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CEO Julien Tornare ist bereit, mit Zenith in eine neue Liga aufzusteigen

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Seit 2017 steht Julien Tornare an der Spitze der Schweizer Uhrenmanufaktur und hat sie neu aufgestellt. Sein Konzept fusst auf einer modernen Interpretation historischer Referenzen, mit der „Defy“ und der „Chronomaster“ im Zentrum. Im Interview von Rob Corder von WatchPro UK spricht er über die zurückliegende Pandemiezeit und sein Ziel, Zenith nach der Krise noch mehr Aufwind zu verleihen.

WatchPro: Wie war es am Anfang der Pandemie bei Zenith und LVMH?

Julien Tornare: „Anfang März letzten Jahres ging ich zu meiner letzten Veranstaltung in Übersee nach New York, um die ‚Land Rover Limited Edition‘ auf den Markt zu bringen. Auf dem Rückweg machte ich in London für ein privates Treffen einen Zwischenstopp und kam am Wochenende in die Schweiz zurück. Als ich zurückkam, hatte sich die Stimmung in Genf total verändert. Wir sind von einer relativ normalen zu einer sehr besorgniserregenden Situation übergegangen, in der wir sehr schnell reagieren mussten, um die Produktion einzustellen.

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Am Sonntagabend in Genf bekam ich Husten und konnte nicht gut atmen. Ich hatte auch Fieber und ging auf ärztlichen Rat ins Krankenhaus. Sie testeten mich und baten mich, im Krankenhaus zu bleiben, also musste ich das telefon nutzen, um die Manufaktur von meinem Krankenhausbett aus zu schließen. Das Herunterfahren dauerte sechs Wochen.

Von einem Tag auf den anderen mussten wir organisieren, von zu Hause zu arbeiten und wie wir unsere Abläufe digitalisieren könnten. Das sollte unsere neue Normalität sein. Ich muss sagen, dass mein Team unglaublich gut darin war, sich an diese neuen Umstände anzupassen.

So fing es an. Und als der April kam, wurde es noch schlimmer. Alles war geschlossen. Asien begann sich zwar zu erholen, aber Europa und die USA waren eine Katastrophe. In diesem Monat ging die Branche um rund 80 Prozent zurück.

Das war der Tiefpunkt, aber wir erholten uns ab Mitte Mai langsam. Wir hatten einen ziemlich guten Sommer und Herbst, und das war es dann mit 2020. Uns erging es wie den meisten Marken mit Rückgängen zwischen 25 und 35 Prozent. Aber um ehrlich zu sein, hatten wir befürchtet, dass es viel schlimmer kommen würde.

WatchPro: Sie haben einen Teil dieser Geschichte nicht ganz zu Ende erzählt. Wurde bei Ihnen im Krankenhaus Covid diagnostiziert?

Julien Tornare: Nein. Ich war negativ, aber ich fühlte mich nicht gut und wegen meines Hustens und Fiebers waren alle nervös und machten sich Sorgen um meinen Zustand. Ich blieb aber nur eine Nacht im Krankenhaus. Zum Glück waren es nur einige Allergien, an denen ich im Frühjahr leide.

WatchPro: Wie schnell konnten Sie reagieren und Ihre Strategie für das Jahr ändern?

Julien Tornare: Am ersten Tag habe ich mein Exekutivkomitee um täglichen Kontakt gebeten. Und so hatten wir jeden Morgen um neun Uhr ein virtuelles Treffen. Einige fragten, ob wir denn jeden Tag etwas Neues zu sagen hätten, aber ich meinte, dass dies egal sei. Selbst wenn wir nur eine Tasse Kaffee gemeinsam trinken würden, sollten wir uns unterhalten, um die normale soziale Interaktion am Arbeitsplatz nicht zu verlieren.

Als nächstes mussten wir sicherzustellen, dass das Team seine Arbeit fortsetzen konnte. Die Digitalisierung von Vertrieb und Marketing war von entscheidender Bedeutung, und wir haben unseren E-Commerce-Plan, der für einen Zeitraum von 18 Monaten angelegt war, sofort beschleunigt und innerhalb von sechs Wochen für Europa und Amerika umgesetzt. Beim Marketing haben wir von physischen Ereignissen zu Videopräsentationen und Zoom-Meetings gewechselt.

