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Breguet-CEO findet globale Messen obsolet

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Seit er im Jahr 2018 die Baselworld verlassen hat ist Nick Hayek, CEO der Swatch Group, fest davon überzeugt, dass globale Messen ausgedient haben.

Die Pandemie hat die Position der Gruppe nicht verändert, auch nicht die durchaus erfolgreiche erste physische Watches & Wonders in Genf im Frühjahr dieses Jahres.

Genutzt hat Breguet diesen internationalen Branchentreff aber dennoch und lud Journalisten während der Veranstaltung zu Treffen mit Lionel A Marca, Breguet-CEO seit Mitte letzten Jahres, in die Genfer Boutique der Marke ein.

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Dort wiederholte er ohne jegliche Ironie, den Standpunkt der Swatch Group, dass Messen „obsolet“ geworden seien – während er gleichzeitig die Tatsache nutzte, dass Uhrenmedien aus aller Welt nur aufgrund der Watches & Wonders nach Genf gekommen waren – bezahlt von Watches & Wonders.

Denn: „Eine Rückkehr zu menschlichen Beziehungen mit persönlichem Austausch ist sehr willkommen.“, so Lionel A Marca.

Aber: „Was Messen angeht, meine ich persönlich, dass die großen Shows, die früher einmal im Jahr stattfanden und bei denen wir alle Neuheiten des Jahres präsentierten, für Breguet obsolet zu sein scheinen. Natürlich werden immer noch Messen veranstaltet und mehrere Marken nehmen daran teil. Ich denke, dass diese Formel für bestimmte Marken absolut angemessen sein kann. Ich für meinen Teil verlasse mich lieber auf ganzjährige Präsentationen unserer neuen Produkte in verschiedenen Teilen der Welt. Die räumliche Nähe zu Journalisten und Endkunden durch Besuche in ihren Ländern wird von unseren Partnern sehr geschätzt und wir wollen diesen Weg weitergehen.“

Die Diskussion war Teil eines umfassenderen Gesprächs mit WatchPro UK über Uhren, seine Position als CEO und die aktuelle wirtschaftlichen Situation:

WatchPro: Wie hilft Ihnen Ihr Hintergrund als Uhrmacher bei Ihrer neuen Position als CEO?

Lionel A Marca: Dieser „Doppelhut“ erleichtert mir den globalen Überblick, sowohl über die Entwicklung neuer Produkte als auch über deren Vermarktung. Seit Beginn meiner Karriere habe ich tatsächlich alle Stationen durchlaufen: vom Design der Uhrwerke bis zur Leitung der Produktion – nicht nur der Zusammensetzung der Kollektionen, sondern auch der Teams, die sie herstellen.

Ein weiterer sehr inspirierender Aspekt ist für mich, seit 20 Jahre mit Herrn Marc A. Hayek zusammenarbeiten zu dürfen. Sein Wissen über die Produkte, die Technik und seine Vision stärken mein Wissen Tag für Tag; wofür ich ihm dankbar bin.

All dies ermöglicht es mir, sowohl die mit der Produktion verbundenen Ziele als auch die Gesamtstrategie einer Marke zu realisieren. Heute ist es mein Bestreben, all dieses Know-how zu nutzen, um das Vermächtnis von Abraham-Louis Breguets Werk fortzuführen.

WatchPro: Erzählen Sie uns bitte mehr über die neue „Marine Hora Mundi.“

Lionel A Marca: Die „Hora Mundi“-Komplikation wurde 2011 in der „Classique“-Kollektion erstmals veröffentlicht. 2022 wollten wir eine „Hora Mundi“ innerhalb der „Marine“-Kollektion schaffen. Es erschien uns logisch, eine ebenso sportliche wie zeitgemäße Reiseuhr in diese Kollektion aufzunehmen. Unser Ziel war es, einen 3D-Effekt zu erzeugen; eine Tiefe auf dem Zifferblatt.

Darüber hinaus wollten wir auch eine hervorragende Lesbarkeit bieten. Dazu haben wir mit der Überlagerung verschiedener Ebenen gespielt. Die erste aus Gold zeigt handguillochierten Wellen und ein Zifferblatt mit Sonnenschliff, das durch Lichtreflexionen das Gefühl rollender Wellen vermittelt. Dazu kommt eine zusätzliche Ebene aus Saphir mit Meridianen. Die Küstenlinien der horizontal satinierten Kontinente sind als metallisierte türkisfarbene Ränder wiedergegeben. Schließlich dient ein äußerer Höhenring als Halterung für die verschiedenen Elemente auf dem Zifferblatt.

