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Christ-CEO Dr. Stephan Hungeling: „Corona hat unsere Digital-Strategie bestätigt.“

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Die Juwelierskette Christ ist mehr als die Summe ihrer gut 200 Stores. Neben dem Online-Ausbau setzt das 1863 gegründete Unternehmen auch auf Differenzierung durch die Übernahme des Online-Juweliers Valmano und die Wiederbelebung von Brinckmann & Lange – beides im Jahr 2019.

Das Trio VALMANO, CHRIST, BRINCKMANN & LANGE steht für Fashion, mittelpreisiges Kernsortiment und Premium. Neben dieser klaren Strukturierung steht vor allem auch das Thema Omnichannel ganz oben auf der CHRIST-Strategieliste.

Darüber und warum das Unternehmen gut vorbereitet auf die Corona-Krise war, berichtet Geschäftsführer Dr. Stephan Hungeling im Interview mit WatchPro.

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WatchPro: Wie sehr hat Corona die Pläne von CHRIST beeinflusst?

Dr. Stephan Hungeling: Ich glaube, wir sind in vielen Teilen der Gesellschaft vom Jahr 2020 ins Jahr 2025 katapultiert worden. Viele Entwicklungen, die wir jetzt sehen, wären so oder so gekommen, aber eben später.

CHRIST betrifft diese Beschleunigung in verschiedenen Bereichen, denn unsere Strategie fußt auf mehreren Säulen. Das sind im wesentlichen Digitalisierung, Vertikalisierung, Differenzierung und operative Exzellenz. Beispielsweise in punkto Digitalisierung hatten wir uns schon vor Corona sehr stark weiterentwickelt und waren in den entsprechenden Kanälen relativ gut aufgestellt. Das gilt für unsere eigenen Onlineshops genauso wie für die verschiedenen Online-Marktplätze.

Durch Corona und den Lockdown haben wir hier einen gewaltigen Boost verspürt. Wir werden in diesem Jahr erstmals netto mehr als 100 Millionen Euro online umsetzen. Insofern ist unsere vor der Corona-Zeit begonnene Digital-Strategie in den letzten Monaten bestätigt worden. Wenn wir das nicht gehabt hätten, dann wäre diese Zeit auch für uns deutlich schwieriger gewesen.

WatchPro: Sie sind also zufrieden mit dem Jahr 2020?

Dr. Stephan Hungeling: Finanziell gesehen ist das Jahr 2020 natürlich trotzdem für die Katz. Wir haben zwar während des Lockdowns online gute, und nach dem Lockdown online wie stationär sehr gute Umsätze gemacht. Aber die sechswöchige Schließung der Geschäfte kann man nicht wieder aufholen. Dennoch sind wir auch in diesem Jahr profitabel, aber natürlich nicht in dem Umfang wie geplant.

WatchPro: Das heißt, das, was Sie vor Corona strategisch auf den Weg gebracht hatten, war früh genug und genau das Richtige, um so etwas wie Corona begegnen zu können. Und das Unternehmen war offenbar gesund, anders als zum Beispiel Galeria Karstadt Kaufhof.

Dr. Stephan Hungeling: Es sind genau diese beiden von Ihnen genannten Punkte: Um durch diese Krise durchzukommen, benötigt man zum einen finanzielle Stabilität. Die ersten Unternehmen, die nach dem Lockdown die Hände gehoben haben, haben eigentlich keinen überrascht. Jeder hat sich gedacht, wenn es nicht jetzt passiert wäre, dann vielleicht nächstes Jahr. Denn diese Unternehmen waren finanziell schon angeknackst.

Punkt zwei ist, dass dies häufig Unternehmen mit einer nicht so stark ausgeprägten Digital-Kompetenz waren: ob das nun die Warenhäuser sind oder inhabergeführte Einzelunternehmen, die entweder gar nicht wieder aufgemacht haben oder in absehbarer Zeit schließen müssen.

Wir hingegen waren zum Glück schon vor Corona auf wachsende Onlinekäufe vorbreitet, die – wenn auch später – aber auch ohne Corona gekommen wären. Das bedeutet, ganz viel von dem, was wir strategisch eher mit Blick auf das Jahr 2025 ausgearbeitet hatten, hat nun schon 2020 die Bewährungsprobe bestanden. Das gilt genauso für andere Teile unserer Strategie, wie beispielsweise die Differenzierung.