Es gab jedoch nicht viel, was wir tun konnten, um die Fertigung zu digitalisieren. Nach vier oder fünf Wochen schickten wir das Produktionsteam zurück: die Uhrmacher, die Uhrmachermeister, die Polierer. Ohne diese Leute können wir keine Uhren produzieren.

Wir haben Glück bei Zenith, weil wir mehrere Gebäude haben. Das bedeutete, dass wir die Mitarbeiter verteilen können, damit es einen sicheren Abstand zwischen ihnen gibt. So konnten wir die Produktionstätigkeit ziemlich schnell wieder aufnehmen. Alle Verwaltungsmitarbeiter hingegen blieben bis Anfang Juni zu Hause.

„Ich hatte meine eigenen Höhen und Tiefen und Bedenken, wann alles vorbei sein würde, aber ich wollte das meinen Mitarbeitern nicht zeigen.”

WatchPro: Was haben Sie damals von Ihren Handelspartnern gehört?

Julien Tornare: Die meisten von ihnen befanden sich in einer ähnlichen Situation wie wir, und sie wussten es zu schätzten, dass wir bei Zenith sehr aktiv geblieben sind. Einige Unternehmen waren zu dieser Zeit sehr passiv, aber wir haben uns gesagt, dass wir unsere Energie und Aktivität online verdoppeln müssen.

Wir haben viele Videos erstellt, die wir an Einzelhändler gesendet haben. Ich rief sie so oft ich konnte an. Wir organisierten Online-Schulungspräsentationen mit unseren Einzelhändlern, gefolgt von einem Drink, was sehr schön war und allen half, eine positive Einstellung zu bewahren.

Es gab viele Leute bei Zenith, die skeptisch waren, von zu Hause aus zu arbeiten, aber es klappte besser als die meisten erwartet hatten. Zu Hause waren die Leute manchmal produktiver, was eine interessante Erfahrung war.

Wir haben unsere Einzelhändler so gut wie möglich unterstützt. In guten Zeiten sehen Sie nicht wirklich, wer Ihre wahren Partner und Freunde sind. Sie finden das in schwierigen Zeiten heraus, und darauf haben wir uns konzentriert. Wir haben alles getan, um den Einzelhändlern zu helfen.

Wenn sie Uhren zurückgeben oder ein neues Modell kaufen wollten, haben wir Wege gefunden, dies zu tun. Wir mussten sehr kooperativ sein und Schritt für Schritt sahen wir, dass das Geschäft aufgrund der Arbeit, die wir und unsere Einzelhändler geleistet haben, auf ein gutes Niveau zurückkehrte.

WatchPro: Konnten Sie schneller und flexibler sein als die Giganten der Branche?

Julien Tornare: Auf jeden Fall. Es ist eine kleine Welt und wir haben keine so große Verbreitung, sodass wir mit unseren Partnern in Kontakt bleiben und uns gemeinsam durch die Situation arbeiten konnten.

Gestern war ich in unserer Manufaktur und sie sagten mir, dass sie die Tatsache sehr schätzten, dass wir dort auf Vorstandsebene präsent waren, auch wenn der Rest der Verwaltungsteams in diesen frühen Wochen von zu Hause aus arbeiten musste.

Manchmal fühlten sie sich verloren und isoliert. Dies gilt auch für Einzelhändler. Sie müssen ständig in Kontakt sein. Das ist extrem wichtig.

WatchPro: Fast jede Uhrenmarke hat im letzten Jahr Umsatz verloren, aber das ist nicht gleichbedeutend mit einem Marktanteilsverlust. Glauben Sie, dass Ihre Aktionen dazu geführt haben, dass Zenith während der Pandemie Marktanteile gewonnen hat?

Julien Tornare: Ja, ich denke, wir haben Marktanteile gewonnen, weil wir dynamischer waren. Wir wurden dazu gedrängt, in ein paar Wochen Dinge zu tun, die sonst wahrscheinlich Monate gedauert hätten. Wenn Sie als Marke sehr stark sind, neigen Sie unter solchen Umständen dazu, sich ein wenig auf ihrer Größe auszuruhen und zu warten, bis alles vorbei ist.

