Home Hintergründe

Brexit lässt Pre-owned-Uhrenhandel zwischen Großbritannien und der EU einbrechen

0

Grund für die starken Rückgänge ist das sogenannte, seit dem 1. Januar nicht mehr geltende „Margin Scheme“.

Das bedeutet, dass bei Verkäufen zwischen der EU und GB die jeweils geltende Mehrwertsteuer nicht mehr nur für die Gewinnspanne fällig wird (so wie bisher), sondern auf den gesamten Verkaufspreis.

Hintergrund ist der Rückzug Großbritanniens aus dem Margensystem der Europäischen Union im Rahmen des Brexit, das es jedem in der EU ansässigen Unternehmen ermöglicht, Mehrwertsteuer nur auf die Gewinnspanne statt auf den vollen Preis für ein gebrauchtes Produkt zu entrichten.

Advertisement

„Seit dem Brexit-Deal sind die Transaktionen zwischen der EU und Großbritannien um rund 60 Prozent zurückgegangen“, berichtet Chrono24-CEO Tim Stracke. „Das so genannte ‚Margin Scheme‘ gilt nicht mehr für britische Unternehmen, was zu Nachteilen beim Verkauf von Waren aus dem Vereinigten Königreich in EU-Länder führt und umgekehrt. Für das Uhrengeschäft bedeutet dies, dass Verkäufer die Mehrwertsteuer zu ihren Uhrenverkäufen hinzufügen müssen. Vor dem Brexit galt diese Besteuerung nur für die Gewinnspanne.“

Eddie Bloom, Direktor des Spezialisten für Secondhanduhren Bloombar Watches in London, sagt, dass sein Unternehmen vor demselben Problemen steht. Nicht nur, dass die Gebrauchtuhren für EU-Kunden teurer werden, die meisten wissen auch nichts über die Änderung der Mehrwertsteuerregeln, was zu Verwirrung und Ärger führt.

„Das Problem liegt nicht nur darin, dass wir britischen Händler nicht mehr ohne Weiteres in der Lage sind, in die EU zu verkaufen, sondern auch in der großen Zahl von EU-Käufern, die nicht wissen, dass sich die Regeln geändert haben und weiterhin täglich Uhren bei uns kaufen – nur um die Bestellung zu stornieren, wenn sie herausfinden, dass die Einfuhrumsatzsteuer fällig ist“, beschreibt Bloom.

Hatte ein britisches Unternehmen vor dem 31. Dezember 2020 eine gebrauchte „Submariner“ von Rolex für 10.000 GBP eingekauft und für 15.000 GBP verkauft, dann wurde die britische Mehrwertsteuer in Höhe von 20 Prozent nur auf die Gewinnspanne von 5.000 Pfund fällig, sprich 1.000 GBP. Seit dem 1. Januar aber wird für die Berechnung der Mehrwertsteuer der gesamte Verkaufspreis zugrundegelegt, was 3.000 GBP Mehrwertsteuer bedeutet. Zu zahlen vom Käufer der Uhr.

Da alle verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten das Margensystem beibehalten, haben die in der EU ansässigen Händler also einen deutlichen Preisvorteil, da diese die Mehrwertsteuer nur für die Gewinnspanne berechnen müssen.

Tim Stracke: „Was wir sehen können, ist, dass das Transaktionsvolumen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich im Januar 2021 um rund 60 Prozent im Vergleich zum Dezember 2020 gesunken ist. Nach einem langsamen, aber stetigen Anstieg der Transaktionen in den letzten Monaten des vergangenen Jahres! Wir betrachten dies als ‚Vorbereitung‘ auf den Brexit, bei dem Käufer versuchten, ihre Geschäfte abzuschließen, bevor die neuen Vorschriften in Kraft traten. Die Zahl der aktiven Angebote von britischen Händlern auf Chrono24 ging seitdem um rund 15 Prozent zurück. (…) Es wird interessant sein zu sehen, wie Uhrenliebhaber und Händler aus der EU und dem Vereinigten Königreich in den nächsten Monaten mit dieser Situation umgehen werden!“

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here