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Alle Breitling-Uhren bekommen einen digitalen Pass

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Im März stellt Breitling die limitierte „Top Time“ vor, eine überarbeitete Version der ersten „Top Time“ aus den 1960er-Jahren. Und so unverkennbar deutlich wie das „Zorro-Zifferblatt“ auf die jahrzehntealten Wurzeln verweist, so eng ist der Zeitmesser auch mit einer Technologie der Zukunft verhaftet: die Rede ist von der Blockchain.

Zunächst aber einmal präsentiert sich die „Top Time“ in gewohnter Breitling-Manier: Im 41-Millimeter-Gehäuse des COSC-zertifizierten Chronometers schlägt das Breitling-Kaliber 23, Stunden- und Minutenzeiger sowie die Punktmarkierungen für jede Stunde sind mit Superluminova beschichtet, neben den zentralen Stunden-, Minuten- und Chronographen-Sekundenzeigern verfügt das Zifferblatt auch über eine Dezimalskala und zwei Hilfszifferblätter – eine kleiner Sekundenzähler bei 9 Uhr und ein 30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr.

2.000 Exemplare sind vorgesehen, die zunächst ausschließlich über den E-Commerce-Kanal der Marke, später auf Anfrage auch im globalen Händlernetz der Marke angeboten werden. Kommt es zum Kauf, dann kommt es auch zu einer Premiere.

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Denn die „Top Time Limited Edition“ ist die erste Breitling-Uhr mit Blockchain-basiertem, digitalem Pass. Die Echtheit und der Besitz der Uhr können somit durch einen einzigen Klick verifiziert werden. Der Besitzer hat jederzeit die Möglichkeit, auf den digitalen Pass der Uhr zuzugreifen und das Eigentum nach Wunsch mit einer einfachen Blockchain-Transaktion zu übertragen.

Dass es nicht bei dieser einen Uhr mit digitalem Pass bleiben soll, und was der Pre-owned-Markt damit zu tun hat, das verriet Antonio Carriero, Breitling Chief Digital & Technology Officer, im Gespräch mit WatchPro.

WatchPro: War der Blockchain-Vorstoß mit der „Top Time“ eigentlich ein Test, um zu schauen, inwieweit der Endverbraucher sich schon darauf einlässt?

Antonio Carriero: Die ‚Breitling Top Time Limited Edition‘ ist die Uhr der Marke, die mit einem Blockchain-basierten, digitalen Pass angeboten wird. Die Lancierung der ‚Top Time‘ war nicht einfach ein Test, sondern bot uns vielmehr die perfekte Gelegenheit, um unsere neue Blockchain-Lösung von der Produktion bis zum Endkonsumenten auf allen Ebenen ideal abzustimmen.

WatchPro: Wie sind Ihre Erfahrungen seit der Einführung, wie ist das Feedback des Endkunden, gibt es zum Beispiel Verständnisfragen oder Zweifel hinsichtlich des Datenschutzes?

Antonio Carriero: Das Feedback ist extrem positiv! Mehr als 80 Prozent der ‚Top Time‘-Käufer haben sich das Blockchain-Zertifikat mittels eines simplen Klicks heruntergeladen. Der Start stieß auf großes Interesse bei Medien und Wettbewerbern. Auch deshalb, weil wir die Blockchain-Technologie mit unserem internationalen Garantieprogramm verknüpft und beschlossen haben, den vollständigen Quellcode für jedermann zugänglich zu machen.

Unsere Kunden, Partner wie auch unsere Branche liegen uns am Herzen. Aus diesem Grund bereitet es uns Freude, Lösungen bereitzustellen, welche die Wertschöpfungskette der Industrie – vom Produkt bis hin zum Kunden – aufwerten. Um jegliches Missverständnis zu vermeiden, gilt es zu festzuhalten, dass die Blockchain ausschließlich Produktdaten speichert und keine Kundendaten.

WatchPro: Wie sieht die zukünftige Breitling-Strategie hinsichtlich Blockchain aus? Soll das Angebot auf andere Modelle ausgeweitet werden? Und wie könnte dann der Juwelier mit eingebunden werden?

Antonio Carriero: Ab September 2020 werden alle Breitling-Uhren mit einem Blockchain-Zertifikat ausgestattet sein. Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Handelbarkeit sind die wichtigsten Vorteile für den Besitzer einer neuen Breitling. Die Historie der Uhr ist für immer an das Zertifikat geknüpft und lässt sich somit durch die Blockchain nachverfolgen.

Der digitale Pass, in welchem das Blockchain-Zertifikat hinterlegt ist, bietet Zugang zu einem breiten Angebot an Serviceleistungen, einschließlich der Möglichkeit, das Eigentum an der Uhr mit einer einfachen Blockchain-Transaktion zu übertragen. Auf Anfrage und unter Berücksichtigung bestimmter Bedingungen werden wir auch ein Zertifikat für Breitling-Uhren, die vor September 2020 verkauft wurden, ausstellen können.