So sind wir nicht. Wir haben 200 Prozent der geplanten Aktivitäten durchgeführt. Die Denkweise des Zenith-Teams war unglaublich. Ich war sehr beeindruckt. Ich hatte meine eigenen Höhen und Tiefen und Bedenken, wann alles vorbei sein würde, aber ich wollte das meinen Mitarbeitern nicht zeigen. Sie waren so belastbar und stark.

„Ja, ich denke, wir haben Marktanteile gewonnen, weil wir dynamischer waren.”

WatchPro: Ich kann dasselbe über mein Team sagen. Sie lernen viel darüber, wer in einer solchen Zeit stark bleibt und sich mehr denn je engagiert.

Julien Tornare: Ja, man lernt viel über Menschen, und es hat mir geholfen, bestimmte Menschen anders zu sehen. Einige waren immer stark und blieben stark. Andere waren etwas verloren und frustriert. Es war ein großer Teil meiner Arbeit, sicherzustellen, dass wir alle zusammen waren und den Plan, an dem wir in den letzten drei Jahren gearbeitet haben, weiter umsetzen.

Ich war auch frustriert, weil 2020 das Jahr sein sollte, in dem Zenith einen Gang hochschalten sollte. Wir haben die Markenplattform überarbeitet, das neue Store-Konzept erstellt und waren bereit, mit großartigen neuen Produkten wie der „Chronomaster Sport“ und einer weiteren „Defy“, deren Einführung wir verschieben mussten. Aber es war richtig, damit bis 2021 zu warten, weil 2020 einfach zu chaotisch war.

WatchPro: Sie hatten ein wenig Glück, weil Sie im Januar 2020 die LVMH Watch Week in Dubai hatten, sodass Sie Einzelhändlern und der Presse vor dem Ausbruch der Pandemie viele Ihrer wichtigsten Produkteinführungen zeigen konnten.

Julien Tornare: Das war sehr gut und ich danke meinem Freund Jean-Christophe Babin von Bulgari für die Einladung zur Teilnahme an Dubai, da dies die einzige echte Uhrenshow im Jahr 2020 war. Ich persönlich habe dort fast ein Drittel unseres Jahresumsatzes erzielt, und wir haben ein großartiges Produkt auf den Markt gebracht.

Einige Wochen später war die gesamte Branche betroffen und es gab keine Shows mehr. Dieses Jahr haben wir die LVMH Watch Week abgehalten, aber sie musste digital sein.

Julien Tornare mit CEOs von Bulgari, TAG Heuer and Hublot auf der LVMH Watch Week 2020 in Dubai.

WatchPro: Wie stehen Sie zu all diesen Online-Präsentationen und -Events?

Julien Tornare: Es ist notwendig und wichtig, am Anfang eines Jahres Ankündigungen zu machen. Das gibt uns mehr Zeit, um den Uhrenbestand für Einzelhändler im Jahr zwei- oder dreimal zu drehen. Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich sie nicht persönlich treffen konnte. Es wäre viel besser gewesen, wenn ich ihnen die Uhren hätte zeigen und sie sie an ihrem Handgelenk hätten ausprobieren könnten. Aber es ist besser als nichts.

WatchPro: In der ersten Jahreshälfte 2021 ist noch alles virtuell, und wir haben so bereits einige großartige Neuheiten gesehen. Aber halten manche Marken möglicherweise einiges für die zweite Jahreshälfte zurück, wenn wir möglicherweise wieder physische Veranstaltungenhaben?

Julien Tornare: Ich hoffe nicht. Ich versuche, zwei bis drei Jahre im Voraus zu arbeiten, damit ich genau weiß, was ich 2022 auf den Markt biringen werde und auch schon einiges von dem kenne, was 2023 kommt. Ziel ist es, zusätzlich zu allem, was wir bereits geplant hatten, das nachzuholen, was wir 2020 verpasst haben.

Es geht dabei auch um unsere Produktionskapazität. Denn durch die Verlagerung der Einführungen von 2020 in das Jahr 2021 ist ein Problem mit der Produktion entstanden. Das bedeutet, dass ich bei anderen Produkten, die wir möglicherweise in diesem Jahr auf den Markt gebracht haben, zurückhaltender sein muss.

