle haben mir von Anfang an gesagt, dass es keinen Sinn ergibt, zwei verschiedene Termine zu haben, an denen die Journalisten und Einzelhändler in die Schweiz kommen müssen. Für mich und Fabienne Lupo (Anm. d, Redaktion: Geschäftsführerin des SIHH, der jetzt in Watches & Wonders Geneva umbenannt wurde) war klar, dass das Hauptziel die Koordinierung war. Und es war nicht einfach, einen Termin für beide Shows zu finden. Es gibt den Autosalon in Genf, es gibt einen weiteren Autosalon hier, dann kommen Ostern, Karnevalsferien und so weiter. Der Januar wäre eigentlich der beste Monat für die Uhrenindustrie, aber nicht für die Schmuckbranche. Februar wäre in Ordnung, aber da ist das Chinesische Neujahr. Ostern, Maifeiertag, Ramadan, die Golden Week – es war ein Albtraum. Als wir die neuen Termine im Dezember bekannt gaben, gab es keine negativen Reaktionen. Wir wussten, dass es spät ist, aber alle, mit denen wir während der Verhandlungen gesprochen hatten, waren sich einig, dass die Koordination wichtiger sei als die Tatsache, dass wir fünf Wochen später waren. Jetzt hören wir von einigen Leuten, dass es spät ist, aber keine Katastrophe. Andere sagen, sie werden nicht wiederkommen. Wer hat Recht? In einer perfekten Welt wäre wahrscheinlich Ende Februar bis Anfang März die beste Zeit für alle.

WatchPro: Sind für die Zukunft perfekte Termine denkbar?

Loris-Melikoff: Wir haben bis 2024 verhandelt und werden demnächst die Termine für 2021 veröffentlichen, die einige Wochen früher liegen werden. Es ist nicht einfach, solche Termine zu verschieben, da es nicht nur um die sechs Tage der Show geht. Rolex benötigt zum Beispiel sechs Wochen für den Standbau. Wenn ich nur ein oder zwei Tage verschiebe, hat das einen enormen Einfluss auf andere Shows. In Genf haben sie das gleiche Problem. Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt das Datum Ende April gefunden haben. Und erst jetzt erfahren wir, dass es zu spät ist. Wir müssen also eine Lösung finden. Das ist eine große Aufgabe für uns bis zum Jahresende, und es ist sehr kompliziert.

WatchPro: Der wichtigste USP der Baselworld in der Vergangenheit war, dass die Besucher alle Hauptakteure der Branche an einem Ort und zu einer bestimmten Zeit sehen konnten. Diese Zeiten sind vorbei. Eine Lösung wäre es, alle Shows in einer Woche stattfinden zu lassen – Baselworld, Time to Move der Swatch Group in Zürich und den Genfer Uhrensalon.

Loris-Melikoff: Fabienne Lupo vom SIHH und ich stimmen voll und ganz zu. Es ist schwierig, einem Einzelhändler aus Shanghai zu erklären, warum er zweimal oder öfter in ein so kleines Land wie die Schweiz kommen muss, um alle Marken auf verschiedenen Messen sehen zu können. Wir müssen zusammenfinden, um die ganze Schweizer Uhrenindustrie in einer Woche zu zeigen. Die Besucher könnten in dieser Woche in verschiedene Teile der Schweiz reisen und alles sehen.

WatchPro: Sind Sie wirklich davon überzeugt, dass sich die Swatch Group an den Terminen von Baselworld und SIHH orientieren wird?

Loris-Melikoff: Wenn Herr Hayek seine Show in diesem Zeitraum organisiert, ist es wichtig, sich abzustimmen. Damit wir alle erfolgreich sein können, sollten wir uns darauf einigen, zur gleichen Zeit und auf demselben Gebiet unsere Veranstaltungen zu organisieren. Zürich ist nur 86 Kilometer von Basel entfernt. Das ist nichts für jemanden, der 10.000 Kilometer in die Schweiz gereist ist.

WatchPro: Sie wissen aber noch nicht, ob die Swatch Group nächstes Jahr ihre Termine mit Basel und Genf abstimmen wird.

Loris-Melikoff:Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es für alle.

WatchPro: Die großen Marken denken langfristig. Wenn sie sich für eine Investition in Baselworld entscheiden, inlusive der hohen Kosten und der Komplexität, die mit solch riesigen Ständen verbunden sind, muss eine solche Entscheidung die Aussicht bieten, dass sich die Kosten über einen Zeitraum von fünf Jahren oder länger auszahlen. Gleichzeitig ändern sich die Dinge in der Branche sehr schnell. Machen sie also einen Plan, der es ihnen ermöglicht, flexibler zu sein und Änderungen von Jahr zu Jahr vorzunehmen?

