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Chronoto: „Wir wollen den Juwelier stärken und auffindbar machen.“

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Ob neu oder gebraucht – luxuriöse Zeitmesser von Rolex, Patek Philippe, Omega, IWC, Breitling und Co. sind heiß begehrt. Die Suche danach beginnt für viele im Internet – und dort kann man sich mittlerweile angesichts des verwirrend großen Angebots trefflich verirren oder nur einen Bruchteil ausfindig machen.

Vor knapp einem Jahr begann die Geschichte von Chronoto. Damals war Alexander Kaiser auf der Suche nach einem bestimmten „Master Chronographen“ von Jaeger-LeCoultre. „Ich bin im Internet aber nicht wirklich fündig geworden und habe zunächst nur sieben Angebote in den USA gefunden.

Bei Google habe ich dann irgendwann irgendwo auf der dritten Seite der Suchergebnisse einen Juwelier entdeckt, bei dem ich die Uhr direkt kaufen konnte. Das fand ich toll“, berichtet der heutige Geschäftsfüher des eigenfinanzierten Startups Chronoto.

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„Ich habe mir aber gedacht, dass das doch auch einfacher gehen müsste, ohne dass man zig Ergebnisseiten auf Google durcharbeiten muss, ohne am Ende zu wissen, welcher Shop überhaupt seriös ist.“

Und so nahm die Idee einer Suchmaschine für Luxusuhren schnell Form an, denn zum Interesse an schönen Uhren kam das Knowhow in den Bereichen Technologie, Marketing und Vertrieb in Sachen Suchmaschinen. Als Gründer und Geschäftsführer der Kölner Digitalagentur pooliestudios betreuen er und sein Team seit Jahren HomeToGo.de, die größte Metasuchmaschine für Ferienunterkünfte der Welt. Diese durchsucht andere Portale nach Ferienhäusern und zeigt dem Suchenden die Ergebnisse zu seiner individuellen Anfrage an.

Bei seiner privaten Suche hatte Kaiser festgestellt, dass es im Uhrenbereich kein wirkliches Pendant dazu gab. Das war der Startschuss für Chronoto.de. „Wie können Sie mit so etwas starten? Sie haben doch eh keine Chance gegen die Großen. Das sagt mir fast jeder Händler, der zum Beispiel auf Chrono24 gelistet ist“, berichtet Kaiser.

Dabei geht es ihm gar nicht darum, mit Anbietern wie Chrono24.com in den Wettstreit zu treten. Mit der Plattform Chronext arbeitet er sogar direkt zusammen. Denn es gibt einen entscheidenden Unterschied zu derlei Online-Marktplätzen.

„Uns zeichnet im Vergleich zu Chrono24, Chronext und ähnlichen Anbietern aus, dass Händler bei uns keine Angebote direkt einstellen können. Stattdessen durchsuchen wir deren Onlineshops und Webseiten. Auch der Kaufprozess findet komplett zwischen Händler und Käufer statt“, betont Alexander Kaiser.

Und selbst wenn chronoto.de ein reines Online-Konzept ist, liegt ihm der stationäre Handel sehr am Herzen.

„Wir wollen den Juwelier stärken und auffindbar machen, egal ob klein oder groß.“

Und das geht so: Chronoto durchsucht je nach Anfrage nach einer bestimmten Uhr die Webseiten und Onlineshops der Händler und stellt die Angebote auf der eigenen Webseite dar.

„Dadurch bekommt der Kunde eine sehr große Bandbreite an vergleichbaren Ergebnissen, und zwar kostenlos. Wir arbeiten auch an einer lokalen Variante für Kunden, die sich zum Beispiel nur aus einem bestimmten Umkreis um ihren Wohnort Angebote anzeigen lassen oder nur bei Händlern kaufen wollen, die auch einen Ladenlokal führen, in dem sie sich die Uhren live ansehen können.“

Dabei werden Angebote von Händlern dargestellt, die aktiv und direkt mit Chronoto zusammenarbeiten, aber auch solche von anderen Shops. „Aktiv mit uns arbeiten derzeit rund 65 Händler zusammen, wir durchsuchen aber das ganze Netz. Der Vorteil für unsere direkten Partner besteht darin, bei den Ergebnissen weiter oben gelistet zu werden.“

Im Schnitt werden 40.000 bis 60.000 Uhrenangebote durchsucht, mit 75 bis 80 Prozent sind die meisten davon Secondhand-Uhren. Als Händler Partner von Chronoto zu werden ist ganz einfach. Man füllt online das entsprechende Formular aus und betreibt einen eigenen Onlineshop. Kann man letztere Voraussetzung nicht erfüllen, stellt Chronoto kostenlos einen solchen zur Verfügung. Chronoto selbst verdient an der Verkaufsprovision.