WatchPro: Sie meinen die Differenzierung nach VALMANO, CHRIST und BRINCKMANN & LANGE.

Dr. Stephan Hungeling: Genau, auch hier gibt es überall einen starken digitalen und technologischen Anklang, nicht nur bei CHRIST, sondern natürlich bei VALMANO, aber auch bei BRINCKMANN & LANGE. Denn das führt dazu, dass wir Kundengruppen außerhalb der klassischen Mitte besser ansprechen können, also junge, modeorientierte beziehungsweise stark premiumorientierte Konsumenten.


VALMANO

Was BRINCKMANN & LANGE für die kaufkräftige Kundschaft, ist VALMANO für die fashionaffine Käufergeneration, die eher im unteren bis mittleren Preissegment nach Schmuck und Uhren Ausschau hält, und zwar im Internet. Denn stationär ist der Online-Juwelier, den CHRIST 2019 übernommen hat, nicht vertreten.

Im VALMANO-Shop finden sich neben diversen Fashionbrands auch die CHRIST-Exklusivmarken im Einstiegspreisbereich wie FAVS und QOOQI sowie die VALMANO-Marke Valeria. Sie ist das preiswertere und modischere Äquivalent zur Marke CHRIST.

Stationäre Geschäfte sind bei VALMANO nicht vorgesehen, stattdessen digitales Wachstum und Internationalisierung. Nach Österreich, Frankreich und den Niederlanden ist gerade Belgien als neuer Absatzmarkt hinzugekommen, im November soll Schweden folgen.

„Wir freuen uns über die Verstärkung durch eine junge Retail-Marke, mit der wir unsere digitalen Kanäle weiter ausbauen und eine junge und modeorientierte Zielgruppe ansprechen“, so Dr. Stephan Hungeling


WatchPro: Passt das auch zum durch Corona veränderten Einkaufsverhalten?

Dr. Stephan Hungeling: Ja. Aber Corona hat vielleicht weniger das Einkaufsverhalten der 19-jährigen Pia verändert, als das des 57-jährigen Jürgen, der während der letzten Monate gemerkt hat, dass er die 5.000-Euro-Uhr ja auch online kaufen kann.

WatchPro: Die 19-jährige Pia gehört als Generation Greta beziehungsweise Generation Z aber doch auch zu einer Konsumentengruppe, die dabei ist, erwachsen zu werden und – glaubt man den Studien – ganz anders, bewusster und nachhaltiger einkauft als frühere Generationen. Wie man diese Generation Ihrer Meinung nach am besten für sich gewinnen?

Dr. Stephan Hungeling: Wir sehen natürlich dieses gesamtgesellschaftliche Phänomen des zunehmenden Nachhaltigkeitsbewusstseins. Und persönlich finde ich das auch sehr richtig.

Ich denke allerdings, hier verkauft sich die gesamte Branche eigentlich unter Wert. Denn die moderne Uhren- und Schmuckbranche ist ja per se eine recht nachhaltige Industrie. Mechanische Uhren benötigen keine Batterien, Gold für Goldschmuck kommt zu einem Großteil als recyceltes Material aus den Scheideanstalten. Bei den verwendeten Edelsteinen entwickelt sich das in eine ähnliche Richtung, und auch nahezu 100 Prozent der Perlen kommen aus Zuchtfarmen und nicht mehr aus dem offenen Meer.

Selbst wenn man sich die Quarzuhren ansieht, stellt man fest, dass die Langlebigkeit der Batterien enorm zugenommen hat oder dass sie per Solar angetrieben werden. Auch bei den Armbändern werden die seltenen Lederarten kaum noch verwendet.

Die Uhren- und Schmuckbranche ist sicher nicht die Nachhaltigkeits-Avangarde, da gibt es Industrien, die noch mehr tun. Und wir können und müssen auch noch mehr tun. Aber wenn man uns zum Beispiel mit Fast-Fashion im Textilbereich vergleicht, dann müssen wir uns nicht verstecken. Das erzählen wir als Branche jedoch noch viel zu wenig.