Loris-Melikoff: Aus diesem Grund wurden die Bedingungen für Bauvorschriften geändert. Wir empfehlen den Ausstellern, sich beim Umbau ihrer eigenen Stände zu fragen, ob sie wirklich drei oder mehr Stockwerke benötigen. Wir sind überzeugt, dass sie in Zukunft weniger Stockwerke wollen. Wenn Sie mehr Quadratmeter ebenerdig bekommen und nur ein oder zwei Stockwerke bauen, ist es viel kostengünstiger. Da wir alle über eine Kapitalrendite nachdenken, die in sehr kurzer Zeit realisiert werden muss, muss man den Standbau günstiger machen.

WatchPro: SIHH schafft es, luxuriös zu sein, obwohl die Stände modularer und handlicher sind. Es sieht aus wie eine Show, die in einer statt in sechs Wochen wie einige der großen Basel-Stände aufgebaut werden könnten. Weniger teuer, kompliziert und dafür modularer zu sein, bedeutet, dass die Show in eine andere Stadt verlegt werden könnte, wenn der SIHH dies wünscht. Es sieht nicht so aus, als ob Aussteller für fünf Jahre gebunden wären, um die Chance zu haben, dass sich ihre Investition rechnet. Vielleicht ist dies in ein oder zwei Jahren möglich.

Loris-Melikoff: Der SIHH ist ein anderes Konzept. Wir könnten das positiv bewerten und kopieren, aber jeder würde uns vorwerfen, langweilig zu sein. Ich werde das nicht tun. Sie wissen, und ich habe es dem SIHH-Management gesagt, dass ihr Konzept interessant ist. Sie haben nur eine einheitliche Fassade, und dahinter baut jedes Unternehmen seine eigene Struktur. Das ist sehr interessant. Als ich bei der Baselworld anfing, fand ich ein völlig anderes Konzept vor. Und um es zu ändern, muss ich Schritt für Schritt vorgehen. Es wäre nicht fair, wenn ich als erste Maßnahme Rolex mitgeteilt hätte, dass sechsstöckige Stände nicht mehr möglich sind. Ich werde den Unternehmen nicht sagen, dass sie sich sofort ändern müssen. Aber ich denke, jeder merkt jetzt, dass die Quadratmeter nur fünfzehn Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Der größte Kostenpunkt betrifft den Aufbau des Messestandes. Insgesamt sind dies zwischen 45 und 55 Prozent der Kosten. Das müssen wir das angehen.

WatchPro: Verdient der Veranstalter der Show, die MCH Group, nur Geld mit den Quadratmetern, oder gibt es andere bedeutende Einnahmequellen für die Baselworld?

Loris-Melikoff: Wir haben einen Standbauer, aber die meisten Aussteller arbeiten nicht damit, sodass der Großteil unserer Einnahmen aus der Fläche stammt. In der Vergangenheit haben wir mit Zusatzleistungen wie dem Katalog Geld verdient, für den jeder Aussteller 10.000 Franken bezahlen musste. Es gab weitere Leistungen, die gebucht werden mussten, auch wenn sie nicht bezahlt wurden. Wir ändern das Geschäftsmodell so, dass die Aussteller für die Quadratmeter zahlen und dann nur für zusätzliche Dienstleistungen, die sie auch wirklich wollen.

WatchPro: Also bekommt die Baselworld für jeden Dollar, den ein Aussteller ausgibt, 15 Cent?

Loris-Melikoff: Ja, das ist richtig. Mein größtes Anliegen ist es, Lösungen zu finden, um die anderen Kosten zu senken. Wir arbeiten sehr intensiv mit einem Messebauer zusammen, um eine sinnvolle Lösung zu finden. Wir möchten den Ausstellern die Möglichkeit bieten, einen Stand zu kaufen und für zwei bis drei Jahre zu behalten. Oder sie möchten den Stand nicht kaufen und zahlen nur, wenn sie ihn nutzen. Ich denke, das ist die Zukunft. Da sich der Markt so schnell verändert, weiß keiner von uns, was in drei Jahren passieren wird. Vielleicht entscheidet ein Unternehmen, dass sein Schwerpunkt beispielsweise in China liegen soll.

