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Amazon als Retter in der Krise?

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Amazon hat am Montag mitgeteilt, dass man 100.000 Lager- und Lieferarbeiter in den Vereinigten Staaten einstellen werde, um den Anstieg der Online-Bestellungen zu bewältigen, da die Verbraucher in Angst vor der Verbreitung des Coronavirus vermehrt online einkaufen.

Der marktführende Online-Anbieter kündigte zudem an, dass über 350 Millionen US-$ investieren werden würden, um die Löhne für die Mitarbeiter in den USA, Kanada und Europa zu erhöhen.

So weit so gut und eine nachvollziehbare unternehmerische Entscheidung.

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Diese hat aber einen bitteren Beigeschmack. Nicht nur, dass die Einstellungsoffensive einer weltweiten Epidemie geschuldet ist, die wohl auch eine globale Wirtschaftskrise nach sich ziehen wird. Dafür können aber Amazon und Jeff Bezos (Gründer, President, Chairman und CEO des Konzerns, Bild oben) natürlich nichts. Allerdings zelebriert sich das Unternehmen ein wenig als Retter in der Krise, der weniger aus Eigennutz denn aus philanthropischen Motiven handelt.

„Wir wissen auch, dass viele Menschen wirtschaftlich betroffen sind, da Arbeitsplätze in Bereichen wie Gastgewerbe, Restaurants und Reisen als Teil dieser Krise wegfallen oder vorläufig eingestellt werden. Wir möchten, dass diese Menschen wissen, dass wir sie in unseren Teams willkommen heißen, bis sich die Dinge wieder normalisieren und ihre früheren Arbeitgeber in der Lage sind, sie wieder zu beschäftigen“, sagte Amazon am Montag in einem Blog-Post.

Damit stellt Amazon seine Geschäfte in der Corona-Krise wie eine Hilfsaktion dar. Während die Pandemie anhalte, helfe Amazon mit seinem Partnernetzwerk Gemeinden weltweit „wie wenige andere es können”.

Dass die vielen Bestellungen Amazon gute Geschäfte bescheren dürften, thematisiert der Konzern in dem Blog nicht. Kein Unternehmen muss sich für gute Geschäfte entschuldigen, das ist klar. Aber man sollte sie auch nicht als wohltätige Tat deklarieren, das ist unglaubwürdig, scheinheilig und schlicht und ergreifend schlechtes Marketing.

Dabei engagiert sich Amazon durchaus auch anderweitig für Bedürftige in der Corona-Krise, wie das Unternehmen auf seinem Blog mitteilt: „In Seattle, unserem größten Standort, haben wir bereits einen Hilfsfond über 5 Millionen Dollar für Kleinunternehmen eingerichtet. Daraus gewähren wir kleinen Nachbarschaftsläden finanzielle Zuschüsse wenn sie Unterstützung benötigen, um wirtschaftliche Herausforderungen in Bezug auf COVID-19 zu bewältigen. Der Fonds richtet sich an Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von weniger als 7 Millionen US-Dollar. Zusätzlich subventionieren wir zwei volle Monatsmieten für Mieter in Amazon-eigenen Gebäuden. Weiterhin spendet Amazon in den USA eine Million US-Dollar für einen neuen Fonds der Seattle Foundation, der für von COVID-19 betroffene Stadtbewohner eingerichtet wurde. Der Fonds stellt flexible Ressourcen für gemeinnützige, gemeindenahe Organisationen zur Unterstützung von Personen zur Verfügung, die überproportional vom Coronavirus und den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind.“

Tags : amazonBezosCorona
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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