WatchPro: Was können Sie über die Nachhaltigkeit von CHRIST als Unternehmen berichten?

Dr. Stephan Hungeling: Wir bei CHRIST leben den Nachhaltigkeits-Gedanken und verpflichten zum Beispiel unsere Schmuckproduzenten, unseren Code of Conduct zu unterschreiben, bei dem es um das verantwortungsvolle Verhalten gegenüber Geschäftspartnern, der Öffentlichkeit, der Natur, aber auch innerhalb des Unternehmens geht. Diesem gilt in Zukunft noch stärker unser Augenmerk.

Ich denke, dass es beim Thema Nachhaltigkeit irgendwann so sein wird wie bei der Digitalisierung. Alle, die es verschlafen haben, wird es in nicht allzu ferner Zukunft wegspülen. Das wird vom Konsumenten nicht mehr akzeptiert werden.

WatchPro: Stichwort Digitalisierung. Da muss CHRIST sicher nicht befürchten, „weggespült“ zu werden. Vor etwa einem Jahr haben Sie gesagt: „Bei der Digitalisierung sind wir in unserer Branche Avantgarde. Verglichen mit anderen Branchen sind wir nur im oberen Mittelfeld“. Was genau meinen Sie damit?

Dr. Stephan Hungeling: Für mich persönlich spannend ist dabei vor allem auch der technologische Aspekt. Hier bewegen wir uns auf einer sehr weit fortgeschrittenen Basis, mit zwei verschiedenen Stacks, einmal für VALMANO und einmal für CHRIST sowie BRINCKMANN & LANGE. So können wir auf die unterschiedlichen Anforderungen der Geschäftsmodelle besser reagieren.

Die SAP-Technologie Hybris für CHRIST und BRINCKMANN & LANGE ist ein echter Tanker. Den für über 200 Stores mit allen Onmichannel-Services zu beherrschen, ist enorm aufwändig und wichtig zugleich. Daher haben wir dafür neben tollen Dienstleistern auch eigene Entwicklerteams. Denn wir können es uns nicht leisten, dass dieser Tanker einmal Schlagseite bekommt.

Im Gegenzug ist dieses System aber nicht ganz so flexibel wie Magento, das wir für VALMANO verwenden. Damit können wir quasi im Monatstakt neue Länder aufschalten. Denn da hängt nicht die ganze stationäre Shop-Infrastruktur hinten dran. Wir können das mit einem sehr kleinen Team sehr modular realisieren.

Wir beherrschen beide Plattformen für zwei ganz verschiedene Anforderungen – das ist für mich Avantgarde. Es gibt natürlich Unternehmen, die können viel mehr. Wir sind ja im Kern kein Technologieunternehmen wie zum Beispiel Zalando oder der Online-Supermarkt Picnic in den Niederlanden. Die programmieren ihre eigenen Shopsysteme. Das können wir nicht. Aber wir entwickeln Standard-Lösungen weiter und passen sie an unsere Notwendigkeiten an.

WatchPro: Unabhängig von Corona: Lassen sich Kategorien festmachen, die besonders gut online und solche, die besonders gut stationär nachgefragt werden?

Dr. Stephan Hungeling: Da muss man zum einen berücksichtigen, dass es im Premiumbereich noch Marken gibt, die sich über den Weg der selektiven Distribution dem Onlinehandel komplett verschließen.

Wenn ich mir nur den Preis- und Sortimentsbereich ansehe, bei dem die selektive Distribution nicht so vorherrscht wie im Premiumbereich, dann sehe ich keine großen Unterschiede mehr. Was allerdings immer noch gilt: in dem Moment, in dem ein Produkt mit einer internationalen Top-Marke gebranded ist, ist es auch searchable. Eine Tommy-Hilfiger-Uhr kann ich problemlos online suchen.

Je stärker das Branding, umso onlinefähiger ist ein Produkt. Im Schmuck ist dies noch nicht so gegeben, daher forcieren wir die Onlinefähigkeit unserer eigenen Produkte, indem wir für unser Schmucksortiment Markennamen entwickeln. Sei es JETTE oder Guido Maria Kretschmer oder QOOQI und FAVS. Diese Kollektionen sind auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten und über das Branding auch online auffindbar.

