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Der Markt für gebrauchte Luxusuhren hat einen Wert von 15,75 Milliarden € – und wächst schnell

BCG1

Die renommierte Boston Consulting Group (BCG) sagt, dass der weltweite Markt für materielle Luxusprodukte – der zu einem Großteil aus Uhren und Schmuck­ besteht – heute einen Wert von 21 Milliarden € hat und mit acht Prozent pro Jahr schneller wächst als der Primärmarkt für dieselben Waren.

Uhren machen schätzungsweise 75 Prozent des Gesamtwerts aus, was einem Wert von 15,75 Milliarden € pro Jahr entspricht.

BCG verwendete eine Kombination aus Verbraucherumfragen, Marktforschung und Interviews mit leitenden Luxusmanagern, um seine Studie zu erstellen. Dies besagt unter anderem auch, dass Gebrauchtverkäufe den Kauf neuer Produkte nicht verringern.

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„Tatsächlich kann der richtige Ansatz den Verkauf neuer Waren ergänzen, den Wert der Marke stärken und Unternehmen den Zugang zu einer kritischen Gruppe zukünftiger Konsumenten ermöglichen, die Luxusmarken und Einzelhändler pflegen sollten“, heißt es in der Studie „The Secondhand Opportunity in Hard Luxury“.

Traditionelle Auktionshäuser machen zehn Prozent des Umsatzes mit Schmuck und Uhren im Pre-owned-Bereich aus. Andere Offline-Unternehmen erwirtschaften mehr als die Hälfte des Umsatzes (55 %), während der Online-Umsatz überraschenderweise nur etwas mehr als ein Drittel (35 %) ausmacht.

Europa ist mit einem Marktanteil von 50 Prozent der mit Abstand größte Markt für gebrauchten Luxus. Die Vereinigten Staaten schlagen lediglich mit zehn Prozent zu Buche.

„Luxusverkäufe aus zweiter Hand nehmen aus vielen Gründen zu, unter anderem aufgrund eines Anstiegs der Online-Verkäufe, sich ändernder Verbraucherpräferenzen und zunehmender Besorgnis über die Nachhaltigkeit von Luxusgütern, insbesondere bei jüngeren Verbrauchern. Diese Trends waren bereits vor dem Ausbruch der Covid-19 weit fortgeschritten, aber die Pandemie – und die damit verbundene wirtschaftliche Abkühlung – haben sie beschleunigt“, berichtet BCG.

„Unsere Interviews zeigen insbesondere, dass die durch die Krise verursachte finanzielle Unsicherheit mehr Käufer in allen Altersgruppen dazu veranlasst, gebrauchten Luxus als vielversprechendes Anlageinstrument zu betrachten. Die Preise sind für gebrauchte Produkte attraktiver (ohne unmittelbaren Wertverlust wie nach dem Kauf neuer Artikel). Darüber hinaus erhöht ein robusterer Gebrauchtmarkt die Liquidität für diese Art von Anlagen“, heißt es in der Studie weiter.

Im Rahmen seiner Untersuchungen ergab eine im Jahr 2020 mit Altagamma durchgeführte BCG-Umfrage, dass 62 Prozent der Luxuskonsumenten angaben, einen gebrauchten Luxusartikel zu kaufen, und 25 Prozent hatten sogar im vergangenen Jahr einen solchen Kauf getätigt. 18 Prozent davon hatten Uhren beziehungsweise Schmuck gekauft.

Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es unzählige Protagonisten, darunter viele Ein-Mann-Unternehmen, die über WhatsApp-Gruppen und andere persönliche Kontakte kaufen und verkaufen

Im stärker industrialisierten Bereich hat BCG den Sektor in Generalisten und Spezialisten unterteilt, die von Marktplätzen wie eBay und Amazon bis zu Spezialisten wie WatchBox, Tourneau und Chronext reichen.

Wenn BCGs Bewertung des Marktes für gebrauchte Luxusuhren in Höhe von 15,75 Milliarden € in diesem Jahr richtig ist und das jährliche Wachstum von acht Prozent pro Jahr anhält, könnte der Sektor bis 2025 einen Wert von über 22 Milliarden € erreichen.

Es ist nicht zu spät für Luxushändler und Marken, in den Pre-owned-Bereich zu expandieren, so BCG. „Marken könnten sich operativen Herausforderungen stellen, wenn sie die Gelegenheit nutzen, aber der Markt für gebrauchte Luxusgüter ist groß, wächst und ist dynamisch – und er ist hier, um in der neuen Luxusrealität zu bleiben.“


Die drei Segmente im Bereich materieller Luxusprodukte

Je nach Knappheit, Wert und Alter lassen sich Produkte in drei Hauptsegmente einteilen:

  • Ungetragene und gebrauchte Produkte: Luxusprodukte, die noch nie getragen wurden (normalerweise aus der letzten Saison), sind für preisbewusste Verbraucher aufgrund der reduzierten Artikel äußerst attraktiv. Ahnlich interessant sind gebrauchte Produkte, die weniger als zehn Jahre alt sind, was sie wertvoll und für viele zugänglich beziehungsweise erschwinglich zugleich macht. Sowohl ungetragene als auch gebrauchte Segmente bieten einer Marke wichtige Möglichkeiten, neue Verbraucher zu gewinnen. Second-Hand-Besitzer können motiviert werden, ihre bestehenden Produkte auszutauschen, wodurch die Nachfrage nach neuen Produkten stimuliert wird.
  • Vintage-Produkte: Diese materiellen Luxusprodukte sind wertvoll und in der Regel zehn bis 30 Jahre alt. Sie sind aufgrund ihrer anhaltenden Aktualität und Qualität sehr gefragt und haben einen erheblichen Einfluss auf den Markenwert.
  • Ikonische Produkte: Diese historischen, hochwertigen Produkte sind mindestens 30 Jahre alt. Sie sind aufgrund ihrer ikonischen Geschichte die begehrtesten Produkte und haben den größten Einfluss auf den Markenwert.

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Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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