Das Ergebnis verfügt über perfekt ausgeführte Abmessungen und Oberflächen, und zwar dank verschiedener Behandlungen, die mehrere Wochen Arbeit erforderten. Es ist dieser clevere Mix aus Perspektiven und Details, der diesen Zeitmesser so besonders macht.

WatchPro: Außerdem verfügt sie über eine besondere GMT-Funktion.

Lionel A Marca: In der Tat ist es eine GMT mit Gedächtnis und der Möglichkeit der unmittelbaren Änderungen der Zeitzonen. Der Träger kann die Stadt, die Stunde und das Datum der ersten Zeitzone einstellen und dann erfolgt dank eines Systems von Nocken und Differenzialen die Berechnung der Uhrzeit und des Datums der zweiten Zone automatisch.

Dabei wechseln Sie mit einem einfachen Klick auf den Drücker von einer Stadt zur anderen. Diese Komplikation gefällt mir besonders gut, weil sie trotz ihrer Komplexität für den Besitzer der Uhr sehr einfach zu bedienen ist. Mit dieser Art von Uhren folgen wir dem Geist von Abraham-Louis Breguet.

WatchPro: Aus wirtschaftlicher Sicht: Wie hat sich die Covid-Situation in Asien auf Ihre Marke ausgewirkt?

Lionel A Marca: Mit Blick auf Covid ist klar, dass 2020 für niemanden ein einfaches Jahr war. Im Jahr 2021 haben wir uns in jedem Land weiterentwickelt, da sich die verschiedenen Märkte entsprechend der Möglichkeiten organisiert haben, was es uns ermöglicht hat, 2021 zu einem sehr guten Jahr in Bezug auf Produktion, Vertrieb und Strategieplanung für die Zukunft zu machen.

WatchPro: Waren die Uhrensammler in dieser Zeit aktiv?

Lionel A Marca: Ja, und die große Stärke von Breguet ist es, dass diese nicht in einer Region der Welt lokalisiert sind. Wir haben tolle Modelle an Sammler in Korea, Japan, China, aber auch in Europa verkauft. Unsere Marke hat eine lange Geschichte, daher kennen uns die Leute.

In unseren Filialen und bei den Einzelhändlern ist es unser Ziel, überall auf der Welt außergewöhnlichen Service zu bieten, und das ist für mich eine wichtige Anforderung, die ich sehr genau verfolge.

WatchPro: Welche Strategie verfolgen Sie mit dem Angebot von Breguet, um auf der einen Seite bestehende Kunden zufriedenzustellen und um auf der anderen Seite zukünftige Generationen als Käufer zu erobern?

Lionel A Marca: Da spielen mehrere Aspkete eine Rolle. Mit meinem Hintergrund ist es für mich unerlässlich, eine kohärente Organisation in Bezug auf die Projekt- und Produktentwicklungsplanung zu haben. Ich möchte nicht die notwendige Zeit des Produktionsprozesses verkürzen, um eine maximale Stückzahl auf den Markt zu bringen oder bestimmten Trends gerecht zu werden.

Breguet ist eine Exzellenzmarke, und wenn wir eine Uhr auf den Markt bringen, ist es wichtig, dass sie unseren sehr hohen Qualitätsstandards entspricht – ebenso wie denen unserer Kunden. Es wäre für uns undenkbar, diese Anforderungen nicht zu erfüllen.

Mein Wunsch ist es auch, unsere sechs Kollektionen beizubehalten, da sie alle sehr komplementär sind und verschiedenen Stilen und Wünschen entsprechen. Zum Beispiel unterstreicht die Linie „Tradition“ – das ist die Uhr, die ich trage – die Ursprünge der Marke dank ihres Uhrwerks, das von Takt- und Subskriptionsuhren inspiriert ist.

WatchPro: Und was ist mit den jüngeren Konsumenten?

Lionel A Marca: Wenn wir über die neue Generation sprechen, die sich für die Uhrmacherei interessiert, müssen sie die Geschichte hinter der Marke verstehen, wenn sie eine Uhr kaufen.

Ein Erbe wie das von Breguet zu haben, ist eine echte Chance: Abraham-Louis Breguet war ein avantgardistischer Techniker, Uhrmacher und Designer, der einige der Grundlagen der heutigen Uhrmacherkunst geschaffen hat.

Er war auch ein Mann, der sich innovative Uhren vorstellte – aber vor allem – einfach zu bedienende, nützliche und praktische. Es liegt an uns, dem gerecht zu werden.

Unser Ziel ist es, an diesem Erbe zu arbeiten und gleichzeitig innovativ zu bleiben. Aus diesem Grund investieren wir viel in unsere F&E-Abteilung, die voller Ideen ist, das kann ich Ihnen versichern.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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