Solange eine selektive Distribution den Onlineverkauf nicht einschränkt, gibt es eigentlich keine Kategorie, die sich besser oder schlechter online verkauft.

WatchPro: Bedeutet diese starke Omnichannel-Orientierung eigentlich, dass Sie über eine zukünftige Reduzierung des Filialnetzes nachdenken?

Dr. Stephan Hungeling: Über unser Filialnetz denken wir immer nach. Wir haben ja in den letzten drei Jahren, seitdem ich bei CHRIST bin, das Filialnetz bereits von 228 auf 212 verringert. Damit sind wir jetzt auf einem guten Niveau für den deutschsprachigen Raum.

Es werden natürlich immer mal wieder Filialen dazu kommen oder geschlossen werden. Wir werden zum Beispiel im November eine Filiale am Ku‘damm eröffnen, dafür geben wir dann im Dezember die Fläche im KaDeWe ab und so weiter. Das ist die normale Fluktuation im Filialnetz. Aber die grundsätzliche Größenordnung werden wir bei gut 200 beibehalten.

Uns gibt es ja schon ein paar Jahre, und da gab es die ein oder andere organische, historische Entwicklung, die man auch ohne den zunehmenden E-Commerce hätte korrigieren müssen. Mein Lieblingsbeispiel, dass wir mittlerweile korrigiert haben, ist Chemnitz. Dort hatten wir drei Stores. Chemnitz ist zweifellos eine schöne Stadt, aber nicht groß genug für drei CHRIST-Filialen. Wir hatten auch zwei Stores im Centro in Oberhausen. Das ist ein tolles, großes Center, aber zwei Stores von uns sind einfach nicht sinnvoll. Das sind Korrekturen, die auch ohne Multichannel-Ansatz stattgefunden hätten.

WatchPro: Das heißt, der wachsende Online-Anteil kommt umsatztechnisch oben drauf?

Dr. Stephan Hungeling: Es wird insgesamt mehr. Online trägt jedoch relativ gesehen mehr zum CHRIST-Wachstum bei als stationär. Das ist auch ein Abbild der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Aber auch hier wird es im deutschsprachigen Raum irgendwann eine gewisse Sättigung geben. Wann, das kann niemand sagen und auch nicht, ob das Verhältnis online und stationär bei 50/50 liegen wird.

Es gibt sicher Branchen, in denen der Anteil der Onlinekäufe irgendwann deutlich über den stationären Käufen liegen wird. Ein Grund dafür ist das sogenannte Replenishment. Das heißt, Branchen mit einem hohen Replenishment-Anteil, also mit Produkten, die regelmäßig nachgekauft werden, sind üblicherweise auch Branchen mit einem hohen Online-Anteil. Parfüm ist so ein Beispiel. Da haben die meisten zwei oder drei Lieblingsdüfte, und wenn der Flakon leer ist, wird einfach online nachbestellt. Bei der Uhren- und Schmuckbranche wird das vermutlich nicht so sein.

Ein weiterer Grund ist der für sehr viele Kunden wichtige Service in unserer Branche. Änderungen, Anfertigungen, Reparatur, Batteriewechsel, das lässt sich nur ein Stück weit digitalisieren, aber nicht gänzlich.

Daher lautet meine persönliche Arbeitshypothese: Es wird immer einen substantiellen Anteil an stationären Geschäften in der Schmuckund Uhrenbranche geben. Und das rechtfertigt für uns auch ein Filialnetz mit über 200 Stores im deutschsprachigen Raum.

WatchPro: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Weihnachtsgeschäft?

Dr. Stephan Hungeling: Wir werden profitabel sein, auch zu Weihnachten. In den letzten drei Monaten haben wir unsere Vorjahres-Umsätze übertroffen.

Das liegt zum einen daran, dass wir online so stark wachsen, aber auch stationär haben wir uns schon fast wieder auf Vorjahresniveau stabilisiert. Vor allem in den Mittelzentren, in Städten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern, sind Frequenz und Umsatz schon wieder erstaunlich stabil. Wenn es so weiter läuft, dann werden wir also ein starkes Weihnachtsgeschäft sehen.