Mein derzeitiges Hauptziel (im März) ist es, die Herstellung nicht für einen einzigen Tag zu schließen. Das ist der Vorteil, den wir dieses Jahr gegenüber dem letzten Jahr haben. Wir wissen, wie man die Manufaktur sicher offen hält, und wir haben zunehmende Impfungen. Das gibt uns Hoffnung, dass wir das Ende der Krise erreichen. Dieses Jahr wird sicher besser als 2020.

WatchPro: Können Sie uns sagen, wie viel Ihrer Produktionskapazität Sie letztes Jahr verloren haben, und ob Sie dieses Jahr zu 100 Ihre Kapazitäten nutzen werden, vorausgesetzt, Sie sind nicht gezwungen, zu schließen?

Julien Tornare: Ja, wir werden zu 100 Prozent unsere Kapazitäten nutzen. Und es geht hauptsächlich um die „Chronomaster“-Linie. Dies ist eine großartige Produktlinie und eine zweite wichtige Säule neben der „Defy“. Natürlich war „Defy“ 2017 ein großer Erfolg, als ich das Amt des CEO übernahm und Jean-Claude Biver mir bei der Einführung half.

Ich wusste aber immer, dass „Chonomaster“ eine weitere wichtige Säule für uns werden muss. Aber ich habe mir ausreichend Zeit genommen, um es richtig zu machen. „Defy“ gab mir diese Zeit, weil wir gute Geschäfte damit gemacht haben.

„Chronomaster“ war in der Vergangenheit ein wenig unscharf geworden, wegen zu vieler Referenzen, zu vieler Formen, Kronen, Lünetten – sie hatte ihre klare Identität verloren.

Jetzt habe ich eine sehr klare Vision und Strategie für „Chronomaster“ mit drei Säulen. Die erste sind die „Revival“-Uhren, die Kultuhren aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Die zweite Kategorie ist die „Chronomaster Sport“, die wir gerade auf den Markt gebracht haben. Sie steht eher für einen zeitgemäßen Stil in etwas größerer Größe mit einer Keramiklünette. Die dritte Säule bei „Chronomaster“ wird eine klassischere, schlankere und elegantere Interpretation sein. Es wird eine sehr lässige, leicht zu tragende Uhr sein.

Mit diesen drei Säulen ist die „Chronomaster“ perfekt aufgestellt und positioniert, sodass wir jetzt mit „Defy“ und „Chronomaster“ als den beiden strategischen Linien arbeiten können. „Pilot“ und „Elite“ sind eher Nischen-Linien.

Es kommt jetzt alles zusammen, wie ich es mir vorgestellt habe, und deshalb sage ich: Wir sind bereit sind, in eine neue Liga aufzusteigen. Marketing, Handelsmarketing, Menschen und Produkt, wir sind wirklich überall dort, wo wir sein wollen. Die Krise hat alles ein wenig verzögert, aber ich freue mich über die geschaffenen Grundlagen. Wir sehen 2021 als ein Erholungsjahr und in den Jahren 2022/23 werden wir schnell aufsteigen.

Wir sind bereit sind, in eine neue Liga aufzusteigen.”

WatchPro: Ich freue mich darauf, den „Chronomaster Sport“ wirklich zu sehen und anfassen zu können.

Julien Tornare: Ja, das müssen Sie unbedingt tun. Sie müssen die Uhr berühren und an Ihr Handgelenk anlegen. Es ist auch ein Zehntelsekunden-Chronograph, also aus technischer Sicht unglaublich.

In den ersten 24 Stunden nach dem Online-Start gab es bereits eine fantastische Reaktion in Bezug auf Buzz und Verkäufe durch E-Commerce auf unserer eigenen Website und in unseren Boutiquen. Wir hatten zehn Stück in unserer Boutique in Singapur und sie waren am ersten Tag ausverkauft.

Das gleiche passierte in Malaysia und Indonesien. Das ist ein sehr starker Start, was nicht immer der Fall ist. Wir haben nicht mit jeder Uhr, die wir auf den Markt bringen, einen so starken Vorverkauf.

