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CEO von Audemars Piguet bezeichnet die Marke als unzerstörbar

Bennahmias

In einem am 28. November 2020 auf nzz.ch veröffentlichten Interview mit François-Henry Bennahmias, dem CEO von Audemars Piguet, sagt der gebürtige Franzose über das zurückliegende Pandemie-Jahr, dass die Luxusmarke „dem Sturm besser getrotzt“ habe als viele andere Uhrenfirmen.

Und das, obwohl Bennahmias nichts an der zuvor eingeschlagenen Strategie geändert hatte. „Am 21. Januar habe ich an einem Firmenseminar in Lausanne meinen Mitarbeitern gesagt, dass wir auf bestem Weg seien, AP zu einer unzerstörbaren Marke zu machen und dass wir selbst im Fall einer Krise gut gewappnet sein sollten. Fünf Wochen später kam der große Knall: Wir hatten in der Firma den ersten Covid-19-Fall. Die Tatsache, dass wir seither nichts an unserer Strategie ändern mussten – weder an der Distribution noch an der geografischen Ausrichtung oder der Preisgestaltung –, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Auch die zweimonatige Produktionsunterbrechung und der Lockdown im Frühjahr haben das Unternehmen offenbar gut überstanden. Laut des AP-CEOs hat sich der nach dem Lockdown erwartete Umsatzeinbruch von 25 Prozent auf „mittlerweile auf unter zehn Prozent verringert. Der Oktober war umsatzmäßig der beste Monat, den wir je hatten, der November der drittbeste.“

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Selbst der zweite Lockdown in vielen Ländern ab November und die ausbleibenden Touristen konnten bislang der Marke nichts anhaben. Da ein Drittel der AP-Uhren in Europa verkauft werden, hatte man zwar überlegt, die Hälfte des Europa-Kontingents nach Asien oder in die USA zu verschieben, da dort die Geschäfte geöffnet sind.

„Aber unsere Zweigstellen opponierten. Sie sagten, dass Kunden telefonisch bei ihnen bestellten und dass sie liefern könnten, selbst wenn die Läden geschlossen seien. Auch in unseren Genfer Boutiquen wurde trotz der Schließung weitergearbeitet“, so Bennahmias gegenüber der nzz.ch. Zudem habe sich das Verkaufspersonal rasch auf die lokale Kundschaft fokussiert.

Allerdings habe man damit bereits vor zwei Jahren begonnen. Denn anders als viele andere Marken habe AP sich selbst hinterfragt. Dabei sei man zu dem Schluss gekommen:

„Wenn man die lokale Kundschaft vernachlässigt, weil Touristen die Uhren sowieso kaufen, dann folgt irgendwann ein böses Erwachen. Wir haben vor zwei Jahren damit begonnen, Druck auf unsere Zweigstellen zu machen, damit sie sich vermehrt der lokalen Kundschaft zuwenden. Mittlerweile beläuft sich der Anteil lokaler Kunden beispielsweise in Deutschland auf 85 Prozent. In der Schweiz lag er vor zwei Jahren noch bei 25 Prozent, heute sind gut 64 Prozent einheimische Kunden. Wir wollen diesen Anteil noch weiter steigern.“

In China, so der CEO, verkaufe man hingegen gerade einmal fünf Prozent der jährlichen Uhrenproduktion. Obwohl das Geschäft dort wieder und mehr denn je boomt, wie viele andere Uhrenmarken betonen.

Dabei darf man eines nicht vergessen, so Bennahmias: „Wenn man Uhren in China verkauft, fallen Importzölle, Abgaben für Luxusgüter und Mehrwertsteuern an. Je mehr Geschäfte man in China macht, umso geringer sind die Margen.“

In Zukunft wird AP aber sehr wohl die Strategie ändern, und das betrifft auch den Vertrieb. Dafür sollen über 100 neue Mitarbeiter eingestellt werden, die in den Boutiquen der Marke eingesetzt werden sollen, verriet er der nzz.ch.

„Dabei geht es nicht darum, neue Verkaufsstellen zu eröffnen. Aber wir wollen die jetzigen AP-Boutiquen, die vielfach von lokalen Juwelieren im Franchising-System geführt werden, vermehrt in Joint Ventures umwandeln und das Personal selber anstellen.“

Wie dies einhergeht mit seiner Äußerung in einem Interview mit Brian Govberg, Direktor von WatchBox im August letzten Jahres, dass es für den Kauf einer Uhr nicht mehr erforderlich sein wird, in ein traditionelles, physisches Geschäft zu gehen, erklärte der AP-CEO nicht. „Wir nennen diese Entwicklung die Entmaterialisierung des Einzelhandels. Ich brauche keine vier Wände, um Ihnen morgen eine Uhr zu verkaufen“, sagte er damals.

 

 

Tags : audemars piguetBennahmiasCoronaLockdown
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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