Das andere Szenario wäre, dass es wieder einen Lockdown geben wird. Allerdings glaube ich nicht an einen deutschlandweiten Lockdown, sondern wenn, dann eher an lokal begrenzte Einschränkungen. Das würde das stationäre Geschäft natürlich belasten – vielleicht auch so stark, dass dies online nicht aufgefangen werden kann. Dann kann es auch ein sehr schlechtes Weihnachtsgeschäft werden. Irgendwo dazwischen werden wir wohl rauskommen (lacht).

WatchPro: Aber Sie sehen schon, dass der Kunde willig ist und kaufen möchte.

Dr. Stephan Hungeling: Zu Beginn des Lockdowns hatte ich angenommen, dass wir in dieser Zeit logischerweise stationär null und online weniger Umsatz machen werden. Krise, Unsicherheit – die Leute haben alles im Kopf, nur nicht den Kauf einer Uhr oder eines Schmuckstücks. Aber das ist nicht eingetroffen, die Umsätze haben sich seitdem im Onlinebereich nahezu verdoppelt. Also haben wir uns gefragt, woran das liegen kann.

Durch Befragungen haben wir herausbekommen, dass sich ein Motiv als besonders dominant herauskristallisiert hat: Der Wunsch, sich etwas zu gönnen, wenn aufgrund von Corona sonst gerade nichts stattfindet.

Nehmen wir mal den Familienvater mit Mitte Vierzig, der in einer Branche arbeitet, die nicht unmittelbar von Corona negativ betroffen ist – also zum Beispiel das Handwerk – und sein ganz normales Einkommen hat. Der konnte Ostern nicht zum Skilaufen, ein richtiger Sommerurlaub mit der Familie war auch nicht möglich, regelmäßig Essengehen oder mit dem Ältesten ins Stadion geht man auch nicht mehr, der Sport ist weniger geworden … Bei vielen in einer vergleichbaren Situation kommt dann offenbar der Gedanke auf, dass man sich doch immer schon mal eine Schweizer Uhr oder eine Perlenkette gewünscht hat.

Und in diesem Jahr wird dann für so etwas auch mal der ein oder andere Euro mehr ausgegeben. Ob das nun 50 oder 5.000 Euro sind, der Wunsch, sich in diesen Zeiten einfach mal etwas zu gönnen, ist vorhanden und ich kann das persönlich auch sehr gut nachvollziehen. Dieser Wunsch wird in der Weihnachtszeit nicht nachlassen, eher im Gegenteil.


BRINCKMANN & LANGE

Als Abrundung nach oben im Preissgement zwischen 5.000 und 15.000 Euro dient im CHRIST-Universum BRINCKMANN & LANGE, die Retailbrand wird seit gut einem Jahr sukzessive ausgebaut.

Bislang gibt es sechs PoS in Deutschland. Fünf davon sind umgebaute ehemalige CHRIST-Stores, Nummer sechs wurde gerade in Leipzig eröffnet und verkörpert das eigentliche Brinckmann-&-Lange-Store-Konzept.

„Das bedeutet, dass hier nicht Markenmöbel neben Markenmöbel stehen, sondern alle Marken in der Brinckmann-&-LangeWelt präsentiert werden. Das Ambiente unterscheidet sich deutlich vom klassischen Juwelier. Alles ist offen und sehr einladend gestaltet. Wir wollen keine Hemmschwelle durch einen Doorman oder eine Klingel aufbauen. Zu BRINCKMANN & LANGE soll sich im Zweifel jeder einfach mal reinverlaufen, nach dem Motto: die Uhr von xy oder einen Diamantring wollte ich mir immer schon mal anschauen, und das kann ich hier ganz unverbindlich tun. Alles ist sehr nahbar, als ob man in ein modernes Zuhause kommt, das zum Plaudern und Verweilen einlädt“, erläutert Dr. Stephan Hungeling.

Angesprochen werden sollen Menschen, „die einen eher unprätentiösen Luxus suchen. Und wir sehen an den Zahlen, dass es hier eine bedeutende Klientel gibt, die wir besser abholen als manch anderer“.