Unsere Einzelhändler werden die Möglichkeit haben, auf die Geschichte der Breitling-Uhren zuzugreifen, da die Daten sicher in der Blockchain gespeichert werden. Zudem entwickeln wir eine Reihe von einfachen Funktionen, die unseren Händlern den Kontakt mit Ihren Kunden und Breitling vereinfachen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Erinnerung und Angebote von Dienstleistungen oder Rückkauf- und Eintauschprogramme handeln.

WatchPro: Geht es auch darum, zu verhindern, dass in Zukunft auf dem Pre-owned-Markt Fälschungen beziehungsweise Uhren aus zweifelhafter Herkunft angeboten werden?

Antonio Carriero: Ja, absolut, es geht auch um den Pre-owned-Markt. Dank Prüfung des Blockchain-Zertifikats wären zukünftig nur Uhren handelbar, deren Historie und Authentizität sich zurückverfolgen lassen. Wir könnten die höchste Automatisierung auf autorisierten „certified pre-owned“ Plattformen erreichen.

Mittels der Blockchain versorgen wir jeden Breitling-Besitzer mit den genauesten und vollständigsten Informationen über seine Uhr. Diese Details ermächtigen den Eigentümer und befähigen den zukünftigen Besitzer einer Breitling-Uhr, unabhängig vom jeweiligen Erwerbskanal, in seiner Entscheidung und Auswahl.


Die Blockchain

Mit Blockchain bezeichnet man eine Technologie, jegliche Art von Information in einer Datenbank zu speichern, zu verarbeiten, zu teilen und zu verwalten. Entscheidend dabei ist die dezentrale Speicherung als kontinuierliche Liste von Datensätzen, den sogenannten Blocks. Diese werden mittels Kryptographie verkettet, Manipulationen sind nicht möglich. Diese Datenbank wird auch als verteiltes Register oder Hauptbuch (Distributed Ledger) bezeichnet.

Dieses Hauptbuch ist auf vielen Rechnern in einem Peer-toPeer-Netzwerk abgelegt, wobei jeder neue Knoten mit seinem Beitritt eine vollständige Kopie der Blockchain übernimmt und ab sofort die Aufgabe hat, Transaktionen zu überprüfen und zu dokumentieren.

Am Anfang steht also ein erster Datensatz (Block), der von Tausenden oder gar Millionen Rechnern im Netzwerk verifiziert und gespeichert wird. Der Block wird kryptografisch verschlüsselt an eine Kette von Datensätzen angehängt. So entstehen viele einzgartige Datensätze mit einer eigenen, nachvollziehbaren Historie.

Wie bei einer Kette, in die alle Rechner des beteiligten Netzwerks eingebunden sind, werden diese Verzeichnisse ständig chronologisch und linear erweitert. Daher der Begriff Blockchain. Blockchains sind demnach sichere, stets aktuelle Verzeichnisse, in denen sich digitale Transaktionen verlässlich und für die Teilnehmer nachvollziehbar dokumentieren lassen.

Die Art der Information, die bei der Blockchain in den Blöcken abgelegt wird, ist zweitrangig. Es kann sich um eine Finanztransaktion, einen Vertrag, ein Testament, eine Aktie oder einen Kaufvertrag handeln.

Jeder neue Block ist verbunden mit dem vorhergehenden Block und enthält die Historie in Form einer Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. Zusätzlich zur Prüfsumme des vorhergehenden Blocks enthält ein Block auch immer die Prüfsumme der gesamten Kette.

Jeder dieser Blöcke wird durch das sogenannte Mining verifiziert und versiegelt. Bei diesem Vorgang wird der Block erzeugt. Um zum Zug zu kommen, müssen die Miner ein mathematisches Rätsel lösen. Wer als Erstes die Lösung hat, wird als Miner akzeptiert. Der Miner erhält für seine Arbeit ein Honorar in Form von Kryptowährung (Bitcoin). Einmal verifiziert ist der Block und die darin enthaltene Information für alle Ewigkeit unveränderlich und für jeden sichtbar gespeichert.

Denn jeder Teilnehmer hat die gleichen Möglichkeiten und Zugriffsrechte. Nur dann, wenn jemand mehr als 50 Prozent des beteiligten Netzes innehat, ist der Schutz vor Manipulation in Gefahr.

Die Zugangssoftware, die Wallet, basiert auf einem Schlüsselpaar. Der öffentliche Schlüssel ist für jeden sichtbar, der private ist geheim und vergleichbar mit einem Passwort. Jede Transaktion oder Bewegung innerhalb der Blockchain wird mit Hilfe des privaten Schlüssels signiert. Ohne Signatur ist die Transaktion ungültig. Da das Schlüsselpaar auf einer asymmetrischen Verschlüsselung basiert, ist es unmöglich, nur anhand des öffentlichen Schlüssels den privaten Schlüssel zu erraten.

Ein Beispiel: Max Muster kauft ein Haus. Sein öffentlicher Schlüssel ist mit der Urkunde fest verknüpft, das ist für jeden ersichtlich. Aber nur Max kann mit seinem privaten Schlüssel die Urkunde an andere übertragen.

Tags : BlockchainbreitlingCarrieroDigitalisierungTop Time
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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