WatchPro: Sie haben bereits 2020 gesagt, dass Sie ein neues Store-Design sowohl für Boutiquen als auch für Einzelhändler mit mehreren Marken einführen möchten. Wird dies in 2021 auch ein Schwerpunkt sein? Schwung durch E-Commerce für Sie, aber auch für Ihre autorisierten Händler? Wie sehen Sie in einer Welt nach der Pandemie das Gleichgewicht zwischen Ihren Vertriebskanälen?

Julien Tornare: Es wird sich nicht zu viel ändern. Die einzige große Änderung besteht darin, dass der E-Commerce ein Bereich mit hohem Wachstum war und nun ein echter Akteur in unserem Mix ist. Schweizer sind konservativ, und einige haben geglaubt, dass wir Luxusuhren niemals online verkaufen werden. Aber heute sehen wir, dass auch wir online verkaufen können. E-Commerce ist für uns wirklich zu einem neuen Markt geworden. Das werden wir mit Sicherheit fortsetzen.

„Defy Extreme”

E-Commerce ist für uns wirklich zu einem neuen Markt geworden. Das werden wir mit Sicherheit fortsetzen.”

WatchPro: Ihre Einzelhandelspartner haben auch den E-Commerce und das Clienteling beschleunigt, während die Geschäfte geschlossen waren. Erwarten Sie, dass Ihr Großhandelsgeschäft weiterhin einen so hohen Anteil am Gesamtumsatz haben wird wie vor der Krise?

Julien Tornare: Wir müssen ein Gleichgewicht halten. Ich bin historisch gesehen kein Einzelhändler, und ich weiß, dass der Einzelhandel für den Markenaufbau und die Beeinflussung der Verbraucher äußerst wichtig ist. Ich glaube immer noch sehr an unser Großhandelsgeschäft, was nicht bei allen meinen Kollegen der Fall ist.

Gestern hatte ich einen Zoom-Call mit einer Gruppe von Schweizer Uhrensammlern, und sie sagten mir, dass sie es schätzen, zu einem erfahrenen Einzelhändler zu gehen. Wenn ein Kunde eine Monobrand-Boutique besucht, wird ihm natürlich gesagt, dass die Marke die beste der Welt ist. Die meisten Menschen benötigen jedoch eine unparteiische Beratung, die sie nur von einem Einzelhändler mit mehreren Marken bekommen können.

Ein Kunde könnte zu einem Juwelier gehen und sagen, er suche einen wirklich schönen Chronographen. Ich hoffe, der Verkäufer legt dann einen Zenith auf das Tablett, aber es könnte sich auch um eine Rolex, eine Omega oder viele andere Marken handeln. Dann ist es die Wahl des Kunden mit Hilfe des Verkäufers.

In unserer Branche kann es zu Arroganz bei bestimmten Marken kommen, die sagen, dass sie keine Einzelhändler mehr benötigen. Ich höre das nicht gern, weil es in den meisten Fällen Einzelhändler sind, die Marken aufbauen. Also sollten wir das respektieren. Zweitens bin ich der festen Überzeugung, dass Kunden immer noch eine Erfahrung mit mehreren Marken wünschen. Das ist meine Philosophie und ich rufe sie unseren Einzelhändlern laut und deutlich zu. Wir werden sie nicht vergessen.

In unserer Branche kann es zu Arroganz bei bestimmten Marken kommen, die sagen, dass sie keine Einzelhändler mehr benötigen.”

WatchPro: Sie haben Boutiquen in Asien, aber haben Sie auch entsprechende Pläne in Großbritannien und den Vereinigten Staaten?

Julien Tornare: Ja, wir brauchen Boutiquen. Als ich für Vacheron gearbeitet habe, hatten die Leute große Angst davor, Boutiquen zu eröffnen. Aber ich sagte, dass ich nur die angemessene Zahl an Boutiquen eröffnen würde, um den Markenaufbau und die Bekanntheit zu stärken.

Einzelhändler reagieren immer gleich, wenn Marken Boutiquen eröffnen. Zuerst beklagen sie sich, dass wir um ihre Kunden konkurrieren. Nach ein paar Monaten sehen sie, wie sich ihr Geschäft belebt und sie erkennen, dass unsere Boutique ihnen tatsächlich hilft, neue Kunden zu gewinnen.

Am Ende des Tages ist es eine Win-Win-Situation, aber Sie müssen immer den gleichen Prozess durchlaufen. Das habe ich in der Vergangenheit gelernt.