Diese beträgt drei Prozent von jedem Verkauf, ist aber bei 290 Euro gedeckelt. „Das gilt auch für eine ‚Daytona‘, die für 20.000 Euro den Besitzer wechselt.“ „Wir nehmen natürlich nicht jeden Händler auf, sondern nur solche, die für den Endkunden wirklich relevant und seriös sind. Dabei kommt es nicht auf die Größe an, wir haben auch Partner mit lediglich fünf Uhren im Angebot, aber eben auch sehr große wie Chronext.“

Dem Uhrenliebhaber wird übrigens noch mehr geboten als die umfangreiche Angebotsliste zur Wunschuhr. „Wenn Sie bei uns beispielsweise nach eine ‚Daytona‘ suchen, bekommen Sie viele zusätzliche Informationen und Bilder dazu. Diese muss aber nicht der Händler komplett zur Verfügung stellen.“

Denn Chronoto hat ein eigenes Redaktionsteam, und erstellt auch viele Fotos und Videos selbst. „Zu bestimmten Kategorien wie Marken oder besonders begehrte Uhren gibt es immer auch einen redaktionellen Content, der von uns stammt. Dafür muss der Händler oder Juwelier nichts tun“, erläutert Alexander Kaiser.

Aber einen kleinen Haken hat die Sache dann doch. Denn ganz ohne Verpflichtung sind die Händler nicht dabei. Da ist zum einen die Sache mit dem eigenen Onlineshop, den jeder Händler haben muss, damit seine Angebote bei chronoto.de auftauchen. Das Problem hat Kaiser ganz einfach mit kostenlosen Shop-Versionen gelöst, die natürlich auch Mittel zum Zweck sind – von dem beide Seiten profitieren.

„Wir bieten einen wirklich guten Onlineshop an, bei dem sich der Händler um fast nichts kümmern muss, eigentlich nur darum, dass die Referenznummern der Uhren angegeben werden, die wir dann den Modellen zuordnen. Aktuell haben wir eine Datenbank mit rund 25.000 Referenznummern. Umso mehr Händler einen guten Onlineshop haben, umso mehr Angebote können wir für den Kunden darstellen“, so Kaiser.

Klingt einfach, ist es aber nicht immer:

Alexander Kaiser

„Die technische Seite können wir, da haben wir die Erfahrung aus der Digitalagentur. Allerdings habe ich festgestellt, dass viele Juweliere in punkto Digitalisierung noch nicht so weit sind, wie die Händler in anderen Branchen, zum Beispiel in der Reisebranche. Dort gab es solche Suchmaschinen schon vor 20 Jahren. Und da kann es durchaus mal kompliziert werden, einen Händler davon zu überzeugen, dass es ohne die Angabe der Referenznummer nicht geht. Denn genau diese lesen wir mit unserem Webcrawler aus.“

Und dieser Crawler ist das Herzstück von Chronoto und macht Alexander Kaiser sicher, schon bald die größte Luxusuhren-Suchmaschine Europas zu sein.

„Durch unserer Technologie, insbesondere durch den von uns entwickelten Crawler, können wir schnell und einfach neue Märkte erschließen. Wir ermitteln in einem bestimmten Land die 20 Top-Onlineshops und passen unseren Crawler an – dann können wir sofort loslegen und diesen Markt bei den Suchergebnissen mit einbeziehen. Aktuell berücksichtigen wir noch vorrangig den deutschen Markt, haben aber bereits erste große Shops aus dem europäischen Ausland einbezogen –, und es werden mehr“, gibt sich Kaiser selbstbewusst und optimistisch.

 

Tags : Alexander KaiserchronextChrono24Chronotopre-ownedSecondhandSuchmaschinevintage
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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