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Am 1. Juli startete Porsche Design das neue Uhren-Konfigurations-Programm „Custom-Built Timepieces“ in Deutschland. Was es damit auf sich hat und ob der Juwelier Teil des Konzeptes ist, erläuterten Gerhard J. Novak (General Manager Porsche Design Timepieces) und Rolf Bergmann (Geschäftsführer der Porsche Design Timepieces AG) im Hintergrundgespräch mit WatchPro Deutschland.

Seit 2014 fertigt das 1972 von Ferdinand Alexander Porsche gegründete Unternehmen nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit externen Uhrenherstellern als Porsche Design Timepieces AG alle Uhren in der eigenen Manufaktur in Solothurn.

Und seit 2017 gehört diese vollständig zur Porsche AG. Eigenständige Entwicklung und Produktion, 100prozentige Zugehörigkeit zur Muttermarke – dies schlägt sich nun auch in einem neuen Uhren-Konzept nieder. Und dieses setzt mehr denn je darauf, den Porsche auf vier Rädern in einen Zeitmesser zu transformieren, den der Markenliebhaber nicht in der Garage zurücklassen muss, sondern jederzeit mitnehmen kann.

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„Es war mit der Gründung der Manufaktur klar, das es nicht unser Bestreben ist, ein klassischer Uhrenhersteller zu werden. Wir wollten von Anfang an das Thema Sportwagen am Handgelenk für die Porsche Community umsetzen. Der Grund ist, dass es seit den frühen 2000er-Jahren eine steigende Nachfrage nach besonderen Uhren mit einem Bezug zu Fahrzeugen gibt und auch zunehmende Anfragen von Rennteams und Porsche Clubs nach Uhren für besondere Anlässe und Events. Das kann man nicht mit der in der Uhrenindustrie üblichen Losgrößenfertigung bedienen. Daher war uns von Anfang an klar, dass wir einen anderen Geschäftsansatz fahren müssen“, erläutert Gerhard J. Novak.

Im Jahr 2016 unternahm man den ersten Schritt mit dem sehr exklusiven Programm „Porsche Design for Porsche PD4P“, „mit dem wir begonnen haben, das Erlebnis, einen Porsche-Sportwagen zu besitzen, ans Handgelenk zu bringen“, so Novak weiter. „Das hat sich sehr positiv entwickelt, sodass bei bestimmten Modellen mittlerweile jeder zweite Käufer eines Porsche-Sportwagens die passende Uhr gleich mitbestellt.“

Mit dem neuen Programm „Custom-Built Timepieces“ hat nun jeder die Chance, sich seinen tickenden Porsche fürs Handgelenk zu konfigurieren und zu bestellen – auch wenn kein entsprechender Flitzer vor der Tür steht. Zudem bietet es die neue Möglickeit, seinen individuellen Zeitmesser ganz eigenständig zusammenzustellen. „Wir sprechen hier von 1,5 Millionen Ausführungsoptionen. Damit schaffen wir einen zusätzlich Anreiz, sich eine Uhr zu kaufen“, betont Novak. „Schnell war klar, dass wir für ein derartiges Konzept Gehäuse oder Armbänder mit gänzlich anderen Details benötigen werden, die einen hohen Individualisierungsgrad zulassen. Diese einzelnen Komponenten müssen austauschbar sein, ohne dass wir jedes Mal eine neue Uhr entwickeln müssen.“

Das Ergebnis ist die serielle Herstellung von Schweizer Armbanduhren nach dem Konzept aus dem Sportwagenbau von Porsche. Und das hat ganz viel mit einem Baukasten-Prinzip und Individualisierung zu tun. Der Uhren-Konfigurator orientiert sich dabei in der Menüführung und auch optisch an dem Fahrzeug-Konfigurator von Porsche.

In Echtzeit werden sämtliche Ausstattungsmerkmale sowie der Preis der jeweiligen Konfiguration angezeigt. Der Preis für ein „Custom-built Timepiece“ beginnt in Basisversion bei 4.950 Euro und reicht je nach Ausstattungsgrad bis zu 11.600 Euro UVP. Ist die Uhr konfiguriert, erhält der Kunde einen Code, mit dem er dann zum Beispiel bei den teilnehmenden Porsche Zentren in Deutschland den Bestellvorgang abschließen kann. Bis zur Auslieferung der selbst kreierten Uhr muss er sich dann noch etwa acht bis zwölf Wochen gedulden. „Bei dieser Kunden-Auftragsfertigung steuern wir jede Uhr einzeln durch den Herstellungsprozess“, erläutert Bergmann.

In Deutschland geht es am 1. Juli los, Großbritannien und die USA sollen in Kürze folgen. Gefertigt werden die Uhren natürlich in Solothurn. Denn hinsichtlich der Qualität macht Porsche Design keine Kompromisse. Titan, siebenfach entspiegeltes und hartbeschichtetes Saphirglas, dynamische Wasserdichtigkeit bis fünf Bar, Superluminova, hochwertiges Porsche-Interieur-Leder, Porsche Fahrzeug-Garne und -Farben markieren den materiellen Aspekt. Für die inneren Werte sorgt das Inhouse-Chronographenkaliber WERK 01.100 mit 48 Stunden Gangreserve, das mit den „Custom-built Timepieces“ erstmals in Serie geht.