Wir werden das mit Zenith durchgehen. Ich würde gerne eine Boutique in London und New York haben. Wir sollten in Hongkong sein. Wir haben gerade im Dezember in der Dubai Mall eröffnet.

Die Schlüsselbotschaft ist, dass wir nicht die Absicht haben, unseren Partnern das Geschäft zu nehmen.

Wir wollen die Marke für alle ausbauen. Wenn ich mir Marken anschaue, die sich vom Großhandel entfernt haben, denke ich, dass sie irgendwann zurückkehren werden, weil wir komplizierte Artikel verkaufen und Kunden Rat von neutralen Experten wünschen.

WatchPro: Wenn Sie Boutiquen in Orten wie London und New York eröffnen, haben Sie die Möglichkeit, diese selbst zu betreiben, oder Sie können sie in Partnerschaft mit einem Ihrer bestehenden Einzelhandelspartner eröffnen. Was ist Ihre Präferenz?

Julien Tornare: Ich bin froh, dass Sie das gefragt haben, weil es sehr wichtig ist, und ich das schon einmal in China erlebt habe. Als Marke können Sie Ihre eigene Boutique in Shanghai und Peking eröffnen, da es sich um riesige Städte handelt, in denen ständig Millionen von Menschen kommen und gehen. Wenn Sie jedoch anfangen, in kleinere Städte zu gehen, die eher ein Inlandsmarkt sind, dürfen Sie die Macht lokaler Einzelhändler, die sich seit Jahrzehnten um ihre Kunden kümmern, nicht unterschätzen. Die Einzelhändler sind Mitglieder der richtigen Clubs und kennen jeden, der das nötige Geld hat, um eine Luxusuhr zu kaufen.

In kleineren Städten ist es viel besser, ein Franchise mit einem lokalen Einzelhändler zu eröffnen, der seine Kunden wirklich kennt. Es ist viel effizienter.

Die A384 feierte ihr Debüt im Jahr 1969 als Gesicht des Kalibers El Primero.

WatchPro: Der chinesische Markt hat die Schweizer Uhrenindustrie in den letzten zwölf Monaten wirklich gerettet. Aber glauben Sie, dass große Gruppen wie LVMH daran arbeiten werden, ein Gleichgewicht zwischen Ost und West aufrechtzuerhalten?

Julien Tornare: Noch eine gute Frage. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zu halten, da Marken, die alle Eier in einen Korb gelegt haben – und Sie haben Recht, dass es oft der chinesische Korb war – sich möglicherweise in einer schwierigen Situation befinden, die nach hinten losgeht.

Wenn Sie eine Krise in China haben, wie es im Januar und Februar letzten Jahres der Fall war, können Sie 60, 70, 80 Prozent Ihres Geschäfts verlieren.

Zweitens sehen wir eine neue Generation chinesischer Kunden, die im Gegensatz zur Generation ihrer Eltern um die Welt gereist ist. Sie wurden möglicherweise im Ausland ausgebildet und sprechen gut Englisch.

Sie interessieren sich nur für Marken, die sie in den besten Städten der Welt sehen. Wenn sie sie in diesen Städten nicht sehen, werden sie die Marke als nur für die Chinesen gemacht betrachten, und das gefällt ihnen nicht. Es ist sehr wichtig, global zu sein.

WatchPro: Glauben Sie, dass Chinesen, wenn sie wieder reisen können, wieder ihre Uhren in großen europäischen Hauptstädten wie London, Paris und Genf kaufen werden? Oder erwarten Sie, dass ein viel höherer Anteil der Verkäufe an chinesische Kunden in China selbst stattfinden wird?

Julien Tornare: Ich denke, sie werden beides tun. Sie wurden 2020 in China eingesperrt. Viele Leute sprechen von der Insel Hainan als Urlaubsziel, in dem Chinesen reisen und einkaufen können, aber die Chinesen sind sehr neugierig. Sie wollen die Welt entdecken. Sobald sie reisen können, werden sie es wieder tun und ihre Zeit wieder im Ausland verbringen. Davon bin ich überzeugt. Es gibt keine Möglichkeit, Orte wie London, New York und Paris zu ersetzen.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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