WatchPro: Hypothetisch gedacht. Wenn eine Marke bei der MCH Group für ihre Standfläche auf der Baselworld 15 Cent von jedem Dollar ausgibt, möchten sie möglicherweise weitere 15 Cent bei einer anderen Messe der MCH Group auf der ganzen Welt ausgeben. Solange Sie ein Konzept anbieten, das die anderen Kosten zusammenpresst, könnten Aussteller am Ende zwei Shows in verschiedenen Teilen der Welt zu den gleichen Kosten durchführen wie heute in Basel.

Loris-Melikoff: Vielleicht wird es in Zukunft so sein, dass ein Besucher, der hier zur Baselworld kommt, automatisch für eine andere Veranstaltung in Miami oder Manhattan registriert wird.

WatchPro: Zusätzliche Shows auf der ganzen Welt zu haben, ergibt heute Sinn. Die Marken konzentrieren nicht mehr so sehr darauf, ihre gesamte jährliche Kollektion auf einmal auf den Markt zu bringen. Sie wollen das ganze Jahr über Neuheiten präsentieren.

Loris-Melikoff: Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Georges Kern, als er mitteilte, dass er nächstes Jahr nicht zur Baselworld kommen wird. Mit der Idee der Summits, die er auf der ganzen Welt veranstaltet, sind wir absolut einverstanden. Er spricht aus Erfahrung, wir sprechen aus Erfahrung. Er redet davon, wirklich schöne, coole Events für Einzelhändler zu veranstalten. Wenn wir etwas im Ausland machen, ist es vielleicht nicht so, wie wir es hier in Basel machen. Es könnte etwas ganz anderes sein.

WatchPro: In diesem Fall müssen Sie Baselworld wirklich zu einer Marke machen, die dafür steht, so stark und attraktiv zu sein, um in andere Teile der Welt exportiert zu werden. Wofür steht die Marke Baselworld?

Loris-Melikoff: Das Alleinstellungsmerkmal der Baselworld in der Vergangenheit war, dass sich hier auf sehr hohem Niveau drei Teile der Branche treffen: Uhren, Schmuck und Edelsteine. Das ist nicht nur ein hohes Maß an Produktqualität, sondern auch an Qualität der Messe. Sie können beispielsweise den Stil einer Baselworld nicht mit einem JCK vergleichen. Die Leute erkennen, dass diese Show eine ganz andere Qualität bietet.

WatchPro: Ich weiß, dass Sie heute nicht darüber sprechen können, welche Marken 2020 auf der Messe sind und welche nicht. Aber sind Sie zuversichtlich, dass die Baselworld nächstes Jahr genauso groß wie oder größer sein wird als 2019?

Loris-Melikoff: Wir werden deutlich mehr Aussteller als 2019 haben. Die Frage ist, ob es über 600 oder über 650 sein werden. Dieses Jahr waren es genau 520. Die Leute beginnne, zu verstehen, dass sich die Dinge ändern. Die Tage, in denen eine Strategie festgelegt und erwartet wurde, dass sie fünf Jahre durchgehalten wird, sind vorbei. Wir müssen jedes Jahr neu bewerten, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder nicht. Es wird also jedes Jahr Änderungen geben, vielleicht keine größeren, aber wir setzen alles daran, besser und effizienter zu werden. Wir brauchen zum Beispiel auch den Mut, Dinge zu beenden, die niemanden interessieren. Wir brauchen viel mehr Flexibilität. Wir brauchen Motivation, um uns ständig zu verändern und das Konzept zu modifizieren. Das ist die einzige Gewissheit.

WatchPro: Soweit ich weiß, wird das Herzstück der Messe in der Halle 1.0 mit den LVMH-Marken, Rolex und Patek Philippe identisch sein.

Loris-Melikoff: Es wird einige Änderungen geben. Der Pressebereich befindet sich möglicherweise noch in der Halle 1, jedoch an einem anderen Ort oder in einer anderen Etage. Die Presse ist uns sehr wichtig.

WatchPro: Die Presse mag einen gewissen Einfluss haben, aber der Einzelhandel ist der größte Einflussfaktor in dieser Branche. Sie haben die besten Standorte in allen Teilen der Welt, sie sprechen direkt mit den Endkunden, sie treffen Entscheidungen, die den größten Einfluss auf die Marken haben.

Loris-Melikoff: Ja, ich habe den größten Respekt vor Einzelhändlern, die seit Generationen erfolgreich sind. Ich glaube nicht, dass sie durch die Digitalisierung ersetzt werden. Es ist wichtig, dass wir uns um sie kümmern und dass sie sich wohl fühlen. Das ist mir persönlich ein großes Anliegen.

 

 

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Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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