Bezüglich des Sortiments sieht Hungeling BRINCKMANN & LANGE bestens aufgestellt. „Wir haben mehrere Rolex-Türen, mehrere Cartier-Türen, mehrere Omega-Türen, IWC, Panerai, Breitling, Tag Heuer, Zenith und so weiter. Wenn wir also über Sortimente reden, die nicht erst im fünfstelligen Bereich beginnen, dann sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben nicht alle Marken überall, aber sie sind alle da. Und mal abgesehen von den Uhren der Hans-Wilsdorf-Stiftung führen wir die Marken mehrheitlich, und hoffentlich bald auch alle, online. Die Möglichkeit des Onlineverkaufs ist für uns ein wichtiges Kriterium. Denn wir sagen nicht, dass wir erstmal gucken, ob sich das Internet durchsetzt (lacht). Wir glauben, dass eine fehlende digitale Darstellung das Ende bedeutet.“

Mit BRINCKMANN & LANGE will Stephan Hungeling ein zeitgemäßes Multichannel-Angebot für moderne Premiumkunden bieten, das seiner Meinung nach in der Branche noch fehlt. Und das ist vergleichbar mit dem digitalen CHRIST-Angebot.

„Bei CHRIST bieten wir die Gesamtheit an Multichannel-Services an, und das tun wir auch bei BRINCKMANN & LANGE. Das finden Sie bei keinem anderen Juwelier. Wenn ein Kunde vom Sofa aus per Klick eine Uhr bestellt, dann kann er sie sich nach Hause oder an eine andere Adresse schicken lassen, er kann sie aber auch im Geschäft bei uns abholen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Uhr erst einmal reservieren zu lassen, um sie sich vor Ort anzuschauen. Kauft der Kunde die Uhr, kann er sie direkt mitnehmen oder sich an eine Wunschadresse schicken lassen. Die Kombination all dieser Services kann sich unser Kunde aussuchen. Die Variante, die nicht möglich ist, gibt es bei uns nicht.“

Das führt nicht unbedingt zu mehr Umsatz, meint der CHRIST-Geschäftsführer, „aber wenn du es nicht machst, machst du weniger Umsatz. Wir reden da über ein New Normal, der Kunde erwartet das einfach. Und wir werden das daher noch weiter treiben. Wenn der Kunde wünscht, dass er morgen Abend ein Schmuckstück um 19.45 Uhr zu seinem Lieblingsitaliener geliefert haben möchte, dann wird auch das bald bei uns möglich sein. Denn der Kundenwunsch ist das einzige, was für uns zählt.“

Full-Omnichannel und Rund-Um-Service ist für Dr. Stephan Hungeling Pflicht, Pre-owned nicht, zumindest heute noch nicht. „Wir könnten den Markt sofort bedienen, das wäre leicht, auch in technischer Hinsicht. Aber es gibt Gründe, die uns davon abhalten. So gibt es meines Erachtens heute niemanden im Markt, der ernsthaft Geld mit Pre-owned-Uhren verdient, das ist bei allen defizitär. Vor allem diejenigen, die darauf spezialisiert sind, verbrennen jedes Jahr Millionen. Ja, der Markt ist riesig, und wir gehen daran vorbei, aber wir sind höchst profitabel und das wollen wir auch bleiben. Insofern tun wir uns schwer, auf diesen Zug aufzuspringen. Das hat darüber hinaus damit zu tun, dass es auch im Zweitmarkt eine Verknappung bei den wenigen relevanten Modellen gibt, mit denen man wirklich Geld verdienen kann. Die Nachfrage ist da, aber Sie finden nicht so einfach 100 weitere GMTs. Und für ganz viele der anderen Modelle gibt es keinen fungiblen Zweitmarkt. Es gibt Dinge, die muss man tun, um dem Kunden ein relevantes Leistungsversprechen zu bieten. Und dafür ist meines Erachtens Full-Omnichannel Pflicht, Pre-owned ist zumindest heute noch nicht Pflicht. Werden wir aber bei Zeiten aufnehmen.“

Tags : BrinckmannChriste-commerceEinzelhandelHungelingMultichannelOmnichannelStationärer HandelValmano
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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