„Das Prinzip der Null-Fehler-Toleranz ist eine notwendige Voraussetzung, um ein derartiges Uhrenkonzept umsetzen zu können. Eine Fertigung auf Vorrat ist bei sehr individualisierten Zeitmessern mit großer Varianz wie unseren Porsche Design Custom-built Timepieces nicht möglich. Damit stellt die Adaption des Prinzips, das im Sportwagenbau etabliert ist, eine ganz neue Qualitätsanforderung an unsere Zulieferer und Uhrmacher dar“, so Rolf Bergmann.

1,5 Millionen Varianten

Über 1,5 Millionen Gestaltungsoptionen bietet der neue Uhren-Konfigurator von Porsche Design. Und damit einen Ansatz, den derzeit wohl weder ein anderer Automobilhersteller noch eine andere Uhrenmarke bietet.

Der erste Schritt im dreidimensionalen Internet Timepieces Konfigurator ITC beinhaltet die Auswahl des Gehäuses. Hierbei hat der Kunde die Wahl zwischen einem glasperlengestrahlten oder PVD-Titancarbid-beschichteten schwarzen Gehäuse aus Titan. „Titan und schwarz beschichtete Titangehäuse begründen den Ruhm der Porsche Design Uhren. Diese Vorgaben stammen vom Schöpfer des Porsche 911, Professor Ferdinand Alexander Porsche. Daran werden wir niemals rütteln“, so Bergmann.

Das COSC-zertifizierte Inhouse-Uhrwerk 01.100 ist zwar für alle Modelle gleich, aber der Aufzugsrotor ist individualisierbar und kann im Look der verschiedenen Felgen des Porsche 911 gestaltet werden. Verwendet wird die original Farbpalette des Automobilherstellers.

Bei den Armbändern sind bis zu 300 verschiedene Konfigurationen möglich. Zur Wahl stehen Titan mit zwei Schließenoptionen sowie Lederbänder in 14 Porsche-Farben. Letztere sind mit Butterflyschließe ausgestattet, für die Ziernähte kann aus 19 Porsche-Farben gewählt werden. Pro Bestellvorgang können zwei Zusatzarmbänder gestaltet und geordert werden.

Auch die Zifferblätter und Lünetten werden nach Wunsch gefertigt, hier muss sich der Kunde zwischen 27 verschiedene Farben entscheiden, die an die Exterieur- und Interieurfarben des 911 angelehnt sind. Die Lünette kann zudem wahlweise mit klassischer Minuterie oder Tachymeter-Skala gestaltet werden. Zur Wahl stehen außerdem klassische Essence-Zeiger in Schwarz glänzend und mattweiße Performance-Zeiger mit roter Spitze.

Den Abschluss bildet die individuelle Lasergravur auf dem Gehäuseboden und auf der im Lieferumfang enthaltene Schmuck-Aufbewahrungsbox. Zusätzlich kann auf Wunsch der Schriftzug eines bestimmten Porsche-Modells für die Plakette der Box ausgewählt werden.

1,5 Millionen Varianten – das klingt im ersten Moment nach einer sehr aufwändigen und langwierigen Konfiguration. Dem ist aber nicht so. Die Menüführung ist nahezu selbsterklärend und zu jedem Bauteil gibt es kleine Info-Kästen für diejenigen, die eher mit Fahrzeugtechnik denn mit Uhrentechnik vertraut sind. Ist die Uhr kreiert, bekommt der Kunde einen Code und kann damit seine Uhr zum Beispiel in einem Porsche-Zentrum bestellen.

Der Juwelier als Partner

Ist damit der Juwelier als Vertriebspartner raus? Keineswegs, wie Gerhard J. Novak betont.

„Der klassische Uhrenfachhandel ist nach wie vor unser bevorzugter Kanal. Aber mit dem neuen Konfigurator bieten wir ein Produkt an, das sehr nah am Fahrzeug ist. Die entsprechende Zielgruppe können wir daher sehr gut über die Porsche Zentren ansprechen. Denn dort ist er als potenzieller Kunde ja schon bekannt. Für den Start dieses neuen Konzepts war das daher der erste Schritt. Aber natürlich lebt der Porsche 911er-Kunde nicht nur im Porsche-Zentrum, 95 Prozent tragen auch hochwertige Uhren und gehen demenstprechend zum Juwelier. Das heißt, jemand, der seine konfigurierte Uhr bestellen möchte, kann dies mit seinem persönlichen Code natürlich auch beim Juwelier tun. Unsere Partner im Fachhandel sind über das Programm informiert und erhalten genau wie das Porsche Zentrum ihre Marge und außerdem die sogenannte Beraterbox mit einer kompletten Uhr und einer kleinen Auswahl an Grundelementen, damit der Interessent dies haptisch erleben kann. Der Fachhandel ist nicht ausgeschlossen, ganz im Gegenteil, er ist und bleibt Kern unserer Vertriebsstrategie. Aber diese sehr spezielle Zielgruppenansprache kann der Juwelier gerade zu Beginn gar nicht leisten, das müssen wir als Hersteller übernehmen.“

 

Tags : BergmannCustom-builtKonfiguratorNovakporsche
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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